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Er perfektionierte die Kunst der Verführung

Was wir von Frank Sinatra lernen können

Mr Showbiz

Der größte Entertainer des 20. Jahrhunderts lässt all seine Nachfolger wie Sängerknaben aussehen. Bis heute. Weil Frank Sinatra, der jetzt 100 geworden wäre, nicht nur Talent, Charme und Willen besaß wie kein Zweiter. Sondern weil er eines perfektioniert hat: die Kunst der Verführung

Von Ol’ Blue Eyes darf man keine zu blauäugige Vorstellung haben. Die Lichtgestalt hatte finstere Seiten. Frank Sinatra war der größte Entertainer des 20. Jahrhunderts, er war aber auch der jähzornigste. Er feierte nicht nur mit seinem Kumpel John F. Kennedy, er sang auch für seine Freunde von der Mafia. Er setzte sich nicht nur für die Rechte der Schwarzen ein, er riss auch höchst uncharmante Witze über Frauen. Und er kannte nicht nur den Glamour der Nacht – sondern auch ihr Grauen. Francis Albert Sinatra, der am 12. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre, war ein Mann voller Abgründe. Und vielleicht erwuchs gerade daraus der Mythos, den sein Name erzählt. Von einer Figur, an die bis heute kein Entertainer heranreicht und zu der es kein Pendant gibt, das man ihr hier als „Keiner von uns“ entgegensetzen könnte. Es wäre immer ein ungleiches Duell.

Man weiß viel über den Mann, den sie „The Voice“ nannten: dass er den Tag, an dem er zur Welt kam, fast nicht überlebt hätte. Und dass ihn die Narbe von der Geburtszange sein Leben lang daran erinnerte. Dass er, Kind italienischer Einwanderer, 1944 im New Yorker Paramount Theatre für die ersten verbürgten Teenager-Ohnmachtsanfälle der Pop-Geschichte sorgte. Und dass seine Karriere wenige Jahre später dennoch bereits zu Ende zu sein schien. Dass er 1953 durch seinen oscargekrönten Auftritt im Film „Verdammt in alle Ewigkeit“ ein triumphales Comeback feierte. Und dass er Las Vegas durch seine glamourösen Auftritte als Solist und später mit dem Rat Pack überhaupt erst zu Las Vegas machte. Man weiß außerdem, dass er eine Frau beschäftigte, die seine 60 Toupets stets in einem Koffer für ihn mitschleppte.

Dass er mit Nancy Barbato, Ava Gardner, Mia Farrow und Barbara Marx Ehen einging und mit fast allen anderen schönen Frauen Hollywoods Affären. Dass 1963 sein Sohn entführt und vier Tage später gegen 240.000 Dollar Lösegeld freigelassen wurde. Dass er die Beatles hasste. Dass er das Unternehmen Frank Sinatra führte wie ein Diktator. Und dass er auf das Angebot einiger Paparazzi, ihm 16.000 Dollar für ein Foto zu zahlen, mal erwiderte, sie könnten 32.000 haben, wenn er einem von ihnen dafür die Knochen brechen dürfe. 

Man weiß das alles so genau, weil es zahllose Dokus über ihn gibt, ein 1300-Seiten-Dossier des FBI sowie stapelweise Biografien – unter anderem die seiner Ex-Frau Barbara, die seiner Tochter Nancy und die seines Butlers George. Was man trotz allem nicht so genau weiß: wie es in ihm drin aussah. Eine Autobiografie wollte er nie schreiben. Von seinen Abgründen und Dämonen erzählte der Mann, der sich in einem Playboy-Interview mal einen „18-Karat-Manisch-Depressiven“ nannte, vor allem, wenn er sang. Nicht mittels der Texte, die dichteten meist andere für ihn, sondern mittels seiner Stimme. „Wenn ich singe, bin ich ehrlich“, hat er gesagt. Er könne nicht anders. 

Dass er in seiner Kunst so ehrlich war, macht sie so berührend. Dass er abseits davon so undurchsichtig blieb, macht ihn so geheimnisvoll. Die Kunst der Verführung besteht in der Kunst der Andeutung. So bringt man Menschen zum Träumen. Das ist es, was Sinatra mit uns macht – der größte Verführer von allen.

Autor: Alexander Neumann-Delbarre
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