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"Ich hatte keinen leichten Abgang, aber einen schönen"

Olympia-Sieger Fabian Cancellara über sein Karriereende

Fabian Cancellara: "Ich hatte keinen leichten Abgang, aber einen schönen"

Der Schweizer Spitzensportler Fabian Cancellara gehört zu den weltweit erfolgreichsten Radrennfahrern. Er gewann zahlreiche berühmte Rennen, war Weltmeister im Zeitfahren und räumte bei den Olympischen Spielen gleich zwei Goldmedaillen ab. Dann, auf dem Höhepunkt seiner Karriere hörte er auf. Playboy-Redakteur Max Marquardt traf den Schweizer in Lugano und wollte wissen: Was macht der Sportler nach seiner Profi-Karriere?

Fotos & Text: Max Marquardt

Die Kulisse des Luganer Stadtteils Paradiso macht seinem Namen alle Ehre: Auf einer Terrasse mit malerischem Ausblick auf den Luganersee und den umgebenden Bergen treffen wir am frühen Abend Fabian Cancellara zum Interview. Dieser kommt bestgelaunt mit einem roten E-Bike angebraust; auf dem Gepäckträger zwei Krücken. Wir setzen uns. „Ist es okay, wenn ich meinen Fuß auf den Stuhl lege“, fragt Cancellara und deutet auf die Narben an seiner linken Ferse. Wegen einem schweren Radunfall vor zwei Monaten musste der 37-Jährige operiert werden. Seitdem muss er mit dem E-Bike vorliebnehmen. Zumindest vorerst. Dennoch kein Grund für "Spartacus", so Cancellaras Spitzname, ruhiger zu werden...

Playboy: Fabian, nach einer wirklich erfolgreichen Karriere und zwei Olympia-Goldmedaillen haben Sie sich dazu entschieden, dem Profi-Sport den Rücken zu kehren. Wie fühlt sich das an? 

Fabian Cancellara: Die Monate nach meinem offiziellen Rückzug war ich total beschäftigt. Es ist ja nicht so, dass dann plötzlich alles aufhört und man sich zurücklehnen kann. Da gibt es Interview-Termine, Ehrungen und Einladungen. Trotzdem kommt die Realität dann schneller als man denkt. In ein Loch bin ich aber trotzdem nicht gefallen. Ganz im Gegenteil: Ich bin momentan mit meinen Projekten und meiner Zusammenarbeit mit GORE total eingespannt – im positiven Sinne.

Haben Sie sich bereits vor Ihrem offiziellen Rückzug damit beschäftigt, was nach Ihrer Karriere kommen könnte?

Ich wusste, 2016 ist meine letzte Saison – egal was kommt, egal wie sie aufhört. Ob es jetzt Glück oder Zufall war, dass ich bei den Olympischen Spiele in Rio gewonnen habe, kann ich jetzt nicht sagen. 

Dennoch kann man aber sagen, dass es ein filmreifes Karriereende war, oder?

Ich hatte keinen leichteren Abgang als andere, aber vielleicht einen schöneren. Ja, mit Gold in Rio war es geradezu perfekt, das stimmt. Doch man kann das nicht pauschalisieren. So ein Karriereende ist auch immer eine sehr individuelle Sache. Und jeder Sportler geht damit verschieden um und hat da seine individuellen Schwierigkeiten. 

"Als Profi lebt man jahrelang in einer völlig anderen Welt"

Welche Schwierigkeiten hatten Sie?

Keine. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich schon immer ein sehr interessierter Mensch war. Egal ob im Radsport oder in anderen Belangen. Mir war es stets wichtig, die Dinge um mich herum genau zu verstehen. Als Profi lebt man jahrelang in einer völlig anderen Welt. Dann verlässt man diese und muss irgendwie zurechtkommen. Das ist für viele hart.

Sie meinen im alltäglichen Arbeitsleben?

Das Arbeitsleben ist ein hartes Pflaster. Denn auch dort ist es so, dass man sich nicht zurücklehnen kann. Von nichts kommt nichts – das war während meiner aktiven Karriere als Profi nicht anders. Das habe ich schnell verstanden und ich fokussiere mich momentan voll und ganz auf mein Start-Up und meine Kooperationen. Mit Events wie Chasing Cancellara geht es mir darum, den Leuten etwas weiterzugeben. Und wenn die Teilnehmer dieser Veranstaltungen abends mit einem Lächeln nach Hause fahren, dann ist das für mich ein Sieg. 

