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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Camp frei zur elften Runde

Autor Micky Beisenherz über das RTL-Dschungelcamp

Jetzt wird wieder blankgezogen

. . . und wenn es nur die Nerven sind: Hier stimmt uns Dschungelcamp-Autor Micky Beisenherz auf den „schönen Scheiterhaufen“ der TV-Promis im australischen Urwald ein - mit einem Loblied zum Staffelstart der schrillsten RTL-Show

Kurz nach Neujahr. - Haben sie eben noch am Himmel hell gestrahlt, als buntes Feuerwerk die Menschen begeistert, liegen verpuffte Knaller, Goldregen und Raketen jetzt anklagend am Boden und warten darauf, endgültig entsorgt zu werden.

Gut, ganz so am Boden sind die Bewohner des Dschungelcamps noch nie gewesen - aber nicht nur wegen der zeitlichen Korrelation kam mir die Allegorie so gelegen.

Wenn in Kürze wieder ein knappes Dutzend Underperformer um das Lagerfeuer herum sitzen, geht das Freilufttheater tatsächlich bereits in die zehnte Runde.

Und das mit ungebrochen guter Quote. Mehr noch! In den letzten Jahren ist sie sogar gestiegen. Selbst eine Staffel wie die letzte, die vom Aufpeitsch-Level her gut und gern auch bei arte hätte laufen können, haben die Leute geguckt, als wollten sie RTL sagen: „Wir stehen das gemeinsam durch!“

Gut so. Sicher, häufig haben wir selbstgefällig so getan, als würden da unten im Busch nur Menschen hocken, die von der Arbeitsplatte Showbiz auf dem schmutzigen Boden der Tatsachen gelandet sind - quasi der perfekte Promi-Döner.

Aber so ganz richtig ist das nicht. Wir hatten immer wieder ein paar echte Kaliber dabei. Langhans, CarriËre, van Bergen, Berger, Glatzeder, Kaufmann - um nur ein paar zu nennen (sorry, Walter Freiwald).

In den besten Jahren bot der Dschungel die perfekte Mischung aus intellektueller Bückware und gut abgehangener Showbiz-Exaltiertheit. Da treffen Grandseigneurs aus dem Unterhaltungspleistozän auf frisch entlassene Casting- Achtelbegabungen zum Probebiss. Wobei das wahre Entertainment weniger durch etwaigen Krach entsteht oder die Straußenanus-Lutschereien - wirkliche Komik entsteht immer durch das Bildungs- und Sozialgefälle innerhalb der Gruppe. Den Clash der links- und frei drehenden Showkulturen.

Unvergessen ist für mich die Begegnung von 68er-Ikone Rainer Langhans und Heidi Klums „Topmodel“-Beifang Sarah Knappik: Langhans monologisiert am Tümpel über den Menschen als komplexes individuelles Wesen in Interaktion mit dem Kollektiv. Die Kommune 1 als Konzentrat. Nach circa fünf Minuten soziologischem Monolog guckt ihn Sarah Knappik nur mit den toten Augen von Murwillumbah an und sagt: „Geil. Gib mir die Ghetto-Faust, du Asi.“ Das ist Entertainment vom Feinsten. Das kannst du nicht erfinden. Ich liebe dieses Format, weil es nicht nur Verlierer gebiert.

Allein Ross Antony wäre heute nur der schwule Tänzer einer Band, die keiner mehr kennt. Costa Cordalis wurde reanimiert und hat es sogar bis zum Katzenberger-Schwiegervater gebracht. Das ist schon fast wie ein Hollywood-Stern. Désirée Nick wäre noch heute eine unbekannte Off-Ku’damm-Prominenz. Schade eigentlich. Oder Tanja Schumann - wo wäre sie heute! Okay, schlechtes Beispiel.

Dieses Format feiert seine Helden - und lacht mit seinen Verlierern. Der Wendler, Mola, Peter Bond. Ein schöner Scheiterhaufen.

Es hat uns große Momente beschert: Mathieu Carriere auf Knien im „Herr der Fliegen“-Dschungelremix, Borderline-Barbie Larissa Marolt und ihre Anekdoten über das heimische Horror-Hotel, Flatrate-DJane Giulia Siegel legt erst auf - und Ingrid van Bergen sie dann tiefer.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ - das ist ganz großes Entertainment und ganz nebenbei: geradezu schmerzhaft ehrlich. Die B-Seite der „Bunten“. Der Backstage-Bereich. Die Kehrseite der Medaille (wenngleich nicht jeder noch über Münzen verfügt).

Eben noch den Bambi in der Hand - jetzt schon die Känguruklöte.

Wo wir gerade bei Geschlechtsmerkmalen sind:

Auch der Playboy spielt eine entscheidende Rolle. Ist dieses wunderbare Blatt doch schon fast so eine Art begleitendes Programmheft. Irgendeine der Dschungelantinnen hat sich immer ausgezogen, um ihre Sollguckstellen freizulegen.

Das ging eine Weile gut. Bis sich die ewige „Ich heirate eine Familie“-Tochter Julia Biedermann aus- und die Verkaufszahlen auf ein Alltime Low runterzog.

Das muss der Moment gewesen sein, als der amerikanische Mutterkonzern entschied, künftig auf Nackte zu verzichten.

Zum Glück wird im Januar zumindest wieder in Australien blankgezogen - und wenn es nur die Nerven sind.

Ta!

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