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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Unter Haien

Auf Tauchstation im Designeranzug

Apnoe-Taucher Christian Redl im Interview

Tiefer, weiter, länger: Früher stellte der Apnoe-Taucher Christian Redl einen Weltrekord nach dem anderen auf. Heute schwimmt er lieber mit Haien oder lässt sich von Buckelwalen anschreien.

Making-of-Video vom spektakulären Hai-Shooting vor Taiti mit Fotograf Marc Hillesheim (Video: Peter Schneider):

Playboy: Respekt, Herr Redl! Wie Sie da so zwischen den Haien rumschwimmen, gehen Sie glatt als Bond-Double durch.
Redl: Ach, das war eigentlich der coolste Teil von allem. Bei den meisten ist die Reaktion ja: „Oh weh, ein Hai!“ Bei mir ist es eher: „Oh wie schön, ein Hai!“

Playboy: Was für Haie sind das?
Redl: Schwarzspitzen-Riffhaie. Nicht die größten, schauen auch nicht so gefährlich aus. Aber nicht die Weißen Haie sind gefährlich, sondern eher die kleinen verursachen Stress. Die beißen zwar nicht, kommen aber viel näher, sind aufdringlicher als die großen. Die sollte man schon im Auge behalten. Die kommen generell immer von hinten – weil sie Angst haben.

Playboy: Die haben auch Angst?
Redl: Weil sie uns nicht kennen. Haie sind seit Millionen Jahren im Meer – wir gehen erst seit ein paar Jahrzehnten zum Schwimmen, Tauchen oder Schnorcheln rein. Wir haben seit Spielbergs „Der weiße Hai“ ein völlig falsches Verständnis. Haie schnappen höchstens mal zu, wenn sie irritiert sind, lassen aber sofort von uns ab, weil sie merken: Das steht nicht auf der Speise-karte. Es sind noch nie Menschenteile in einem Hai-Magen nachgewiesen worden. Man kann mit Menschenblut auch keine Haie anlocken. Sie sind nicht gefährlich, sondern müssen geschützt werden. Wenn sie als Kopf der Nahrungskette aussterben, kippt der ganze Ozean.

"Ich wollte wie Jean Reno als Frauenheld im "Rausch der Tiefe" werden – und habe den Job bei der Bank gekündigt"

Christian Redl

Playboy: Der Großteil Ihres Lebens spielt sich unter Wasser ab. Gefällt es Ihnen an Land nicht?
Redl: Geschnorchelt habe ich schon mit sechs, mit Pressluft bin ich mit zehn getaucht, habe mit 17 mit Freitauchen angefangen – nachdem ich „Im Rausch der Tiefe“ gesehen hatte mit Jean Reno als Frauenheld. Genau so wollte ich auch werden und beschloss, Profi-Taucher zu werden. Mit 30 habe ich das geschafft und meinen Job bei der Bank gekündigt.

Playboy: Was fasziniert Sie am Tauchen?
Redl: Zwei Dinge. Der Grund, der in den vergangenen Jahren immer wichtiger wurde, ist einfach die Natur unter Wasser. Vor Tahiti konnte ich mit Buckelwalen tauchen. Ein Pärchen, das schon zwei Babys hatte, sich aber noch mal paaren wollte, hat sich quer durch die Bucht gejagt, um irgendwann erschöpft zum „Schlafen“ zu gehen. Die stehen dann in zehn, 15 Meter Tiefe und schlafen, leicht schräg: Kopf runter, Flossen hoch – meine Chance, mal ganz nahe an sie ranzukommen.

Playboy: Wie nahe?
Redl: Bis auf zwei, drei Meter. Der Wal ist 18 Meter lang, sein Auge so groß wie mein Kopf. Plötzlich macht er das Auge auf und schaut mich an – das Heftigste, was ich je unter Wasser erlebt habe. Der Wal ist genauso erschrocken wie ich und hat einen Ton ausgestoßen, wie ich ihn noch nie gehört hatte. Sonst singen die sehr hoch, aber das war ein einziger, sehr tiefer Ton. Für mich klang das wie: „Verpiss dich!“ Mir wurde gesagt, dass man eine Vibration am Brustkorb spürt, wenn man singenden Walen nahe ist. Aber dieser tiefe Ton ging durch den Brustkorb in mein Herz und verursachte Herzrhythmusstörungen.

Playboy: Und der zweite Grund?
Redl: Das Limit zu überschreiten, Rekorde aufzustellen. Das war früher wichtiger als jetzt. Man kann beim Freitauchen relativ schnell tolle Erfolge erzielen. Alle Schüler meiner Kurse können ihre Zeit unter Wasser schon nach ein paar Stunden locker verdoppeln. Es ist ein Sport, bei dem man immer versuchen kann, sich selbst zu schlagen, immer besser zu werden, in Zeit, Strecke oder Tiefe. Tauchen ist messbar, und das löst schon einen gewissen Reiz aus.


Zur Person

Christian Redl, 38

Der Österreicher hat sieben Liter Lungenvolumen, kann mehr als sechs Minuten die Luft anhalten und hat neun Rekorde im Freitauchen aufgestellt, die meisten beim Apnoe-Tauchen unter Eis. Redl gibt Apnoe-Kurse, hält Vorträge, legte sich bei „Johannes B . Kerner“ in eine Eiswanne, gibt auch mal den Stuntman und taucht an ungewöhnlichen Orten: im Gokyo-See in Nepal auf 5160 Meter Höhe zum Beispiel, demnächst in einer vor 500 Jahren überfluteten Stadt unter der Chinesischen Mauer sowie am Nord- und am Südpol.
Autor: Thomas Becker
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