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Die Highlights im Leichtathletik über die man Bescheid wissen sollte

Höher, schneller, weiter: die zehn größten Momente der Leichtathletik

Die Leichtathletik ist eine olympische Kernsportart. In Peking wurden 2008 47 Goldmedaillen an die Athleten vergeben. Dennoch steht der Kampf um Hundertstel und Zentimeter schon länger nicht mehr im medialen Fokus. Vor allem in Deutschland fehlen die ganz großen Identifikationsfiguren. Ein Blick in die Geschichte lohnt, um den Menschen „höher, schneller und weiter“ wieder näher zu bringen. Der Berater hat sich in die Archive gestürzt und präsentiert die zehn größten Momente der Leichtathletik.

1. großer Moment der Leichtathletik: Jesse Owens‘ Siege 1936 in Berlin

Die Olympischen Spiele 1936 sollten der Welt zeigen, dass das Nazi-System dem Rest der Welt überlegen ist. Siege für Nicht-Weiße passten nicht in das Weltbild von Adolf Hitler, der das beeindruckende Olympiastadion bauen ließ. An einer Wand über dem Marathon-Tor finden sich Gedenktafeln, dort sind die Sieger der Wettbewerbe verewigt. Ein Name sticht heraus – Jesse Owens. Der dunkelhäutige Athlet holte vor den Augen des deutschen Diktators viermal Gold, siegte im Weitsprung, über 100 und 200 Meter sowie mit der 4x100-Meter-Staffel der USA. Im Land der Intoleranz, bei den Spielen, die der Welt den Glanz und die Überlegenheit des Nazi-Regimes unter die Nase reiben sollte, stahl der 22-Jährige aus Alabama allen die Show. Die Szene der Spiele ereignete sich im Weitsprung. Nach zwei Fehlversuchen stand Owens vor dem Aus. Sein deutscher Konkurrent Luz Long gab seinem härtesten Widersacher einen Tipp – Owens siegte, Long holte Silber. Später umarmten sich beide vor den Augen Hitlers. „Hitler muss wahnsinnig geworden sein, als er uns sah. Das Traurige an der Geschichte ist, dass ich Long nie mehr gesehen habe. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs getötet“, sagte der Amerikaner viele Jahre später.

2. großer Moment der Leichtathletik: Ulrike Meyfarth wird Everybody’s Darling

Einen Tag, bevor palästinensische Terroristen das Olympische Dorf in München 1972 überfielen und für den dunkelsten Moment der olympischen Geschichte sorgten, beglückte eine 16-Jährige ganz Deutschland und die Welt – die Hochspringerin Ulrike Meyfarth. Die Dritte der deutschen Rangliste des Jahres verbessert ihre persönliche Bestleistung im olympischen Finale von 1,85 Metern auf 1,92 Metern, egalisiert den Weltrekord und holt die Goldmedaille. Bis heute ist sie die jüngste Leichtathletik-Olympiasiegerin in einem Einzelwettbewerb. Wirklich erinnern kann sie sich an ihre Heldentaten nicht. Alles lief wie im Film ab, erklärt sie heute, sie stand neben sich, auch als sie live bei der ARD einen Straus Rosen von Bundeskanzler Willy Brandt geschickt bekommt, ist sie nicht sie selbst. Nur an einen Moment kann sie sich klar erinnern – als sie 1,90 Meter im ersten Versuch riss und das Publikum sie auspfiff: „Das konnte ich nicht einordnen. Ihr undankbares Volk habe ich gedacht, was wollt ihr eigentlich?“

3. großer Moment der Leichtathletik: Usain Bolt breitet die Arme aus

Als der jamaikanische Sprintstar am 16. August 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking seinen eigenen Weltrekord auf 9,69 Sekunden verbesserte, schien die Welt stillzustehen. Nicht allein die Zeit versetzte die Menschen weltweit in eine Art Schockstarre, sondern vielmehr die Art und Weise, wie sie zustande kam. Nach 50 Metern setze sich Bolt deutlich vom Rest des Feldes ab, nach 80 Metern breitete er seine Arme aus, schaute nach rechts zu seinen größten Konkurrenten und ließ den Lauf austrudeln. Eine solche Dominanz hatte die Leichtathletik-Welt noch nie gesehen. Auch, wenn Bolt genau ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften in Berlin noch einmal elf Hundertstel schneller lief: Die 9,69 Sekunden in Peking haben die Leichtathletik-Welt nachhaltig verändert. 

4. großer Moment der Leichtathletik: Bob Beamon’s Sprung in eine neue Dimension

55 Zentimeter, mehr als ein halber Meter – um diese Weite verbesserte Bob Beamon am 18. Oktober 1968 den Weltrekord im Weitsprung. Zuvor war dieser Rekord in 31 Jahren gerade mal um 22 Zentimeter verbessert worden. Beamon musste lange auf ein offizielles Ergebnis warten – die Kampfrichter trauten weder ihren Augen noch ihren Maßbändern. 8,90 Meter, das erschien ihnen unmöglich, doch es entsprach der Realität. Beamon profitierte von der Höhenluft in Mexiko City, einer neu verlegten Tartanbahn und dem maximal erlaubten Rückenwind für einen Weltrekord. 23 Jahre sollte „der Sprung des Jahrhunderts“ unübertroffen bleiben, ehe Mike Powell in einem epischen Duell mit Carl Lewis in Tokio 8,95 Meter sprang. „Noch heute träume ich jede Nacht von diesem Sprung. Meine Erinnerungen sind äußerst lebhaft“, erklärte er kürzlich einem Interview in den USA.

