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„Ich spiele besser, wenn ich gereizt werde“

Jerome Boateng über Ronaldo, Rap und Rüpel-Gegner

Jerome Boateng: „Ich spiele besser, wenn ich gereizt werde“

Der Starfotograf Paul Ripke hat Starfußballer Jerome Boateng für Playboy nach Los Angeles begleitet. In der vergangenen Winterpause entspannte der Nationalspieler unter der kalifornischen Sonne und traf sich mit Manager und Freund Jay-Z. Zurück in München trafen wir den Bayern-Profi und ließen uns erklären, was er an den USA liebt, welche Modesünden er in seiner Jugend beging und wer in der FC Bayern-Kabine den Ton angibt.

Los Angeles, der ewig blaue Himmel über West Hollywood, der glitzernde Pool des „Beverly Hills Hotel“: Das alles scheint eine Welt entfernt zu sein, als wir Jérôme Boateng an einem grauen Januartag in München zum Interview treffen. Von der Reise zurückgekehrt, braucht er aber erfreulicherweise weder Sonne noch Plusgrade, um gute Laune zu haben. Die warme Begrüßung der Bar-Chefin im „Flushing Meadows Hotel“ reicht völlig: „Hallo, mein Kleiner!“ Umarmung. Er bestellt Ingwertee und lässt sich im tarnfarbenen Kapuzenpulli auf eine Couch sinken. Die Playboy-Fotos, die seinen Trip nach L. A. und zum Jay-Z-Konzert dokumentieren, gefallen ihm sehr, sagt er. Boateng ist der erste Fußballer und der erste Europäer, der von Jay-Zs Agentur Roc Nation gemanagt wird. Er rückt seine Wollmütze zurecht. Hinter ihm knistert das Kaminfeuer.

Herr Boateng, das sieht nach einem sehr lässigen Abend aus, den Sie da in L. A. mit Jay-Z hatten. Sie sind ja oft in Kalifornien und passen mit Ihrem Style perfekt ins Bild. Sind die USA Ihre künftige Wahlheimat?

Man weiß nie. Ich fühle mich dort einfach sehr wohl. Gerade in New York und L. A., wo viele verschiedene Kulturen und Menschen leben, die auch ein bisschen was Abgefahrenes haben, die sich so anziehen, wie sie möchten, oder verrückte Frisuren tragen, das finde ich einfach cool.

Erregt man hierzulande mit extravaganten Klamotten oder Autos eher den Verdacht, jetzt dreht er durch?

Ich habe das in L. A. erlebt. Wenn du dir dort einen erstklassigen Mietwagen nimmst, und da sind Leute am Straßenrand, dann sagen die: „Boah, coole Karre! Lass uns für einen Tag tauschen!“ Natürlich lustig gemeint. Hier ist manchmal eher Neid dabei: „Guck, jetzt will er’s uns zeigen.“

Hier laufen eben mehr Sozis als Hollywood-Stars herum.

Vielleicht (lacht).

Sie haben auch viele Freunde und Bekannte in den USA. Jay-Z haben Sie sogar mal als Ihr Vorbild bezeichnet. Inwiefern ist er das?

Ich war bei ihm zu Hause in L. A., und wir haben uns drei Stunden lang unterhalten. Er weiß sehr viel, beschäftigt sich mit allem, was in der Welt los ist, er wirkt sehr gebildet. Und er ist als Mensch total auf dem Boden geblieben, obwohl man ihn auf der ganzen Welt kennt und natürlich immer Trubel um ihn herum ist. Ich habe großen Respekt davor.

Was singen Sie Ihren sechsjährigen Zwillingstöchtern am Abend zum Schlafengehen vor?

Ich lese ihnen vor. Zurzeit oft Bücher auf Englisch, die sie von der internationalen Schule zum Lesenlernen mitbringen.

Das heißt, auch Ihre Kinder sind international aufgestellt, wenn in ein paar Jahren Ihre zweite Karriere beginnt?

Genau.

Wenn Sie rausgehen auf den Platz, berühren Sie kurz den Rasen und bekreuzigen sich. Haben Sie noch mehr Rituale?

Ja, ich ziehe alles immer erst rechts an: rechter Arm, rechter Fuß. Und höre Musik, R & B, HipHop. Das Kreuz mache ich, weil ich wünsche, dass beide Seiten gesund bleiben und man ein gutes Spiel hat.

In Ihrer Fußball-Biografie ist diese berühmte Geschichte vom Käfig im Wedding wichtig, wo Sie als Berliner Jugendlicher, der behütet im bürgerlichen Charlottenburg aufwuchs, von Ihren älteren Halbbrüdern Kevin-Prince und George echte Straßenkicker-Härte gelernt haben. Haben Sie sich davon etwas bewahrt?

Auf jeden Fall. Das war eine andere Gegend, viel rauer, härter. Man weiß, dass es im Wedding viel Kriminalität gab. Dort zu spielen hat mich damals abgehärtet und mir gezeigt, dass ich auch gegen Ältere spielen und mich durchsetzen kann, wenn es mal nicht fair zugeht. Also trotzdem weitermachen und gewinnen – nicht durch Schläge oder Beleidigungen, sondern ruhig und fußballerisch.

Spornt ein fieser Gegner Sie noch heute an?

Das ist schon eine Motivation. Ich glaube, dass ich noch mal besser spiele, wenn ich im Spiel ein bisschen gereizt werde und der Gegner nicht ganz sauber spielt.

Man kennt Sie auch abseits des Platzes als großen Ausgleicher, der andere immer gut dastehen lässt. Gibt es Situationen, die Sie auf 180 bringen?

