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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Mach et joot, Poldi!

Ein Gespräch über Abschiede und die Zukunft

Tschö, Poldi!

Es war der Abschied eines ganz Großen: Zum 130. und letzten Mal lief Lukas Podolski gestern im Trikot der deutschen Nationalmannschaft aufs Feld. Mit der Kapitänsbinde am Oberarm und tausenden Fans hinter ihm zelebrierte er sein Abschiedsspiel und sein Abschiedstor – das 49. für die Nationalelf. Wir haben den Sympathieträger schon 2015 zu einem Interview über einsame Kämpfe, entscheidende Begegnungen und die Kunst, sich treu zu bleiben, getroffen

Im Fall von Lukas Podolski darf man es wohl als Zeichen der Zuneigung werten, wenn er einem zur Begrüßung direkt nach dem Handschlag erst mal einen Ball in die Weichteile kickt. Es ist eine Art lockerer Einstiegsscherz, seine Art zu fragen: Verstehst du Spaß? Also erst mal lachen und ihm dann dabei zusehen, wie er sich das Fotostudio in Mailand zu Eigen macht. Er betritt es wie ein Rapper seine Bühne: breitbeinig, gut gelaunt, Chef im Haus. Das ist wirklich exakt der Spaß-Poldi aus dem Fernsehen. Lustig. Nur lautet die Frage jetzt: Versteht er auch ernst?

Playboy: Sie sind in Bergheim bei Köln aufgewachsen und auf der Straße und dem Bolzplatz groß geworden. Was haben Sie dort fürs Leben gelernt?
Podolski: Ziemlich viel. Wir kamen aus Polen nach Deutschland, als ich zwei war. Meine ganze Kindheit fand quasi auf der Straße statt. In unserem Viertel waren lauter Hochhäuser, lauter Ausländerkinder wie ich, und ich war der einzige blonde Junge, der da mitgemischt hat. Da ging es schon zur Sache. Am Anfang war es schwer, die waren alle älter und größer als ich. Aber dann haben sie gesehen: Der ist gut, der ist einer von uns. Ich habe dort gelernt, an mich zu glauben, mich durchzusetzen und dranzubleiben. Die Straße hat mir viel fürs Leben gegeben.

 

"Alles, was ich heute habe, habe ich mir hart erarbeitet durch Disziplin, Fokus und Verzicht"

Lukas Podolski

Playboy: Wenn Sie sich ein Alter aussuchen könnten, das Sie für alle Ewigkeit behalten, welches wäre das?
Podolski: Genau dieses Alter, als ich da mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz gekickt habe. Flasche Wasser, trockenes Brötchen, auf dem Fahrrad zum Bolzplatz, dort fünf Stunden spielen, dann Hausaufgaben machen, am nächsten Tag zur Schule und dann wieder von vorn. Das hat mich glücklich gemacht. Und am Wochenende ging es zu den Köln-Spielen. Da sind wir mit dem Zug in die Stadt gefahren, manchmal schwarz, es war ja keine Kohle da. Als Jugendspieler bei Köln bekam ich dann immer ein oder zwei Karten vom Verein. Oft bin ich zum Stadion gefahren, habe die verkauft und bin wieder heim. Oder ich habe mit meinem Kumpel Nassim . . .

Playboy: ... der heute Ihr Manager ist ...
Podolski: ... im Stadion Pfandbecher gesammelt, für jeden Becher gab es zwei Mark, da bekamst du manchmal 40, 50 Mark zusammen. Dann haben wir uns schön einen Döner geholt und sind wieder nach Hause. So war das Leben, das hat Spaß gemacht, das war normal, einfach normal.

Playboy: Wann hat sich Fußballspielen für Sie zum ersten Mal wie Arbeit angefühlt?
Podolski: Wenn man Profi-Sportler werden will, gehen Spaß und Arbeit sehr früh Hand in Hand. Alles, was ich heute habe, habe ich mir hart erarbeitet durch Disziplin, Fokus und Verzicht. Mir hat ja, als ich ein Kind war, keiner einen Profi-Vertrag hingelegt und gesagt: Unterschreib hier, und ich garantiere dir, dass du mit 17 Profi wirst. Ich bin jeden Morgen zur Schule und danach direkt zum Training, am Wochenende dann die Spiele. Und wenn du schließlich dein erstes Profi-Spiel hast beim 1. FC Köln, dann stehst du allein auf dem Platz. Da hilft dir keiner. Du stehst da unten mit der Nummer 36 im vollen Stadion und musst jetzt was bieten. Wenn du gut spielst, kriegst du das nächste Spiel. Wenn du versagst: Abfahrt. So ist das Fußballer-Leben. Die Freude am Fußball hat mir das aber nie genommen, bis heute nicht.

Poldis Traum-Tor gegen England

Playboy: Sie sind, seit Sie 17 waren, mit Ihrer Frau zusammen, wurden mit 23 Vater, haben mit 25 geheiratet. Muss man als Fußballer früher erwachsen werden?
Podolski: Nicht zwangsläufig. Das muss jeder für sich entscheiden. Wir hatten schon relativ früh ein Kind. Das wollten wir so. Und ich wünsche mir auch noch ein paar mehr. Drei, vier Kinder möchte ich schon haben.

Playboy: Gab es einen Moment, in dem Sie zum ersten Mal merkten: Hoppla, jetzt werde ich wirklich langsam erwachsen?
Podolski: An einen speziellen Moment kann ich mich nicht erinnern. Aber ins Ausland zu gehen hat mir schon geholfen. Du lernst eine neue Sprache, wirst selbstständiger. Und wer in so einer verrückten Stadt wie London gelebt hat, kommt danach überall auf der Welt klar.

