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Dendemann ist zurück!

Eine Ode an sein neues Album

"Da nich für!" - Eine Ode an das neue Dendemann-Album

Ganze neun Jahre ist es her, als der Hip Hop Artist Dendemann mit dem Album "Vom Vintage verweht" für Aufsehen sorgte. Nun ist der Hamburger Musiker zurück. Sein drittes Album "Da nich für!" ist seit vergangener Woche im Handel und auf sämtlichen Streaming-Plattformen verfügbar. Playboy-Autor Robin Schmidt hat sich die neue Platte für uns angehört.

Dass sich Daniel Ebel wenig um die mittlerweile gängigen Gepflogenheiten der deutschen Rap-Szene schert, ist das Beste, was Hip Hop passieren konnte. Würde er dem Druck erliegen, jedes Jahr eine neue Platte über den Äther jagen zu müssen (wie aktuell üblich): er würde vermutlich daran zugrunde gehen.

„Mal was malen, was keinem Bilderrahmen passt“

Zu groß ist seine Liebe zu ausdrucksstarkem Hip Hop, unübersehbar dabei seine Detailverliebtheit in Sachen Wortwitz und Doppeldeutigkeit. Zu groß ist aber auch die Angst, diesen hohen Ansprüchen an sich selbst nicht gerecht zu werden und sich möglicherweise inhaltlich zu wiederholen. Daraus resultierte eine achtjährige musikalische Veröffentlichungspause. Fleißig war er in dieser Zeit trotzdem. Als Bandleader bei Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ flexte er dem Zuschauer Woche für Woche geistreiche Zeilen zum aktuellen Zeitgeschehen um die Ohren.

2019 ist Dendemann mit seinem dritten Solowerk mit dem Titel „Da nich für!“ zurück.

"Ich dende, also bin ich"

Gleich im Opener „Ich dende, also bin ich“ entledigt sich Dendemann von seiner allzu hohen Erwartungshaltung ans Leben und erklärt, nun mit sich selbst zufrieden zu sein. Dass die „Feste fallen, wie sie fallen“ und eine Dendemann-Platte eben nur „Alle Jubilare wieder“ erscheint, fällt fortan kaum mehr ins Gewicht.

Zu clever und humorvoll sind die Wortspiele und Neologismen, die Dendemann auf Albumlänge ausgefeilt hat. „Floralapostel“, „Strebergärtner“ oder „Idyllabfuhr“ statt Müllabfuhr: Wer die zwölf Tracks durchhört, wird sich vor allem über die lyrische Finesse freuen und, wahrscheinlich auch deshalb, so manches Stück mehrfach hintereinander abspielen, um auch hinter die letzten versteckten Wortspielereien dieses Albums zu kommen.

"Keine Parolen"

Das „Da nich für!“ aber auch gesamtkonzeptionellen Tiefgang hat merkt man daran, dass Dendemann nun auch politische Seitenhiebe in seine Rap-Lyrik einbaut. In Songs wie „Keine Parolen“ oder „Zeitumstellung“ positioniert er sich, gemäß dem Zeitgeist, gegen rechtes Gedankengut und spricht über gesellschaftliche und politische Verdrossenheit.

Auch Reminiszenzen an die frühere (Hamburger) Hip Hop-Kultur hält Dendemann auf dem Album bereit. Zum einen finden sich unzählige Querverweise zu diversen Größen der Szene wieder, zum anderen gibt es die erneute, fast schon traditionsreiche Kollaboration mit den Absoluten Beginnern. Zusammen performen sie die „Internationalhymne“ und bewegen sich irgendwo zwischen „Euphorihanna“ und „Funkmaster Flextase“.

Ungeahnte Referenzen

Darüber hinaus präsentiert Dendemann auch Referenzen, die man auf das erste Hören nicht unbedingt erwartet hätte. Die Schauspielerin Hildegard Knef wird ebenso zitiert, wie die Punkband "Die Goldenen Zitronen" und der große Heinz Erhardt. In Anlehnung an ihn widmet Dendemann dem Zuhörer abschließend „Nochn Gedicht“, dass bei genauerem Hinhören seine aktuelle Sicht auf Hip Hop freilegt: „Denn weil auch dieses Spiel nur ein paar Regeln gehorcht / Brauchst du mehr Themen als Chrysan und Ideen als Orch / Ach, hör mir auf Mann, sowieso und streng genommen / Bleibt nur eins, gewiss der Style ist roh wie ein Dodendron“.

„Da nich für“! ist keine Platte für die momentan hiesigen und gleichklingenden Spotify-Playlists. Vielmehr ist sie ein zeitloses Stück Kunst, das erwachsen und durchdacht klingt. Daniel Ebel malt etwas, „was keinem Bilderrahmen passt“. Wer in diesem Jahr Hip Hop mit intelligenter und wortwitziger Message hören will, kommt an Dendemann nicht vorbei.

Autor: Robin Schmidt, Burda
Der Goldene Handschuh - Trailer
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