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In eigener Sache

Playboy distanziert sich von Interview mit Ennio Morricone

In eigener Sache: Playboy distanziert sich von Interview mit Ennio Morricone

Ennio Morricone ist eine lebende Legende. Der italienische Komponist schrieb die Musik zu mehr als 500 Kinofilmen. Seine Genialität machte viele gute Filme zu besseren – und einige sogar zu Meilensteinen der Filmgeschichte. „Für eine Handvoll Dollar“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Es war einmal in Amerika“ – nur drei Leinwandklassiker, die auch gerade durch die Kompositionen Morricones unsterblich wurden. Der „Maestro“ selbst bekam neben einer Vielzahl anderer Auszeichnungen auch zwei Oscars verliehen – einen für sein Lebenswerk, einen weiteren vor zwei Jahren für die Filmmusik zu „The Hateful Eight“ des Regisseurs Quentin Tarantino. Am vergangenen Samstag wurde Ennio Morricone 90 Jahre alt. 

In der aktuellen Playboy-Ausgabe lesen Sie ein Interview mit dem Großmeister der Filmmusik. Das Gespräch fand im Sommer dieses Jahres auf dem Anwesen des Künstlers in Rom statt und wurde von einem freien Journalisten geführt – im Auftrag von Playboy Deutschland. Seit seiner Veröffentlichung letzte Woche schlägt das Interview – das nur in der deutschen Ausgabe erschienen ist – weltweit hohe Wellen. Äußert sich der Komponist darin doch betont geringschätzig über Amerika und die Oscarverleihung an sich, Musikerkollegen im Speziellen und – Sie haben es womöglich in den Medien verfolgt – Quentin Tarantino im Besonderen. 

Marcel Anders, der Autor des Interviews, ein renommierter Print- und Hörfunk-Journalist, schreibt seit vielen Jahren nicht nur für Playboy, sondern veröffentlichte auch eine Vielzahl an Interviews in anderen deutschen Publikationen (Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel, Musikexpress, taz, WAZ etc.). Aber auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Deutschlandradio, WDR, BR und weitere Landesrundfunkanstalten der ARD) führte der von uns mit einem Ennio-Morricone-Interview beauftragte Autor ungezählte Gespräche mit zumeist international bekannten Größen der Musikwelt. Ein höchst erfahrener Journalist also, der in der Branche einen tadellosen Ruf genießt – und uns in den vielen Jahren der Zusammenarbeit niemals Anlass gegeben hatte, an seiner Integrität oder seinen Fähigkeiten zu zweifeln. 

Zu unserem Entsetzen mussten wir nun allerdings feststellen, dass Teile des von uns veröffentlichten Interviews das gesprochene Wort von Herrn Morricone nicht korrekt wiedergeben. So hat sich inzwischen auch Herr Anders, der Verfasser des Interviews, selbst zu den Vorwürfen geäußert – und „schreckliche Fehler“ eingeräumt. In einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, bittet der Autor Ennio Morricone dafür um Entschuldigung, sich in der für Playboy angefertigten finalen Interview-Fassung nicht an das tatsächlich Gesagte gehalten zu haben, sondern dem Interview anderweitig getroffene Aussagen hinzugefügt zu haben. 

Es handelt sich nach unserem Kenntnisstand also mindestens um unverantwortliche Ungenauigkeiten, schlimmstenfalls um bewusste Täuschungen des Autors. In jedem Fall aber stellen diese vorsätzlichen Verfälschungen einen nicht hinnehmbaren Verstoß gegen die journalistische Ethik dar! Überflüssig zu erwähnen, dass solch ein Vorgehen in keiner Weise mit den strengen journalistischen Ansprüchen des deutschen Playboy vereinbar ist. 

Ich habe allerhöchste Hochachtung vor Ennio Morricone und seinem musikalischen Lebenswerk. Und ich kann deshalb an dieser Stelle nur mein allergrößtes Bedauern ausdrücken, wenn durch die – man muss es so sagen: vorsätzlich unrichtigen Darstellungen – eines von uns beauftragten Autors Herr Morricone in ein falsches Licht gerückt wurde. 
Aber natürlich auch bei Ihnen, lieber Leser, bitte ich dafür um Entschuldigung, dass es uns nicht gelungen ist, Sie vor dieser Farce eines Interviews zu bewahren. 

Wie geht es nun weiter?

1.    Werden wir weiter an einer raschen und vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes arbeiten.
2.    Werden wir Strafanzeige wegen Betrugs gegen den Autor stellen.

3.    Verspreche ich Ihnen, dass wir alles dafür tun, dass dieser bedauerliche Vorfall im wahrsten Wortsinn einmalig in der Geschichte des deutschen Playboy bleibt.

Herzlichst,

Ihr
Florian Boitin
Chefredakteur Playboy
 

Autor: Florian Boitin
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