Playboy: Sie haben dort mal für Aufregung gesorgt, als Sie mit dem öffentlichen Bus in die Innenstadt gefahren sind.
Podolski: Es ist verrückt - fährst du mit dem Mercedes in die Stadt, sagen die Leute, du bist großkotzig. Fährst du mit dem Bus, sagen sie, du bist bescheuert. An solchen Dingen sieht man: Du kannst es nie allen recht machen. Darum musst du tun, was du selbst für richtig hältst, und nicht nach links oder rechts schauen. Das gilt für den Alltag, aber auch für die Karriere. Ich habe meine Frau, meine Eltern und ein, zwei Freunde, die ich um Rat frage. Und was der Rest denkt, muss mir egal sein. Und ich fahre auch weiterhin mal mit Bus und Bahn, warum auch nicht?

Playboy: Bastian Schweinsteiger hat irgendwann darauf bestanden, nicht mehr Schweini genannt zu werden, weil er als erwachsener Mann wahrgenommen werden wollte. Gab es mal den Zeitpunkt, an dem Sie nicht mehr Poldi sein wollten?
Podolski: Nein, du wirst ja nicht dadurch reifer, dass du dich anders ansprechen lässt. Ich habe kein Problem damit, wenn die Leute zu mir Poldi sagen. Ich bin natürlich auch nicht mehr wie mit 17, aber ich bin als Mensch ja derselbe geblieben, der ich immer war: Ich habe Spaß am Leben, und das strahle ich auch aus. Sowohl wenn es positiv läuft, als auch wenn es mal negativ läuft im Sport. Ich brauche mein Lächeln nicht zu verstecken, nur weil ich ein Spiel verloren habe. Das Poldi-Lächeln: sagenhaft. Als wir das Foto-Shooting nach dem Interview auf eine Boccia-Bahn verlegen, wo einige Rentner spielen, hat er nach fünf Minuten fünf neue Freunde. Bisschen Italienisch, bisschen Zeichensprache, breites Grinsen - da strahlen die Pensionati.

Playboy: Wann erlebt man Sie eigentlich mal schüchtern?
Podolski: Ich mag es nicht, abends in Clubs unterwegs zu sein oder bei Veranstaltungen auf der Bühne zu stehen und große Reden zu halten. Wenn ich das mache, dann nur bei besonderen Anlässen.

Playboy: Wie schüchtern waren Sie beim ersten Date mit Ihrer Frau?
Podolski: Ich war eher nervös als schüchtern. Sie war ja meine erste richtige Freundin, und ich wusste nicht, wie man mit so einer Situation umgeht. Was sagt man? Was macht man? Bringt man Blumen mit?

Playboy: Haben Sie Blumen mitgebracht?
Podolski: Nein, wir sind dann einfach spazieren gegangen. Und es ging alles gut aus.

Playboy: Von wem haben Sie als Mensch am meisten fürs Leben gelernt?
Podolski: Von meinem Sohn. Er gibt mir viel Ruhe, und durch ihn wird mir immer wieder klar, dass viele andere Dinge im Leben nicht so wichtig sind.

Playboy: Worauf legen Sie bei der Erziehung Ihres Sohnes besonders viel Wert?
Podolski: Dass er normal aufwächst. Er soll nicht als der Poldi-Sohn aufwachsen, sondern als der, der er ist. Er geht zur Schule, und nebenbei hat er Spaß am Fußball. Er wird ganz normal erzogen.

"Man muss auch mal auf die Fresse fallen. Wenn alles immer super läuft, ist es schwer zu wachsen"

Lukas Podolski

Playboy: Sollte Ihr Sohn Profi werden wollen: Welchen Rat würden Sie ihm geben?
Podolski: Dass man vor allem durch eigene Erfahrungen lernt. Man muss auch mal selbst auf die Fresse fallen. Wenn alles immer super läuft, ist es schwer zu wachsen.

Playboy: Wann lief in Ihrem Leben mal so richtig was schief?
Podolski: Das letzte halbe Jahr bei Arsenal, als ich längere Zeit nicht gespielt habe, war sicher schwierig. Und klar, jetzt im Moment bei Inter ist es auch nicht einfach. Aber es gehört zum Fußball, dass es auch mal nicht so läuft. Man muss weitermachen und schauen, was passiert.

Playboy: Sie haben eine eigene Stiftung gegründet, engagieren sich auch sonst viel sozial. Gibt es weitere Projekte abseits des Fußballs mit denen Sie sich beschäftigen?
Podolski: Ich habe ein Modelabel gegründet: Straßenkicker. Es läuft gut und macht Spaß. Wenn ich etwas mache, dann mache ich das auch richtig. Neben dem Fokus auf den Fußball ist das ein guter Ausgleich für mich, und soweit möglich, bin ich auch da sehr involviert. Das gilt für das Modelabel genauso wie für die Stiftung. Wenn ich ein soziales Projekt unterstütze, dann ist das für mich auch nicht damit erledigt, fünf unterschriebene Fußbälle hinzuschicken. Wenn ich etwas mache, dann richtig.

Playboy: Was macht für Sie persönlich denn guten Stil aus?
Podolski: Man muss seinen eigenen Stil finden, sich damit wohlfühlen und nicht allzu viel darauf geben, was andere denken.

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