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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

EM-Helden unter sich

Maier, Magath und Freund im Interview

"Wir waren Popstars. Lange Haare und Pelzmantel"

Drei Männer, drei Titel: Sepp Maier, Felix Magath und Steffen Freund sind gefeierte EM-Helden. 72, 80 und 96 holten sie für Deutschland den Pokal. Wir sprachen mit ihnen über wilde Typen, deutsche Gewinnermentalität und Minibar-Marathons nach dem Sieg. Und sie verrieten uns, wie sie die Chancen von Jogis Jungs in Frankreich sehen.

Die Fußballkneipe „Stadion an der Schleißheimerstraße“ in München: Wenn Fußball eine Religion ist, ist das hier einer ihrer Tempel. Ein Ort der Heiligenverehrung. Überall hängen Trikots, Autogramme, Ikonen-Bilder. Was in echten Tempeln aber selten geschieht: dass die Heiligen putzmunter zur Tür reinmarschieren. Sepp Maier kommt als Erster, gute Laune, Prise Schnupftabak, noch bessere Laune. „Hallo Junge, wie geht’s?“, begrüßt er kurz darauf Felix Magath. „Halb so gut wie dir“, antwortet der grinsend. Dann steht auch schon Steffen Freund in der Tür: „Da sind sie ja, die Legenden!“ Umarmungen, Gelächter. Jetzt sind sie also versammelt: drei Männer, die für drei Fußballer-Generationen stehen und für drei deutsche EM-Triumphe. Zu jedem dieser Triumphe hat man Bilder im Kopf: die Pass-Stafetten der „Jahrhundertelf“ von 1972, Hrubeschs Kopfball im Finale 1980, Bierhoffs legendäres Golden Goal 1996 in Wembley. Aber wie erinnern sich eigentlich unsere drei
EM-Helden an die Erfolge? 

PLAYBOY: Herr Magath, Sie waren 1972, beim ersten EM-Sieg einer deutschen Elf, 19 Jahre alt und haben bei Viktoria Aschaffenburg in der dritten Liga gespielt. Wie
haben Sie die EM damals erlebt? 

MAGATH: Als blutiger Amateur und Fan. Alles, was man im Fernsehen gesehen hat, schien ganz weit weg. Das waren Helden für mich. Da hat man mit Ehrfurcht zugeguckt. Und ich war natürlich begeistert von der Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft gespielt hat.

PLAYBOY: Herr Freund, Sie haben Felix Magaths EM-Sieg 1980 als Zehnjähriger bei der BSG Motor Süd Brandenburg erlebt. Als Kind in der DDR: Hat man da
überhaupt der BRD die Daumen gedrückt? 

FREUND: Ganz heimlich, sodass es keiner mitbekommt. Das war wirklich nicht so einfach. Die Stasi war überall, und für die BRD zu sein war schon sehr gefährlich.

PLAYBOY: Waren Sie denn mit dem Herzen bei der BRD-Elf?

FREUND: Nee, gar nicht so extrem, weil: Du wächst ja in diesem System auf. Ich habe schon samstags „Sportschau“ geguckt. Aber wenn’s geklopft hat, musste ich sofort den Sender wechseln.

PLAYBOY: Herr Maier, Sie saßen bei der EM 1996 als Torwarttrainer auf der Bank – und 1980 vermutlich vor dem Fernseher, oder?
Sie hatten kurz zuvor einen schweren Autounfall.

MAIER: Nach meinem Unfall habe ich eine Auszeit gebraucht. Das Turnier war nicht mal ein Jahr nach meinem Unfall, und da wollte ich mit Fußball wenigzu tun haben, sondern wieder gesund werden. Nach dem Unfall bin ich in ein Loch gefallen. Erst dachte ich, es geht nicht ohne Fußball, und hatte immer so eine Wehmut. Also bin ich vier Wochen nach meinem Unfall ins Stadion – und beim Heimfahren hab ich im Auto geheult. Da habe ich mir gesagt: Das tust du dir nicht mehr an. Du
schaust jetzt kein Fußballspiel mehr an. Dann horchst halt Radio, das reicht. Fußball war wie eine Droge, die ich mir abgewöhnen musste. 

