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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Manuel Neuer vs. Oliver Kahn

Torhüter vs. Pfosten

Einer von uns, keiner von uns

Wir wollten es Manuel Neuer schon immer mal sagen. Und sein 30. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit: Glückwunsch, Manu, du bist der Größte! Ein Teamplayer ohne Vergleich. Schon gar nicht mit Oliver Kahn, dem Titanen und Einzelmännchen des ZDF

EINER von uns: Manuel Neuer

Irgendwann kurz nach dem Achtelfinale der WM 2014, nachdem Manuel Neuer die Algerier im dauernden Eins-gegen-eins zur Verzweiflung gegrätscht, geköpft und geflogen hatte, als Manu der Libero, als unbezwingbarer Halbfeldwebel, veröffentlichte das Internet die DFB-Aufstellung für den Rest des Turniers. Im Tor, klar, der Neuer. In der Abwehr: Neuer, Neuer, Neuer, Neuer. Im Mittelfeld: wer Bock hat. Und vorne Müller. Mehr brauchte es damals nicht. Denn Deutschland hatte einen neuen Helden.

Deutschland war Torhüter. Und wenig später wieder Weltmeister

Deutschland war Torhüter. Und wenig später wieder Weltmeister. Und Neuer, der schon vor dem Turnier als weltbester Keeper galt, wuchs zur Überlebensgröße. Zu einem, der das Spiel auf die nächste Ebene hebt und dadurch Synonym seines Sports wird. Vergessen die „Koan Neuer“-Pappschilder der bayerischen Pappnasen nach seinem Wechsel von Schalke 04.

Dort im Tor hatten die Deutschen nun einen, auf den sie stolz sein konnten, ohne sich im nächsten Augenblick für ihn schämen zu müssen. Weil er keiner jener Torhüter ist, die außerhalb des Platzes immer wirken, als seien sie einmal zu oft gegen den Pfosten gesprungen. Kein Karatekünstler, kein Testosteron-Clown aus der Muckibude. Neuer Stil statt alter Schule. Wenn Manuel Neuer im Tor steht, dann steht das Land dahinter.

Auch weil er in seinen besten Momenten noch immer der Manu ist, der Junge aus Gelsenkirchen, der mit viel zu großen Handschuhen auf dem Acker steht. Ein guter Kumpel, der jeden Scheiß mitmacht. Als ihm vor einiger Zeit ein Reporter nach einem Dopingtest die selten blöde Frage stellte, was denn herausgekommen sei, antwortete Neuer: Urin. Und konnte sich das Bubenlächeln nicht verkneifen. Manuel Neuer, Paradebeispiel, hatte auch dieses Einsgegen-eins für sich entschieden.

KEINER von uns: Oliver Kahn 

Der Boulevard gab ihm einst den Beinamen Titan und hat seine Geschichte damit im Grunde schon erzählt. Weil er, Oliver Kahn, gottgleich und unnahbar in seinem Tor stand und von seinem persönlichen Olymp auf die Sterblichen schaute. Und dabei ein Spiel erfand, das nur einer Regel folgte: Vorne spielen die anderen, dahinter er - ein Torwart, der sich irgendwann lossagte vom Fußball als Mannschaftssport.

Er verteidigte seinen Strafraum gegen alle. Die Stürmer, die Reporter, die Zuschauer

Die WM 2002, sein bestes Turnier, war sein Duell mit der Welt. Er allein gegen die USA, die Euphorie der Südkoreaner. Er am Ende aber auch allein am Pfosten. Zusammengesunken. Untröstlich, weil er in diesem Finale nicht am dicken Ronaldo, sondern vor allem an sich selbst gescheitert war. Gerade deshalb konnte kaum einer Mitleid empfinden mit diesem Kahn, der meist wirkte, als verteidige er seinen Strafraum gegen alle. Die Stürmer, die Reporter, die Zuschauer.

Sie warfen mit Bananen, er sammelte sie ein. Der Boxer und das Fallobst, er brauchte das. Den Hass. Daran, weiter, immer weiter, berauschte er sich. Ein monströser Eiermann, der sich durchs Dickicht der Neider faustete, immer noch ein Stück Heiko Herrlich zwischen den Zähnen.

Ein Titan eben, ein Ich-Erzähler in der dritten Person. Ein Oliver Kahn. Folgerichtig auch der Titel seiner Biografie: „Ich - Erfolg kommt von innen“. Denn darum ging es bei ihm: Ego und Ehrfurcht. Der Stürmer Thomas Brdaric besang später seine Angst vor Kahn, andere sprachen von Respekt. Doch aus Angst und Respekt kann niemals Liebe werden. So blieb er bis heute fremd. Kahn, ZDF-Experte und Einzelmännchen, selbst in der Analyse ein Extremsportler unter Volkshelden, der auch im Studio sein Spiel durchzieht. Die Kritik, die Meinung der anderen, er lässt da nichts zu. Sein Strafraum. Sonst beherrscht er nicht viel. 20 Jahre lang trug Kahn deutsche Handschuhe. Die Sympathie aber trug er nie.

Autor: Lucas Vogelsang
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