Ja, wenn ich sehe, dass Sachen unfair sind oder jemand etwas macht, um jemand anderem wehzutun.

Da gehen Sie dann dazwischen?

Da gehe ich dazwischen und sage meine Meinung.

Woher kommt dieser Gerechtigkeitssinn?

Ich bin so aufgewachsen und habe das von meinen Eltern so mitbekommen. Das ist ein Teil von mir.

Sie wurden aber nicht selbst Opfer großer Ungerechtigkeit?

Nee. Na ja, was heißt „nicht selbst Opfer“, ich glaube, als Kind oder Jugendlicher ist jeder mal irgendwie Opfer von etwas geworden, das ihm nicht gefällt, ob Rassismus oder eine andere Art von Mobbing. Aber bei mir war jetzt nichts in ganz schlimmer Art dabei.

Apropos Rassismus: Was ging Ihnen durch den Kopf, als die AfD, deren Führungsfigur Alexander Gauland 2016 diesen unsäglichen Nachbar-Spruch gegen Sie losließ, jetzt bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent einfuhr?

Mir ging dasselbe durch den Kopf wie damals bei der Aussage von Gauland: Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir heutzutage schon weiter sind.

Die AfD im Bundestag, was löst das bei Ihnen aus? Fühlen Sie sich unwohler im eigenen Land?

Das nicht. Ich bin hier aufgewachsen und sehr froh und stolz, Deutscher zu sein. Aber natürlich macht man sich schon Gedanken über diese Entwicklung.

Die USA erleben ja Ähnliches mit Donald Trump. Beobachten Sie, was in Washington passiert?

Ein wenig beobachte ich natürlich das politische Geschehen auf der ganzen Welt. Nicht alles, aber man kriegt schon viel mit.

Als Sie in einer TV-Sendung erzählt haben, dass Sie nach der WM-Feier 2014 zu Ihrer Mutter gefahren sind, die Fischstäbchen für Sie gemacht hat, hatten 99,9 Prozent der Frauen im Publikum Tränen in den Augen. Wie viele Heiratsanträge haben Sie in Ihrem Leben schon bekommen?

Das waren schon ein paar. Ist schon witzig, was man in Stadien oder bei Autogrammstunden so alles zu hören bekommt.

Haben Sie eine Standardantwort?

Ich lächle einfach.

Und bei ernster gemeinten Avancen: Wie gibt man charmant einen Korb?

Gute Frage. Ich denke: ehrlich antworten, aber ohne dabei gemein zu sein. Nett, freundlich, auf jeden Fall mit Respekt. Schließlich hat die Person, die dich anspricht, ja viel Mut aufgebracht. Als ich jünger war, habe ich nie den ersten Schritt bei einem Mädchen gemacht, weil ich mir immer ausgemalt habe, was ich mache, wenn sie Nein sagt.

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Sie haben immer abgewartet, dass Sie angesprochen werden?

Oder jemanden gebeten vorzufühlen.

Ihr ultimativer Flirt-Tipp?

Am besten kommen, glaube ich, ganz normale Sachen bei Frauen an. Die Tür aufhalten, sie in ein schönes Restaurant einladen. Das klingt vielleicht ein bisschen altmodisch, aber einer Frau zu zeigen, dass man aufmerksam ist, auf sie achtet, das ist, glaube ich, sehr wichtig.

Die wichtigste Stil-Frage in jedem Interview mit Ihnen: Wie viele Paar Sneakers besitzen Sie mittlerweile? 700, 800?

Ein bisschen über 700.

Wer gibt eigentlich in der Bayern-Kabine modisch den Ton an?

Wer schon ein bisschen mehr auf seine Kleidung achtet, sind zum Beispiel Thiago, David Alaba, Robert Lewandowski, Coco Tolisso, Kingsley Coman. Ist aber auch schwierig zu sagen, weil: Zum Training kommst du oft in Jogginghose. Das ist jetzt nicht so, dass du dich da aufstylst.

Reden Sie in der Kabine viel über Mode?

Wir verarschen uns eher, wenn jemand etwas Schlimmes anhat, so wie Thomas (Müller, Anm. d. Red.) oft. Der bekommt es dann ab . . . (lacht). Aber der kann auch gut damit leben.

Seine legendärste Stil-Sünde?

Weiß ich nicht. Das waren zu viele. Wirklich . . . (lacht).

Hatten Sie selbst mal etwas an, bei dem Sie im Nachhinein dachten: „Okay, das war ein Fehler.“?

Klar. So mit 18. Weite Baggy-Hosen, T-Shirts mit Glitzer drauf, wo ich heute denke: Geht’s noch?

Mal abgesehen von der Mode: Was wissen Sie heute, das Sie gern schon als 18-Jähriger gewusst hätten?

Dass man aufpassen muss, wem man vertraut. Und dass es sich oft lohnt, alles mit mehr Geduld anzugehen. Vor allem beim Fußball. Als junger Spieler fragst du dich ständig, wie der Trainer dich sieht, willst unbedingt gut spielen, gut trainieren – und verkrampfst dann. Mir hat es sehr geholfen, wenn mir jemand den Druck genommen und Vertrauen gegeben hat: Bleib ruhig, du bist ein guter Spieler, du hast Potenzial, du darfst Fehler machen, arbeite einfach weiter an dir.

Sie haben alles gewonnen, die Champions League, die Weltmeisterschaft. Haben Sie noch ein großes Ziel in Ihrer Karriere?

Ja, ich möchte alles noch mal gewinnen.      

Autor: Philip Wolff
Autor: Alexander Neumann-Delbarre
Video – Jerome Boateng erklärt seine Tattoos
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