PLAYBOY: Wie lange hat das gedauert?

MAIER: Ein, zwei Jahre. Aber auch danach hatte ich mit Fußball erst mal nichts mehr zu tun. Bis mich 1986 der Jean-Marie Pfaff (damals Torwart des FC Bayern; d.
Red.) angerufen hat: „Sepp, du musst wieder was machen. Ich brauche Training.“ Ich hab gar kein Geld bekommen, sondern nur Benzin abgerechnet. Jeden Monat
bin ich zum Hopfner Karl auf die Geschäftsstelle und hab ihm meine Benzinrechnungen hingelegt. Einmal sogar die vom ganzen Monat, obwohl ich bloß zweimal an der Säbener Straße war. Das war denen wurscht.

PLAYBOY: Aber es ist auch was daraus entstanden: Sie wurden der erste Bundes-Torwarttrainer des DFB. 

MAIER: Genau. Richtig losgegangen ist es, als mich der Franz vor der EM 1988 in Deutschland angerufen hat: „Du, Sepp, wir brauchen unbedingt einen Torwarttrainer. Der blinde Bodo Illgner muss mal gescheit trainiert werden.“ Beim Franz waren ja alle immer blind . . . 

PLAYBOY: Später kam Oliver Kahn zum FC Bayern

MAIER: Ja, 1994 vor der WM in den USA sagt der Uli Hoeneß zu mir: „So geht’s nicht weiter, dass du nur kommst, wenn du magst. Ich habe dir einen Edelstein gekauft, schleif ihn dir zum Diamanten. Und jetzt bist du fest angestellt.“ – „Und was gibt’s dafür?“ – „Bist mit 12.000 zufrieden?“ – „Ja, okay.“ Beim DFB hatte ich
100 Mark Tagegeld gekriegt . . .

PLAYBOY: Ein Witz.

FREUND: Ich war ja später auch als Junioren-Trainer beim DFB. Jetzt bekommt man 280 Euro Tagegeld. In der Nationalelf mit ihrem riesigen Stab ist das natürlich
anders. Da gibt’s fünf Mediendirektoren, drei Torwarttrainer, einen für den Angriff, einen für die Abwehr . . .

PLAYBOY: Nicht nur Gehälter und Betreuerstäbe haben sich im Fußball geändert, sondern auch die Typen. Herr Magath, wenn heute ein junger, voll tätowierter
Spieler mit bunten Schuhen und Arturo-Vidal-Frisur in die Kabine kommt, ist der Ihnen erst mal suspekt? 

MAGATH: Das Aussehen oder das Privatleben meiner Spieler war mir immer egal. Ich beurteile die Spieler danach, was sie auf dem Platz leisten. Nach außen hin kann sich jeder darstellen, wie er will. Solange er mannschaftsdienlich spielt, habe ich kein Problem damit.

FREUND: Wie der Aubameyang mit seinem weißen Pelzmantel! Die Spieler sollen so was auch ruhig machen. Wichtig ist: Wenn sie alle denselben Trainingsanzug
anhaben, geht’s zur Sache. Danach können sie tun, was sie wollen. 

MAIER: Wir waren doch früher genauso. Wir waren auch Popstars, hatten lange Haare, sind im Pelzmantel rumgelaufen, Jaguar und Porsche gefahren. Ich hab mir mal für vier Wochen einen Rolls-Royce ausgeliehen, wollte mal richtig angeben. Dann bin ich vorm Training mit dem Pelzmantel aus dem Rolls-Royce gestiegen. Die
Leute haben gesagt: „Schau, der Maier, jetzt spinnt er.“

MAGATH: Solche Typen waren aber natürlich früher eine Seltenheit, heute sind sie eher die Regel. Heute will jeder eigen sein. 

FREUND: Alle haben was Besonderes an, ja. Das ist nun mal die Entwicklung. Der Fußball wird ohne Ende vermarktet, und die Spieler profitieren am meisten davon.
Heute musst du ein Konto haben, weil du das Geld gar nicht mehr ins Auto kriegst. 

