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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

The Circle: Emma Watson is watching you!

Heute startet die Bestseller-Verfilmung "The Circle" in den Kinos. Lesen Sie hier unsere Kritik zum neun Kinofilm mit Emma Watson, Tom Hanks und John Boyega

Es hätte alles so schön sein können. Nach extrem düsteren Cyber-Crime-Dramen wie „Snowden“ von Oliver Stone oder „Eagle Eye“ mit Shia LaBeouf, bei denen die Protagonisten vom gefürchteten „Big Brother“ langsam in den Wahnsinn getrieben werden, findet sich plötzlich „The Circle“ auf der Leinwand wieder.

Ein Film über eine junge Frau – gespielt von Emma Watson–, die sich nichts sehnlicher wünscht als bei dem hippen Unternehmen „The Circle“ anzuheuern und schließlich einen digitalen Albtraum durchlebt.

Emma Watson als "Mae Holland" in "The Circle"

Ein Film, der inhaltlich nicht weniger Angst vor dem allwissenden Digitalauge versprüht, aber wesentlich bunter inszeniert wurde. Ja, wüsste man durch die Buchvorlage von Dave Eggers nicht bereits, welch grausames Schicksal die Protagonistin Mae Holland (Watson) und ihre Freunde beim fiktiven Facebook-Klon erwarten würde, man könnte glatt meinen, dass jeden Moment Ben Stiller aus einem Busch springt, um ein paar flapsige Gags zu droppen.

Farbe statt Graustufen

Das neueste Werk von Indie-Regisseur James Ponsoldt, der unter anderem mit seinem wuchtigen Liebesfilm „The Spectacular Now“ Kritikerherzen zum Schmelzen brachte, ist so farbenfroh wie ein bunter Hund und strahlt eine Wärme aus, die nichts mit den Grautönen seiner Genrebeisitzer zu tun hat.

Allein der Firmencampus, den Mae schon kurz nach Filmbeginn besucht, um ihren ersten Arbeitstag beim Medienkonzern mit dem Kreisfetisch anzutreten, strotzt vor guter Laune und wild grinsenden Menschen.

Tom Hanks kann auch böse

Überall wird gegrüßt, man vernetzt sich sozial wie digital und genießt die familiäre Atmosphäre, auf die selbst Google-Mitarbeiter noch neidisch wären. Gesoffen wird bei den Festen nur gesittet, denn schon am nächsten Morgen sitzen alle „Circler“ in einem riesigen Konferenzraum und lauschen ihrem Chef Steve Jobs, äh pardon, Bailey (Tom Hanks), der sie von den Vorteilen des gläsernen Menschen überzeugen will.

Mit prachtvollen Parolen bringt dieser immer wieder die Menge ins Rollen. Wer noch kein Bailey-Fan ist, der wird es nach einer solchen Sitzung. Mae wird es jedenfalls. Hier ist aber auch alles so schön bunt.


Abdrehen erlaubt

Der Ansatz, den Regisseur Ponsoldt wählt, ist frisch und unverbraucht. Warum nicht den Zuschauer in einer zutraulichen Welt versinken lassen, bevor man ihm eine schreckliche Zukunft offenbart, die uns auch im echten Leben bald erwarten könnte.

Man muss das Unheil nicht gleich von Anfang an aufzeigen, um das Publikum in die richtige Stimmung zu bringen. Eigentlich ist die Herangehensweise von „The Circle“ doch viel destruktiver und verstörender, fast schon disruptiv im Genre.

Wenn der Vorhang fällt...

Wenn Mae langsam erkennt, dass die Freundlichkeit ihrer Kollegen ein System hat und der visionäre Konzernchef unlautere Pläne mit seiner fortschrittlichen Technologie verfolgt, dann beginnt die Fassade zu bröckeln und die bunten Farben entweichen langsam.

Übrig bleibt aber nicht Weiß und Schwarz, eine gewisse Ambivalenz bewahrt sich das Drama lange und selbst eine von Maes besonders hinterlistigen Freundinnen offenbart am Ende eine fast schon tragische Seite.

Emma fällt auf Tom rein

Allein, der Schockeffekt über das große Ganze bleibt aus, weil Ponsoldt seine Hauptfigur zur Mitte des Films jeglicher Glaubwürdigkeit beraubt. Da lässt sich die auch im Film selbstbewusste Emma Watson vom – man glaubt es kaum – blassen Tom Hanks verführen, als Stellvertreterin und lebendes Versuchsobjekt seine streitbaren Durchleuchtungsmethoden in die Welt seiner Jünger und kommenden Ministranten zu tragen. Es geschieht ohne wirkliche Gegenwehr. Das doch eigentliche gebildete Mädchen hinterfragt... nichts.

Nicht mal Usain Bolt hätte zu seinen besten Zeiten dieser Charakterentwicklung folgen können.  In Rekordzeit wird die Bekehrte zur Big Sister umprogrammiert, die willentlich mit 360 Grad-Kameras durch ihr Leben stapft und alles abfilmt.

Eltern beim Sex, intime Streitgespräche mit Freunden, alles live on Air. Und was macht Mae dann. Sie lacht darüber, viel zu lange. Wären die bunten Farben doch nur früher entschwunden, das Werk würde sich nicht vollends der Lächerlichkeit Preis geben.

Tom Hanks spielt eine fiktives Genie, angelehnt an Persönlichkeiten wie Steve Jobs und Mark Zuckerberg

Die Konsequenzen ihrer Selbstoffenbarung erkennt sie, für den Zuschauer völlig unverständlich, zu spät und auch John Boyega (Star Wars Episode VII), der als „Erfinder“ der neumodischen Überwachungstechniken Mae auf die Gefahren seiner Technik aufmerksam macht, verschwindet leider viel zu fix in einem unterirdischen Bunker, um narrativ noch etwas zu retten.

Schwächen im Drehbuch

Vorbei ist es mit der wohligen Wärme. Jedoch ist die colorhafte Auflösung kein inszenatorischer Kniff mehr, sondern das Ergebnis eines unausgegorenen Drehbuchs.

Das Ende schockt dann trotzdem, zumindest etwas. Nicht, weil einem plötzlich die gesellschaftlichen Folgen der Totalüberwachung ein Schaudern über den Rücken streifen lassen, sondern eher, weil sich „The Circle“ der einfachsten Filmkniffe bedient, um seinen Zuschauer zumindest noch etwas Erregung abzugewinnen.

„The Circle“ ist ein Ärgernis. Es ist kein schlechtes Kino, aber ein Kino, das seinem Regisseur, seiner Vorlage und seinem Publikum nicht gerecht wird.

Autor: Maximilian Fischer
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