5. großer Moment der Leichtathletik: Jesse Owens fünf Weltrekorde an einem Tag

Sporthistoriker streiten bis heute – sie sind sich nicht sicher, ob Owens seine fünf Weltrekorde in 45 Minuten, etwas mehr als einer Stunde oder zweieinhalb Stunden aufstellte. Im Rückblick ist das völlig egal. Owens setzte weltweite Bestmarken über drei Sprintstrecken, im Weitsprung und über die 220 Yards Hürden. An einem Tag. Stellen Sie sich vor: Usain Bolt läuft an einem Tag neue Weltrekorde über 100 Meter, 200 Meter, 400 Meter, 110 Meter Hürden und springt so weit wie niemand zuvor in die Sandgrube. Können sie nicht? Kein Wunder, die Errungenschaft scheint völlig außerhalb des Möglichen zu liegen. Doch genau das gelang Jesse Owens am 25. Mai 1935 im Stadion der Universität von Michigan im Alter von 21 Jahren. Am Morgen dieses Traumtages war nicht sicher, ob er überhaupt starten würde. In seiner Biografie schreibt er, dass er starke Schmerzen in den Beinen gehabt habe und sich kaum warmlaufen konnte. 

6. großer Moment der Leichtathletik: Tommie Smith und John Carlos bekennen Farbe

In den 1960er-Jahren erlebte die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten ihren Höhepunkt. Als Tommie Smith und John Carlos bei den Spielen 1968 für Gold und Bronze über 200 Meter auf dem Podium geehrt wurden, entstand eines der berühmtesten Bilder der Sportgeschichte – mit gesenktem Kopf reckten sie eine Faust, die in einen schwarzen Lederhandschuh gehüllt war, in die Höhe. Sie protestierten gegen Unterdrückung und Rassenhass, sie demonstrierten für „Black Power“. Für ihr politisches Statement mussten sie viel Kritik einstecken. Die heimische Presse zerriss sie, aus dem US-Team wurden sie ausgeschlossen, ihre Akkreditierungen mussten sie abgeben. Dennoch hatten Smith und Carlos ihr Ziel erreicht. Die Welt sollte auf die Missstände im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden – auf der größtmöglichen Bühne.

7. großer Moment der Leichtathletik: Die Aborigines sind angekommen 

Das Verhältnis der Australier zu ihren Ureinwohnern war lange Zeit extrem angespannt. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2000 durfte Kathy Freeman, 400-Meter-Läuferin mit Wurzeln in der Kultur der Aborigines, das Olympische Feuer entzünden – ein symbolischer Akt mit ungeheurer Bedeutung. Als sie einige Tage später auch noch Gold gewann und ihre Ehrenrunde mit der Flagge Australiens und der Aborigines beging, lief es einem Land kollektiv eiskalt den Rücken hinunter. Wenige Augenblicke überwanden Hürden, die sich über Jahrhunderte aufgebaut hatten. 

8. großer Moment der Leichtathletik: Al Oerter schreibt Geschichte

Es gibt nur einen Athleten, der es schaffte, in einer Disziplin viermal in Serie Olympiagold zu holen: Al Oerter. Der Hüne aus New York City konnte 1956, 1960, 1964 und 1968 mit dem Diskus triumphieren. Kein einziges Mal reiste er als Weltrekordhalter zu den Spielen, kehrte aber aus Melbourne, Rom, Tokio und Mexiko City mit der höchsten Auszeichnung zurück. Über seine unglaubliche Siegesserie sagte er: „Beim ersten Olympiasieg war ich richtig jung, beim zweiten zu nichts imstande, beim dritten schwer verletzt und beim vierten alt.“

9. großer Moment der Leichtathletik: Michael Johnson läuft in neue Sphären

Um 34 hundertstel Sekunden verbesserte Johnson seinen eigenen Weltrekord über 200 Meter bei den Spielen in Atlanta. Das Olympia-Stadion flippte beim Sieg des Läufers mit den goldenen Schuhen komplett aus – knapp zehn Meter Vorsprung hatte er im Ziel auf seine Kontrahenten. In einem Interview mit „USA Today“ sagte Johnson einst: „Als ich die Zeit auf der Anzeigetafel sah, konnte ich es nicht glauben. Ich bin ein großer Leichtathletik-Fan und hätte gerne auf der Tribüne gesessen, um mir selbst zuzusehen.“ Mit dem Sieg über 400 Meter gelang ihm zudem ein Double, das in der Geschichte der Leichtathletik bei Olympischen Spielen einzigartig ist. 

10. großer Moment der Leichtathletik: Fosbury erfindet den Flop

Am 20. Oktober 1968 wurde der Weltöffentlichkeit bei den Olympischen Spielen in Mexiko City eine Revolution präsentiert, die sich zuvor schon im Kleinen abgezeichnet hatte. Richard „Dick“ Fosbury wurde mit dem nach ihm benannten „Fosbury Flop“ Olympiasieger im Hochsprung. Er war der erste Athlet der Welt, der die Stange rücklings überquerte. Der Kurvenlauf, der zum Absprung führte, sei entstanden, weil im heimischen Garten auf geraden Weg zur Matte ein Baum im Weg stand, gab er später zu Protokoll. Es dauerte Jahre, bis sich die Technik durchsetzte. Auch, weil ältere Trainer sie boykottierten. Payton Jordan, Coach des amerikanischen Olympiateams, sagte trotz des Triumphs: „Wenn Kinder versuchen, Fosbury zu imitieren, wird er eine ganze Generation von Hochspringern auslöschen, weil sie sich alle das Genick brechen werden.“ Wie gut, dass er sich irrte.

Stefan Maurer

Autor: Stefan Maurer
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