MAIER: Wenn man das ins Verhältnis setzt, haben wir früher auch schon gut verdient. Ein normaler Arbeiter hat 800 oder 1000 Mark im Monat gehabt, und wir haben 3500, 4000 verdient. Aber jetzt geht es ja ins Hirnlose. Wenn ich mir vorstelle, ein Spieler soll 100 Millionen Euro kosten! Der erste Star-Spieler, den der FC Bayern gekauft hat, war Jupp Kapellmann, für 750.000 Mark von Köln. Für 750.000 kriegst heute nicht mal einen Schuh von Ronaldo.

PLAYBOY: So wild die Spieler heute aussehen, so brav wirken viele als Typen: Alle sagen immer dasselbe, also meist wenig Interessantes. Ist das nicht eine bedauernswerte Entwicklung?

MAIER: Früher hast du auch nicht diese Massen von Journalisten gehabt. Beim FC Bayern waren damals drei Reporter. Die hat man gekannt, zu denen hast du nach
dem Europacup-Spiel im Ausland auch mal sagen können: „Wir gehen in die Bar, komm mit.“ Die haben alles gewusst, es war mehr ein freundschaftliches Verhältnis.
Und wenn er einen Scheißdreck geschrieben hat, haben wir gesagt: „Du bist nächstes Mal nicht mehr dabei.“ Da hat er sich natürlich am Riemen gerissen. Jetzt
hast du aber am Trainingsplatz 30, 40 Journalisten, mit Kamera. Ja, was willst denn da machen? Da musst dich ein bisschen zurückziehen. 

FREUND: Der Trend ist trotzdem nicht gut. Wir wissen, dass die Medien dazugehören und dass der Fußball auch vermarktet werden muss. Dafür brauchst du auch Typen. Das Problem ist nur: Wenn dann mal ein Mats Hummels als Führungsspieler sagt, wo es langgeht, und ein bisschen aneckt, dann wird er medial gleich plattgemacht.

PLAYBOY: Sind die Spieler heute auch insgesamt disziplinierter, oder dringt einfach weniger nach außen als früher? Stichwort Max Kruse, der zockende Stürmer, der mal eben 75.000 Euro im Taxi liegen lässt. 

MAGATH: Bis auf die 75.000 war das kein Problem. 

MAIER: Bei uns waren’s vielleicht 75 Euro, die wir im Taxi haben liegen lassen.

PLAYBOY: Kein Grund, einen Spieler nicht zur EM mitzunehmen also? 

MAIER: Wenn es früher so gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich überhaupt kein Länderspiel gemacht.

MAGATH: Da wärst du nicht der Einzige gewesen.

MAIER: Man kann sich ja nicht stundenlang die Trainervorträge und die Taktik anhören und dann tagein, tagaus nur Fußball im Kopf haben. Wenn du mal ein Spiel gewinnst, hast du auch Grund zu feiern.

FREUND: Wenn Kruse Leistung bringt, soll er dabei sein. Dieser Spielertyp sorgt für Reibung. Aber ob Löw bereit ist, so einen Spieler mitzunehmen, ist die andere
Frage. Wir sind mit Borussia Dortmund damals – das habe ich noch selbst organisiert – in die Discos rein, ich vorneweg, Arm hoch, die ganze Mannschaft
hinterher. Und da gab’s aber alles, bis zum Abwinken. 

PLAYBOY: Was hält der Trainer Magath von solchen Ausflügen? 

MAGATH: Wenn mir ein Spieler erzählt, er muss am Abend vorher ausgehen, damit er am nächsten Tag ein Tor schießt – dann soll er ausgehen! Wenn er sagt, er braucht fünf Bier, damit er gut spielt, dann kriegt er von mir fünf Bier, da habe ich überhaupt kein Problem. Was zählt, ist die Leistung, der Erfolg. Alles andere ist
wurscht. Wie man zum Erfolg kommt, ist ja auch egal. Das war immer egal, ist heute auch egal.

