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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Husmann und das Einkaufen

Unser Autor will doch bloß Lebensmittel kaufen

Zu viel des guten Zwecks

Unser Kolumnist will nicht die Welt retten, sondern bloß einkaufen gehen. Doch das eine geht mittlerweile kaum noch ohne das andere

Der Lurch ist am Arsch. Ramona hatte mich einkaufen geschickt, in den Bio-Markt, und kurz vor der Wurst fängt mich ein Typ ab und jammert über den Lurch. Dem geht’s echt nicht gut, höre ich. Der Lurch braucht dringend Kohle. Ich hab aber mein Kleingeld schon der Frau gegeben, die vor dem Laden die Kunden begrüßt. Also, eigentlich bettelt sie natürlich, aber es ist, wie gesagt, ein Öko-Laden, da heißt das anders. Sie lächelt jeden an und sagt so was wie „Gurte hart“. Ich schätze, sie meint „Guten Tag“. Sie ist mindestens Sinti, und ich bin scheiße, weil ich nicht mit ihr rede wie die anderen Kunden, die sich vorm Einkaufen den Fahrradhelm vom Kopf schrauben und dabei mit ihr plaudern, um zu zeigen, dass sie nichts gegen Ausländer haben.

 

Keiner von denen hat ihr bislang gesagt, dass „Gurte hart“ auf Deutsch kein gültiger Gruß ist, aber Reden ist Silber, Schweigen ist Geld, deswegen gebe ich ihr stumm eine Münze, die mir prompt im Laden wieder fehlt, denn auch die Ökos haben nicht genug Vertrauen in ihre Kunden, um Einkaufswagen ohne Pfand da hinzustellen. Also bitte ich die Frau an der Brottheke, mir einen 5-Euro-Schein kleinzumachen. Klar, kein Problem, sagt sie, ob ich die Tafel kenne, da geht’s um Obdachlose. Ich sage, in Ordnung, mit vier Euro bin ich dabei, und denke, damit hab ich mich losgekauft, aber sie hält mein Geld für ein Zeichen von Interesse und sülzt mich voll.

 

Dann kommt der bereits erwähnte Lurch vor der Wurst. Für den hab ich jetzt kein Geld mehr, obwohl er mir sympathischer ist als die Sinti-Frau und die Tafel. Aber ich muss los. Um kurz im Bio-Markt einkaufen zu gehen, kann ich mir schließlich keinen halben Tag Urlaub nehmen. Die Kassiererin streicht meine Einkäufe so langsam über den Scanner, als würde sie den Kram nicht verkaufen, sondern unter Tränen verabschieden. Am Ende macht sie mich auf die Spendenbüchse hinter der Kasse aufmerksam, für hungrigen Kork, daneben steht auf einem Plakat, dass Kinder knapp werden. Vielleicht ist es auch umgekehrt.

 

In Pornos tätowiert man den Darstellern ein Spendenkonto für Aids auf den Arsch 


Ich kaufe mir einen Tag später neue Sportsocken in einem ganz normalen Sportladen, und da bietet man mir an, die 10,99 auf 13 Euro aufzurunden, für ein Hospiz. Auch Socken sammeln jetzt also schon für einen guten Zweck. Abends gehe ich mit Möhre ins Stadion, wo die beiden Mannschaftskapitäne von einem Zettel sinngemäß ablesen, dass Rassismus kein schönes Hobby ist und wir das lassen sollen. Beim Fußball! Selbst das herrlich sinnfreie Spiel Fußball wird jetzt schon mit einer Botschaft aufgeladen und muss einem guten Zweck dienen. Bald sagt Dave Grohl auf der neuen Single der Foo Fighters nach der ersten Strophe, dass mit Scharlach nicht zu spaßen ist und ob wir Bock hätten, da was zu spenden. James Bond dreht sich, während er den Bösewicht in tausend Stücke schießt, kurz in die Kamera und erwähnt, dass es am Amazonas Indianer gibt, die Probleme haben, und in Pornos tätowiert man den Darstellern ein Spendenkonto für Aids auf den Arsch.

 

Engagement ist ja eine feine Sache, keine Frage. Die Welt ist nicht perfekt und logisch, Kork, Kinder, Rassismus und Obdachlose, alles voll wichtig, aber irgendwo ist ja auch mal gut. Irgendwo muss es auch eine sinnbefreite Zone ohne guten Zweck geben. Deswegen kaufe ich mir demnächst ein SUV und parke damit quer auf zwei Behindertenparkplätzen, nachdem ich damit eine komplette Lurchfamilie plattgemacht habe. Einfach so. Ich bin bereit. Ich brauche im Grunde nur noch das SUV. Wenn Sie mich da unterstützen wollen, würde ich mich über eine kleine Spende freuen. Schicken Sie das Geld einfach an den Playboy.

Autor: Ralf Husmann
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