Was bleibt während einer Sportler-Karriere am meisten auf der Strecke?

Definitiv die Familie, die Freunde, aber auch die Zeit für sich selbst. Ich war fast 17 Jahre nur unterwegs, da büßt man schon viel Zeit ein.

Sind Sie nun froh darüber, essen zu dürfen worauf Sie Lust haben?

Ich habe nie ausschließlich für meine Karriere gegessen, sondern Immer zuerst für die Gesundheit und dann für den Sport. Ein Glas Wein oder ein Stück Schokolade darf doch ruhig mal sein. Jeder soll essen was er will. Das Leben ist auch zu kurz um schlechten Wein zu trinken. Aber natürlich immer in Maßen.

"Vieles hat sich im Radsport zum Positiven verändert"

Sie waren vor allem auch in einer Zeit Profi-Radfahrer, in der der Radsport durch zahlreiche Doping-Skandale geradezu infiziert war. Heute hat der Sport ein etwas besseres Image als damals. Wie war diese Zeit für Sie?

Sehr unschön. Man musste aber lernen damit umzugehen. Ich bin mir selbst und meinem Weg immer treu geblieben. Heute bin ich froh, dass ich mich mit diesem Thema nie wirklich auseinandersetzen musste. Und eigentlich geht es hier auch nicht zwangsläufig um Doping im Radsport, sondern um Doping im Sport generell. Heute muss mir keiner mehr mit Radsport als alleinigen Sündenbock kommen. Klar, der Radsport hatte eine sehr düstere Zeit, doch man darf auch nicht vergessen, dass systematisches Doping erst durch die damalige Zeit im Breitensport aufgedeckt wurde. Und dadurch hat sich sehr viel zum Positiven verändert.

Sie sind heute zu unserem Interview-Termin mit dem E-Bike gekommen....

Verletzungsbedingt geht bei mir momentan kein anderes Rad. Trotzdem fahre ich gerne auch mal mit dem E-Bike, wenn ich nicht verletzt bin. Zum Beispiel an einem gemütlichen Samstag, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin.

Sind diese Räder die nächste große Sache?

Sie werden das Radfahren definitiv revolutionieren. In der Schweiz ist jetzt schon jedes vierte Rad ein E-Bike. Man sollte hier aber meiner Meinung nach mehr Prävention betreiben, denn die Dinger sind wirklich sehr schnell. Man muss wissen wie man damit umgeht. Aber in der Stadt ist so ein E-Bike doch das coolste was es gibt. Ich finde diese Entwicklung super. 

Was meinen Sie: Ist Radfahren das neue Golf?

Nein. Radfahren ist weder wie Golf, noch wie Fußball oder Tennis. Jeder kann es überall und jederzeit tun. Vom kleinen Kind bis zum Rentner. Man kann auch die Strecken berühmter Rennen selbst abfahren, wenn man will. Das macht diesen Sport so besonders und so einzigartig. 

Seit knapp zwei Jahren arbeiten Sie mit der deutschen Sportmarke GoreWear zusammen. Was tun Sie dort genau?

Ich unterstütze GORE insbesondere durch meine persönlichen Erfahrungen als ehemaliger Radprofi. Sie haben, genau wie ich, einen sehr hohen Anspruch was Verarbeitung und Materialien betrifft und sie machen wirklich einen tollen Job dabei. Früher haben wir immer gesagt, dass ein Jersey einfach nur ein Jersey ist, egal welcher Name da jetzt draufsteht. Bei GORE ist das aber anders; die Qualität sticht hier wirklich heraus. Deshalb geht es bei dieser Zusammenarbeit darum, gemeinsam die weltweit beste Bekleidung für das Radfahren zu entwickeln. 

Und sind Sie schon auf einem guten Weg dorthin?

Von dieser Partnerschaft profitieren wir alle gleichermaßen. GORE von den hunderttausenden Kilometern, die ich auf dem Sattel verbracht habe und ich wiederum lerne viel über hochwertige und moderne Materialien und 60 Jahren Erfahrung in der Sportbekleidungsindustrie. Das ist eine tolle Mischung. Zusammen optimieren wir die Radsportbekleidung bis ins kleinste Detail, um am Ende das beste Ergebnis für den Kunden zu erzielen. Und ja, bisher sind wir da auf einem sehr guten Weg.

 

Autor: Max Marquardt, Playboy
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