PLAYBOY: Gibt’s diese Spieler heute noch, die fünf Bier wollen? Oder sind die, auch dank der Jugendinternate, anders eingestellt? 

FREUND: Dass du jungen Spielern Alkohol nicht empfiehlst, ist ja klar. Mir haben die Alten damals bei Stahl Brandenburg mein Bier nach dem ersten Spiel direkt weggenommen. Und am nächsten Wochenende haben sie ein Fass mitgebracht: „Steffen, wir haben gewonnen. Heute darfst du.“ 

PLAYBOY: Wie war die Party nach dem EM-Sieg 1996? 

MAIER: Eine Katastrophe! 

FREUND: Ein Bankett. Mit Boris Becker und seiner Frau. Aber so um elf haben die dann alles zugemacht. Da hast du nicht mal mehr im Hotel Alkohol bekommen . . .

MAIER: Dann haben wir die Ober gefragt: Wenn England Europameister geworden wäre, würdet ihr dann auch die Kneipen um elf zusperren? Das war denen egal.
Wisst ihr, was wir dann gemacht haben? Wir sind von Hotelzimmer zu Hotelzimmer marschiert und haben die Minibars leer gesoffen. 

FREUND: Stimmt, ich auf Krücken hinterher. Ich hatte mir ja im Halbfinale das Kreuzband gerissen. Es hieß dann immer: In welchem Zimmer waren wir noch
nicht? Ah, beim so und so. Dann nichts wie hin! Heute kann man’s ja sagen: Wir haben wirklich nicht den schönsten Fußball gespielt, aber das war eine Mannschaft!

PLAYBOY: Die deutsche Elf hat immer davon profitiert, wenn es einen oder mehrere Blöcke gab: Bayern und Gladbacher in den 70ern, später Bayern und Dortmunder. . .

MAIER: Das hilft, ja. Sonst läuft es wie bei der WM 1978 in Argentinien. Da waren Kölner dabei, Schalker, zwei von Bayern, quer durch die ganze Bundesliga – das
war eine Katastrophe. Und drei Trainer hatten wir auch dabei: Jupp Derwall, Helmut Schön und Erich Ribbeck. Das lief dann so: Der Klaus Fischer hat den Ball, geht
aufs Tor zu, und der eine Trainer schreit: „Spiel deinen Ball ab!“ Der andere sagt: „Schieß aufs Tor!“ Und der dritte brüllt: „Geh allein!“ Der Fischer hat nur den Kopf
geschüttelt. So haben wir auch gespielt, weil keiner gewusst hat, was los war. 

PLAYBOY: Wie war’s 1980? 

MAGATH: Das Spiel war nie ansehnlich oder schön. Aber im Sport geht’s darum zu gewinnen, nicht schön auszusehen, insofern war es völlig wurscht, wie wir den Titel geholt haben. Wir waren einfach eine Mannschaft mit mehr Willen. 

PLAYBOY: Die 1996er waren auch schwer vom Willen getrieben, oder? 

FREUND: Ähnlich. Da sind wir nämlich bei dem Punkt: Was macht die deutsche Mentalität aus? Da gehört eben dieser unbändige Wille dazu. Wir hatten ja auch mit
Thomas Häßler, Andreas Möller und Mario Basler drei Wahnsinnsfußballer, die konnten wirklich alles. Die schossen dir den Ball um die Ecke und jeden Freistoß
in den Winkel. Trotzdem waren wir vom Spielerischen her nicht überragend. Aber wir hatten eine Achse, wir hatten Typen, und wir haben, als es darum ging zu gewinnen, diese Mentalität gezeigt. 

MAGATH: Das ist schon eine Qualität deutscher Mannschaften, diese Willenskraft. Aber auch die körperliche Fitness, denn so ein Turnier ist ja lang. Und da haben wir das Glück, im Vergleich zu anderen Landesverbänden wirklich deutlich besser zu sein. Deutsche Mannschaften können im Finale immer noch was zulegen.

