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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Blondschopf im Präriewind

Zum 97. Geburtstag von Lex Barker

Einer von uns: Old Shatterhand

Heute wäre Lex Barker 97 Jahre alt geworden - Zeit, um ihm für seine beste Rolle zu danken: für Old Shatterhand, den ersten Easy Rider, der wusste, wo es langgeht. Winnetou dagegen erwies sich als echte Blamage: ein gefälliges Kitschidol für Weltverbesserer

EINER von uns

Old Shatterhand. Eigentlich war er immer eine Spur zu sauber für den dreckigen Westen, irgendwie zu schön für einen Trapper. Old Shatterhand, das ist ja vor allem dieses „Bravo“-Starschnitt-Gesicht mit Colgate-Lächeln. Natürlich: Winnetou ist Pierre Brice, und Old Shatterhand ist eben Lex Barker. Die Bilder Harald Reinls haben die Buchdeckelfantasien der Kindheit dick überlagert und die Blutsbrüder mit ihren Darstellern verschmolzen.

Die zeitlose Strahlkraft Old Shatterhands verdankt sich dabei, so tragisch es auch klingen mag, dem traurigen Schicksal seines Mimen. Lex Barker erlag 1973, kurz nach seinem 54. Geburtstag, einem Herzanfall. In Manhattan. Auf offener Straße. Helden müssen eigentlich anders sterben. Old Shatterhand aber wurde durch Barkers Tod konserviert, während Winnetou mit Brice zusammen alterte, grauhaarig auf dem „Traumschiff“-Deck.

Einen gebrechlichen Old Shatterhand hat es nie gegeben. Stattdessen bleibt die Erinnerung an jenen Blondschopf im Präriewind, der in den 60ern zum Rubbelmann der deutschen Hausfrau wurde. Für ihre Söhne aber war er vor allem: der Vorzeigepfadfinder, selbstlos, rechtschaffen, genuin gut. Und ganz nebenbei bediente er, Easy Rider auf einer Pferdestärke, das abstrakte Freiheitsgefühl der Nachkriegsgeneration, das immer auch Fernweh war. Ein Superheld im Fransenlook. Man wäre gern er gewesen!

Kein Wunder, dass schon Karl May 1890 behauptete, er selbst sei dieser Old Shatterhand. Nur ist es geradezu unmöglich, sich den Mann mit dem Henrystutzen als untersetzten Sachsen vorzustellen. Karl May starb vor 100 Jahren. Was bleibt, ist das zeitlose Posterlächeln Lex Barkers.

KEINER von uns

Winnetou. Es war wieder einmal, als wäre er postum skalpiert worden. Diesmal von Rainer Brüderle. „Natürlich war ich für Winnetou, das waren die vermeintlichen Underdogs, weitgehend ausgerottet“, sagte der FDP-Häuptling im vergangenen Jahr. Und weil das noch nicht genug war, weil man bei Winnetou ja auch immer gleich den Liberalismus und die Menschenrechte an sich durch die Friedenspfeife inhaliert, sagte Brüderle noch den Winnetou-Satz schlechthin: „Mein Herz war immer bei den Unterdrückten, deshalb bin ich ja auch für Minderheitsrechte.“ Aha, so ist das: Winnetou - ein Maskottchen der mittlerweile selbst vor der Ausrottung stehenden Liberalen.

Das war mal was Neues. Aber die Grundidee irgendwie dieselbe, denn Winnetou ist über die Jahrzehnte zum Modellathleten in der Disziplin Nächstenliebe stilisiert worden. Ein Gandhi in Hirschlederkluft. Karl May, überzeugter Pazifist, hatte den Apachen exakt so angelegt: als Abziehbild des romantischen Ideals vom edlen Wilden. Das machte den naturbewussten Langhaarträger natürlich anfällig für politische Umdeutung.

Der Deutschen liebster Indianer ist deshalb nie nur Westernheld, sondern immer auch Botschafter der Zukurzgekommenen. Ein Mahnmal aus den ewigen Jagdgründen des politisch Korrekten, ein Herzenswärmespender, um den der Gutmensch den Wigwam des reinen Gewissens errichten kann. Darin ähnelt Winnetou den Fußgängerzonen-Inkas, deren Panflöten vom rhythmischen Klatschen der Randgruppen-Versteher begleitet werden. Warum es dazu kam? Das erklärt uns Wolfgang Schäuble in seinen Kindheitserinnerungen: „Die einzigen Ausländer, die wir gekannt haben, waren die Indianer aus den Büchern von Karl May.“

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