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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Der Himbeergeist vom Schlucksee

Die besten Geschichten aus den DFB-Trainingslagern

Zocken, Saufen, Bumsen – Turniervorbereitung à la DFB

Heute bezieht die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ihr Trainingslager im schweizerischen Ascona. Mit dabei: PlayStation, Tischtennisplatten und Lukas Podolski. Man spricht von perfekten Bedingungen, erwartet eine tolle Vorbereitung. Doch das war nicht immer so: Die Liste an Skandalen und Exzessen aus Trainingscamps der Nationalmannschaft ist länger als Rudi Völlers Vokuhila. Wir blicken zurück auf die Orte der Sünde

die fahne von spiez

1954 bezogen die späteren Helden von Bern ihr Quartier in Spiez. Eigens ausgesucht von Trainer Sepp Herberger entwickelte sich hier der sogenannte "Geist von Spiez", der das Team sensationell zum Titel gegen Ungarn trug. Glaubt man dem Endspielhelden Helmut Rahn, erschien der Geist dennoch erst gegen Ende des Turniers: Man stand sich gegenseitig auf den Füßen, nächtliche Ausflüge über den Thunersee zu den Ehefrauen waren der einzige Ausweg. Die Fahne, die "der Boss" Rahn nach der 3:8 Demütigung gegen Ungarn über den Rasen hechelte, war legendär. Schlussendlich egal: Aus dem Hintergrund konnte Rahn schießen, er schoss, Tor, Aus, Weltmeister.

auf ins legoland

Schullandheim war immer schön früher. Wenig Schlaf, mieses Essen, Schmierereien an der Wand im Klo – herrlich. Auf diese Schullandheim-Romantik setzte der DFB jahrelang in der humorlosesten Sportschule der Welt. In Malente fühlte sich manch einer an seine Zeit beim Militär erinnert: acht Quadratmeter-Stuben, grüne Nachttischlampen und spaßbefreite Waldläufe um 7.45 Uhr. Graue Eintönigkeit und erdrückende Langeweile – für Franz Beckenbauer war der absolute Höhepunkt der Ausflug ins Legoland: "Da können Sie sich vorstellen, wie langweilig das Ganze war!" Für Abwechslung sorgten die Spieler selbst: Sepp Maier und Uli Hoeneß türmten des Nächtens mit dem Auto ohne funktionierende Bremsen nach Hamburg, wo die Spielerfrauen untergebracht waren.

Legendär auch die Diskussion um die Prämienzahlungen des DFB – Helmut Schön drohte abwechselnd mit seiner Abreise, 22 neuen Spielern und der Absage des nächsten Legolandtrips. Die demütigende Niederlage gegen den Nachbarn aus der DDR wurde mit Bier in den frühen Morgenstunden weggespült. In dieser Nacht raufte sich die Truppe um Beckenbauer zusammen: Der sogenannte "Geist von Malente" war geboren und existiert bis heute. Der HSV hält vor seinen Relegationsspielen dort noch immer seine Trainingslager ab. Der Geist von Malente, er spukt noch immer.

wenigstens die musik war gut

Vier Jahre nach der Kasernen-Tristesse von Malente dachte man eigentlich, es geht nicht schlimmer. Der DFB bewies seinem armen Kader aber bei der WM in Argentinien das Gegenteil. Wahrscheinlich blieben Breitner und Beckenbauer, noch immer betroffen von Malente, deswegen dem Turnier in Südamerika fern. Denn in er argentinischen Pampa von Malente war der traurige Besuch von Halb-Nazi Hans-Ulrich Rudel, seines Zeichens Träger des "eisernen Kreuzes" für Verdienste im Kampf gegen die Sowjets, der Höhepunkt des Trainingslagers. Ansonsten Todeslangeweile und kein Kontakt zur Außenwelt.

Allerdings: Die Betten waren schön. Und auch musikalisch war so einiges geboten. Aber da hat sich der DFB ja noch nie lumpen lassen. Franz Lambert, live in Concert – eine ganze WM lang. Geil.

ferien am schlucksee

Zur WM-Vorbereitung mietete sich der DFB in einer Pension am schönen Schluchsee im Schwarzwald ein. Die kommenden Wochen wurden zum legendärsten Trainingslager in der Geschichte der Nationalmannschaft. Toni Schumacher leistete in seinem Buch "Anpfiff" wichtige Aufklärungsarbeit über die dortigen Zustände.

Der Alkohol war am kurzerhand umgetauften "Schlucksee" nur das geringste Problem. Dem deutschen Torhüter zufolge wurden Geldbeträge bis zu 30.000 Mark verpokert und "bis zum Morgengrauen gebumst". Paul Breitner soll seinen Frust im Rotwein ertränkt haben, Trainer Jupp Derwall gab währenddessen den antiautoritär erziehenden Papa. Bumsen, saufen, zocken – ein Jammer, dass Max Kruse 1978 noch nicht geboren war...

Autor: Leopold Zaak
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