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Warum "50 Shades of Grey" besser ist als ihr Ruf

"Fifty Shades of Grey" erregt die Gemüter. Altmodisch, klischeehaft und geistlos der Plot, kitschig, banal und dröge der Film. Dabei wird übersehen: Zwischen dem Buch und der Kinoversion liegen Welten! Warum die Filmreihe besser ist als ihr Ruf:

Ja, Shades of Grey. Am Montag startete der dritte Teil der Filmreihe in den deutschen Kinos. Grund genug, einmal wieder den unvermeidlichen Feuilleton-Leierkasten anzuwerfen: Veraltete Rollenbilder. Klischee-Charaktere. Disney-Plot. Und aller verruchten Aufmachung zum Trotz: Blümchensex.

Was die Cineasten der Kinoversion bescheinigen, deckt sich mit dem, was vor ihnen die Literaturrezensenten dem Buch vorgeworfen haben und was parallel die Kulturkritiker ausformulierten, die sich durch den atemberaubende Verkaufserfolg der Buchtrilogie zu gesellschaftlichen Alarm-Diagnosen herausgefordert sahen.

Nachts kommen schwere Gedanken: Christians dramatische Jugend ist Hintergrund für sein ungewöhnliches Beziehungsverhalten.

Dabei dürfen Buch und Film nicht so einfach über einen Kamm geschoren werden. Die Romanreihe der Autorin E. L. James ist vielleicht ein schwaches Stück Literatur. Aber „Fifty Shades of Grey“ ist kein schlechter Film. Zumindest kein ganz schlechter. Warum? Weil die Produzenten bei der Leinwand-Umsetzung dieses Stoffes alles richtig gemacht haben.

Kein bierernst-romantisches Melodrama

Da ist zunächst einmal die Entscheidung, den Regisseursposten mit Sam Taylor-Wood zu besetzen – einer ehemaligen Videokünstlerin, die nach ihrem Wechsel in den Spielfilm-Bereich mit einer Filmbiographie über den jungen John Lennon („Nowhere Boy“, 2009) von sich reden machte. Sie sorgte dafür, dass der erste Teil der Filmreihe – von dem wohl niemand ein raffiniertes Spiel mit den Konventionen des Blockbuster-Kinos erwartet hätte –, am Ende nicht als angestrengt-ungetrübte Hochglanz-Romanze daherkam, sondern auch eine humorvolle, um nicht zu sagen: selbstironische Seite bewies. „Was ist da?“ fragt Ana, als der Peitschen hortende Mr. Grey ihr zum ersten Mal von seinem berüchtigtenn „Spielzimmer“ erzählt: „Deine Xbox und so?“ Mit Pointen wie diesen schafft sich der Film immer wieder ein bisschen Freiheit vom engen Erzählkorsett des bierernst-romantischen Melodrams.

 

Diese Tendenz wird durch eine zweite glückliche Personalentscheidung gestützt und verstärkt – gemeint ist die Besetzung der beiden Hauptrollen mit den damals noch wenig profilierten Schauspielern Dakota Johnson und Jamie Dornan. Johnson war nicht die naheliegendste Wahl für die jugendfrische, engelsgleiche, unschuldige Anastasia Steele, Dornan nicht die Idealbesetzung für den machtbewussten, aggressiven, dominanten Christian Grey. Aber gerade dass das Schauspielerpaar physisch und charakterlich den vom Roman vorgezeichneten Figuren nicht ganz entspricht, führt dazu, dass die Liebesgeschichte, die der Film erzählt, bei weitem nicht so unausgeglichen, altmodisch und stereotyp ausfällt wie die in der Romanvorlage: Johnson wirkt älter und selbstbewusster als die Buchvorlage, Dornan kindischer und jünger. Die Leinwandbeziehung dieser beiden Darsteller ist ausgewogen.

Happy End? Im dritten Teil der Serie wird geheiratet.

Vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Original

So lassen kleine Verschiebungen in Tonlage und Charakterzeichnung den Eindruck entstehen, als hätte das Filmteam die Stereotypen und Klischees, mit denen seine Vorlage arbeitet, klar erkannt – und würde mit kleinen, aber wirksamen Gesten dagegenhalten. Was entsteht, ist eine anregende Mischung aus ironischen, modifizierenden und werktreuen Adaptionsmomenten in einem Film, der seiner Quelle zugleich schmunzelnd, kritisch und treu gegenübersteht. Und auch, wenn auf diesem Weg viel Kitschiges, Abgeschmacktes und Altbackenes seinen Weg auf die Kinoleinwand findet: Eine Verfilmung, die es schafft, aus derart vielen Blickwinkeln auf ihre Vorlage zu schauen, hat schon allein deshalb gute Chancen, auch die zu unterhalten, die mit den Originalromanen wenig anfangen konnten.

Autor: Zeno Bampi Jr.
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