Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Quentin Tarantino

... über Wut, Potenz und seinen neuen Western

„Vielleicht schreibe ich auch bald Romane“

Regie-Virtuose Quentin Tarantino über die Entstehung seines Playboy-Comics aus Lust an Spielereien, seine Wut über den Verrat des „The Hateful Eight“-Drehbuchs – und was ihn von seinen impotenten Regie-Kollegen unterscheidet

Playboy: Schon bevor Ihr Film im Kino zu sehen ist, zeigen wir hier im Playboy eine Comic-Sequenz daraus, die Sie exklusiv für uns geschrieben haben. Darf man sie als eine Art Trailer verstehen? 

Tarantino: Das Coole daran ist eher, dass der Strip vom Film etwas abweicht. Da gibt es Variationen, Nuancen. Mir gefallen solche Spielereien. Schon bei „Inglourious Basterds“ habe ich ja im Playboy eine Sequenz in einem Comic erzählt. Und auch dieses Mal haben wir wieder den Illustrator Zach Meyer genommen. Ich finde, er hat einen verdammt guten Job gemacht!

Playboy: In „The Hateful Eight“ sperren Sie acht Leute, die wegen eines Schneesturms nicht weiterkönnen und sich bald an die Gurgel gehen, in eine Blockhütte . . .

Tarantino: Die Story spielt einige Jahre nach dem Sezessionskrieg, und in den Köpfen dieser Leute gibt es noch jede Menge Rassismus und blanken Hass. Von den Rachegelüsten gar nicht zu reden.

Playboy: Wie rachsüchtig sind Sie selbst?

Tarantino: Nicht sehr, würde ich sagen. Und auch mein Hass hält sich in Grenzen.

Playboy: Als Ihr Drehbuch zu „The Hateful Eight“ vor zwei Jahren geleakt wurde und plötzlich im Internet kursierte, sah das aber ganz anders aus.

Tarantino: Natürlich war ich zornig darüber, dass man mein Vertrauen missbraucht hatte. Aber eigentlich hat mich das eher traurig gemacht. Eine Zeit lang konnte ich mir auch gar nicht mehr vorstellen, „The Hateful Eight“ zu verfilmen.

Playboy: Was hat Sie umgestimmt?

Tarantino: (Lacht) Es ist eben ein verdammt cooles Script. Und ich hatte schon zu viel Lebenszeit und Herzblut investiert.

Playboy: Stimmt es, dass Sie danach nur noch zwei Kinofilme drehen wollen?

Tarantino: Das habe ich vor. Dann hätte ich zehn Filme gemacht und würde hoffentlich auf der Höhe meiner Kunst aufhören. Ich bin jetzt Anfang 50. Den zehnten Film mache ich vielleicht mit  60. Wie Sie wissen, nehme ich mir viel Zeit für jeden Film.

Playboy: Das kann man wohl sagen – gerade mal acht Filme in 23 Jahren.

Tarantino: Bei mir geht es nicht um Quantität. Für mich zählt Qualität. Das bin ich mir und meinen Fans schuldig. Und lieber mit einem Feuerwerk aussteigen als mit einem Rohrkrepierer.

Playboy: Gehören Sex-Drive und Kreativität für Sie zusammen?

Tarantino: Auf jeden Fall. Um meinen Sex-Drive brauchen Sie sich aber keine Sorgen zu machen! (Lacht) Vielleicht nutze ich meine künstlerische Kreativität dann ja fürs Romaneschreiben. Oder ich mache TV-Serien. Oder Theater. Ich habe noch viele Ideen! Allerdings werde ich mich nie in die Riege impotenter Regisseure einreihen, die es eigentlich nicht mehr bringen und trotzdem noch einen Film nach dem anderen drehen. Ich gehe ja auch mit einer Frau nicht bloß deswegen ins Bett, weil ich zufällig eine Schachtel Viagra auf dem Nachttisch liegen habe.

Playboy: Sind Sie altersmilde geworden, oder warum haben Sie Bruce Dern – dessen Umfeld Sie im Verdacht hatten, das Script geleakt zu haben – doch mitspielen lassen?

Tarantino: Dazu sage ich nichts. Außer, dass Bruce ein fantastischer Schauspieler ist. Ich bin überhaupt sehr stolz auf meine Schauspieler. Sie alle haben sich den Tarantino-Rap in kürzester Zeit draufgeschafft. Denn wer meine Texte nicht im richtigen Rhythmus sprechen kann, den besetze ich nicht. Da kann er noch so ein großer Hollywood-Star sein.

Playboy: Wie macht man aus einem klassischen Western ein Tarantino-Movie?

Tarantino: Wenn ich das selbst so genau wüsste. „The Hateful Eight“ ist eine Hommage an das Western-Genre. Aber ich hüte mich davor, alles weißzuwaschen. Bei mir wird es dreckig und blutig.

Quentin Tarantinos neuester Film ist ab 28. Januar in den Kinos zu sehen. Einen kleinen Vorgeschmack in Form eines Comics gibt es im aktuellen Heft.

Autor: Ulrich Lössl
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.