PLAYBOY: Reden wir über die EM 2016. Ist man als Weltmeister automatisch Favorit? 

MAIER: Deutschland ist immer Favorit. 

MAGATH: Wir sind auch immer in der Lage, den Titel zu gewinnen. Und das ist schon seit 60, 70 Jahren so. 

PLAYBOY: Diese EM wird mit vier Wochen Dauer die längste, die es je gab. Wie schafft man es, die Stimmung in der Mannschaft über so einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten? Hatten Ihre EM-Trainer da irgendwelche Tricks? 

MAIER: Die Stimmung kommt immer von der Mannschaft. Es gibt immer Spieler, die quertreiben wollen, Stinkstiefel, die man lieber zu Hause lässt. Die können die
Mannschaft so durcheinanderbringen, dass du nichts erreichen kannst. Du musst eine Truppe sein. 1996, das war eine Truppe. Oder wir, 1972. Bei der EM 1976 in Jugoslawien waren wir auch eine Truppe, aber ein bisschen hochnäsig. Vor dem Finale gegen die Tschechen haben wir gedacht: Die putzen wir doch weg. Dann
kam kurz vor dem Anpfiff noch der Hermann Neuberger (der damalige DFB-Präsident, d. Red.) in die Kabine und sagte: „Es gibt kein Wiederholungsspiel, die Partie
wird heute entschieden, zur Not nach Verlängerung und Elfmeterschießen.“ Das wurde damals ja erst eingeführt. Da haben wir gesagt: „Es gibt heut’ kein Elfmeterschießen. Das wird vorher entschieden.“ Und dann kam es natürlich anders. 

PLAYBOY: Uli Hoeneß verschoss. Und dann lupfte Panenka den entscheidenden Elfer ganz lässig ins Tor. Der war bitter, oder? 

MAIER: Gscherter Kerl, der! So was würde es heute nicht mehr geben, dass einer so einen Elfmeter schießt . . . 

PLAYBOY: Zidane hat es 2006 im WM-Finale gegen Italien auch getan. 

MAIER: Ja, aber der hat’s nicht immer gemacht. Der Panenka hat auch in der Liga die Elfmeter so geschossen. Die Torleute haben’s gewusst – und sich trotzdem alle
hingelegt, weil sie nicht geglaubt haben, dass er es schon wieder macht. Heute sieht man im Fernsehen Aufzeichnungen aus allen Ländern, aber was haben wir von den Tschechen gewusst? Gar nichts. Da hast du einen Spion rübergeschickt, der hat aufgeschrieben: Der Spieler hat Schuhgröße 45, spielt auf der rechten Seite, ist 25 Jahre alt. Der Helmut Schön hat das dann gelesen und gesagt: „Aha, ja, in Ordnung.“ Mei, wenn wir gewusst hätten, dass der Panenka mehr so Elfmeter schießt. . . 

FREUND: So hat sich der Fußball entwickelt. Heute hast du Scouts, die beobachten alles für dich. Das ist der Vorteil für uns Trainer. Überraschen kann dich die
andere Mannschaft heute kaum noch. 

PLAYBOY: 1980 kannte man wahrscheinlich auch noch nicht jeden Gegenspieler. 

MAGATH: Man hatte wenig Information, insofern hat man sich aufs eigene Spiel konzentriert, statt auf das zu reagieren, was der Gegner macht. Das hat sich geändert. Inwiefern das zu besseren Leistungen führt, möchte ich in Frage stellen. Zu viel Information ist genauso schlecht wie zu wenig. 

PLAYBOY: Was bleibt eigentlich von so einem EM-Titel?

FREUND: Grundsätzlich ist es das Größte, was du erreichen kannst, für dein Land im Fußball einen Titel zu gewinnen. Das stelle ich von der Wertigkeit über alles, auch über die Champions League. Da bekommt man ein unglaubliches Gefühl und eine riesige Anerkennung zurück von den Menschen, überall, selbst in England. Und sie vergessen das auch nicht von heute auf morgen. Du bleibst immer der Europameister. Es gibt halt bei uns auch nur drei mal 20 Spieler, die Europameister sind. 

MAIER: Aber die Nationalhymne hast du nie gesungen. 

FREUND: Natürlich habe ich das – aber die DDR-Nationalhymne. So schnell konnte ich mich nicht umstellen (lacht).

MAIER: Und ich habe immer die bayerische gesungen . . . Nein, wir haben früher Kaugummi gekaut bei der Hymne. Der Helmut Schön hat immer gesächselt: „Nu
freilich gannst de Gaugummi gauen.“ 

FREUND: Das mit dem Singen kam erst später auf, als dieser Nationalstolz wieder okay war. Davor musste man aufpassen. Das war nicht zeitgemäß. Nach der Wende ging’s dann los. Ich habe Bilder von mir gesehen, 1996 habe ich gesungen: Brust raus, Hals angespannt, voll unter Strom. Du spürst: Jetzt musst du für dein Land erfolgreich sein! Das ist für mich nach wie vor ein bewegender Moment, auch heute noch, wenn ich vor dem Fernseher sitze. 

MAIER: Stehst dann auf, oder? 

FREUND: Ganz so weit geht’s nicht . . . 

PLAYBOY: Fahren Sie zur EM nach Frankreich? 

MAIER: Nein, ich bin auf einem Schiff, der „MS Europa“, in der Ostsee unterwegs und geb da meine Kommentare zur EM ab. 

FREUND: Ich bin als sogenannter TV-Experte im Einsatz. Aber nicht in Frankreich. 

MAGATH: Ich fahre auch nicht hin. Bei diesen großen Turnieren ist mir das mit der Reiserei ein zu großer Aufwand. Zudem werden diesmal die Sicherheitsvorkehrungen noch aufwendiger sein als sonst.

PLAYBOY: Die angespannte Sicherheitslage bei der EM: Denken Sie, das wirkt sich auch auf die Mannschaft aus? 

MAIER: Es bedrückt schon. Ich kann es nachvollziehen. 1974 war die RAF sehr groß in Deutschland, und da waren wir sechs Wochen in Malente im Trainingslager.
Es ist zwar wunderschön dort in der Holsteinischen Schweiz, aber wir kamen nicht raus. Wir wurden bewacht, tagein,tagaus, alles mit Stacheldrahtzaun. Am
Abend war die ganze Anlage beleuchtet. 

PLAYBOY: Wie ein Lager. 

MAIER: Ja, genau. Und dann diese Polizisten mit Schäferhunden: Damit man sie besser erkennt, haben sie so weiße Mützen aufgehabt, alle 30 Meter einer. Das ist natürlich schon bedrückend. Einmal sind wir rausgekommen mit dem Bus, haben einen Ausflug gemacht zu so einer blöden Bundeswehr-Schießstätte. Gerade da sind wir dann hingefahren! Das war der einzige Ausflug. Da musst ja deppert werden. Darum haben wir auch so einen Scheißdreck gespielt die ersten drei Spiele. Ich glaube, dass in Frankreich nichts passiert. Aber das Public Viewing ist gefährlich. Wie willst denn du 500.000 Leute in Berlin kontrollieren? Das geht ja gar nicht. 

FREUND: Wichtig ist aber eins: Wir dürfen uns das Turnier nicht von der Angst kaputt machen lassen. Eine EM ist eine so schöne Veranstaltung! 

PLAYBOY: Ein schönes Schlusswort eigentlich, aber eins müssen Sie uns noch verraten: Wer wird denn nun Europameister? 

MAIER: Deutschland im Endspiel gegen Belgien. 

MAGATH: Bisher habe ich auf Frankreich gesetzt. Allerdings bin ich seit der Suspendierung von Benzema ein wenig unsicher. 

FREUND: Ich wünsche mir Deutschland gegen England im Finale. Dass die dann gegen uns verlieren, ist doch klar, spätestens im Elfmeterschießen. Aber wenigstens mal ins Finale kommen, das würde ich den Engländern wünschen. Damit sie mal die Pubs nicht um elf Uhr zumachen müssen.

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