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Ben Stiller

...über harte Humorarbeit und den Mord an Justin Bieber

"Warum denkt eigentlich jeder, dass alternde Männer durchdrehen?"

Schauspieler Ben Stiller über sein Leben ohne Midlife-Crisis, harte Humorarbeit und warum er in seinem neuen Film Justin Bieber an den Kragen geht

Er guckt ein bisschen wie ein Junge, der etwas ausgefressen hat: den Blick nervös gesenkt, das Lächeln zurückhaltend. Ben Stiller ist ein schüchterner Mensch – was aber seiner beruflichen Kreativität zum Glück nicht im Weg steht. Der 50-Jährige gehört zu den erfolgreichsten Komödianten Hollywoods, seine Filme spielen allein in den USA im Schnitt 125 Millionen Dollar ein. Auch mit seinem neuen, „Zoolander 2“ (Kinostart: 18. Februar), erhofft sich Stiller einen Kinohit. Wobei der Film, dessen Plot er selbst schrieb, inszenierte und spielte, im Vorfeld für einige Diskussionen sorgte...

Playboy: Mr Stiller, in „Zoolander 2“ lassen Sie Justin Bieber ermorden – haben Sie etwa eine leicht morbide Ader?

Stiller: Nein, ich gehe einfach mit dem Zeitgeist. Es gibt schließlich viele Menschen, die Bieber gern beseitigen würden (lacht). Justin Bieber ist ein polarisierender Mensch, aber eigentlich ein netter Kerl, und er hat immer noch enorm viele Fans. 

Playboy: Wie haben Sie ihn überredet mitzuspielen?

Stiller: Er war sofort an Bord, als wir ihm die Idee präsentierten, auch wenn er sein eigenes, wenig romantisches Ableben spielen muss. Er fand es witzig, sich über sich selbst lustig zu machen. Und er ist nicht der einzige Superstar, der im Film dran glauben muss: Madonna, Kanye West, Usher – viele Berühmtheiten werden in „Zoolander 2“ ermordet. Es ist einfach eine absurde Geschichte, die wir erzählen. . . 

Playboy: . . . mit der internationalen Modewelt im Zentrum des Geschehens. Weil diese Welt ohnehin so absurd ist?

Stiller: Das ist das Spannende daran: Die Mode-Industrie ist gespickt mit skurrilen Menschen und seltsamen Situationen. Ein wahres Eldorado für Leute wie mich, die sich darüber lustig machen wollen. 

Playboy: Nehmen Ihnen die eitlen Modeschöpfer das nicht übel?

Stiller: Natürlich versteht nicht jeder unsere Art von Humor, und manche fühlten sich tatsächlich auf den Schlips getreten. Aber so ist das eben. Wir wollen ja nicht die Kreativität der Modemacher und deren Arbeit in Frage stellen.

Playboy: Sondern?

Stiller: Unser humoriger Fokus liegt eher auf dem Umfeld der Modeszene. Die Eitelkeiten, die Extreme bei der Optik, der oft überzogene Jugendwahn. Jeder will herausstechen, will extravaganter sein als die Konkurrenz. Ich habe durchaus Respekt vor der Arbeit der Designer, das ist eine Kunst für sich. Größen wie der italienische Modezar Valentino und auch die mächtige „Vogue“-Chefin Anna Wintour haben übrigens bei den Dreharbeiten sehr viel Humor bewiesen und waren sofort an Bord. Andere hingegen hätten Owen Wilson und mich am liebsten in die Wüste geschickt, als wir bei der Valentino-Show in Paris über den Laufsteg marschierten.

Playboy: Reichlich Gegenwind haben Sie auch bekommen, weil Sie sich im Film über transsexuelle Models lustig machen . . .

Stiller: Benedict Cumberbatch wollte bei unserem Film unbedingt mit dabei sein, also haben wir ihm die Rolle eines transsexuellen Models auf den Leib geschrieben. Er ist zum Brüllen witzig, finde ich. Wir machen uns aber sicher nicht über Transsexualität im Allgemeinen lustig, das entspricht nun wirklich nicht meinem Lebensbild. Man kann es einfach nicht jedem recht machen, Humor ist eine komplexe Angelegenheit, die jeder auf seine Weise anders empfindet. Und das ist auch okay so. 

Okay so? Ben Stiller hebt unsicher den Blick. Wie eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit wirkt sein Film-Humor eigentlich nie. Aber vielleicht ist das ja gerade das Ergebnis seiner Kunst. Man denke nur an seinen Durchbruch 1998 mit der Rolle eines liebestollen Autors in „Verrückt nach Mary“. Wie er versucht, das Herz der damals ebenfalls noch unbekannten Cameron Diaz zu erobern. Die Szene, in der sie sich sein Sperma ins Haar schmiert, in der Annahme, es sei Gel, wurde zu einem Klassiker der Filmgeschichte. Seit diesem Kino-Hit zählt Stiller in Hollywood zur Comedy-A-Klasse – als Experte für trottelige Typen. 

Playboy: Wie schwierig ist es für Sie, auf der Leinwand humorvoll rüberzukommen?

Stiller: Lustige Rollen zu spielen ist wirklich harte Arbeit für mich. Es ist nicht so, dass ich mich einfach vor die Kamera stelle und komisch bin. Ich muss Gags lange einstudieren und Wege finden, wie eine Szene komisch wirkt. Das Drehbuch für „Zoolander 2“ habe ich gemeinsam mit meinem langjährigen Kumpel Justin Theroux geschrieben. Es ist natürlich leichter, wenn man einen Schreibpartner schon so gut kennt und man auf der gleichen Längenwelle tickt. Aber trotzdem ist es meist ein langer Weg von einer Idee bis zur fertigen Szene, denn oft funktioniert ein Witz in der Praxis nicht so gut, wie man sich das in der Theorie vorgestellt hat. 

Playboy: Liegt Ihnen der Humor in den Genen, nachdem schon Ihre Eltern mit Komik ihren Unterhalt verdienten?

Stiller: Ich denke schon, dass da was abgefärbt hat.

Playboy: Ging es in Ihrem Elternhaus immer lustig zu?

Stiller: Es war nicht so, dass ständig he-rumgealbert wurde. Aber es lag schon eine sehr kreative Atmosphäre in der Luft. Meine Eltern haben sich zu Hause auf ihre Auftritte vorbereitet, das ging natürlich nicht spurlos an mir vorüber. Es lagen überall Drehbücher herum, wir Kinder haben manchmal einfach so zum Spaß die Rollen nachgespielt – sehr zur Belustigung der Verwandtschaft oder der Freunde, die zu Besuch kamen. Vor allem mein Vater ist privat ein ganz anderer Mensch, als man ihn aus seinen Rollen in „Seinfeld“ oder „King of Queens“ kennt. Er ist viel introvertierter, als man erwarten würde, da komme ich wohl nach ihm. 

Playboy: Viele Leute denken, dass Komiker ständig witzig sind – eine Fehleinschätzung?

Stiller: Seit dem Erfolg von „Verrückt nach Mary“ sprechen mich regelmäßig Leute auf der Straße mit dem immer gleichen Gag an: „Hey Ben, du hast Sperma am Ohr!“ Ich kann ja verstehen, dass die Leute mich mit einer Person identifizieren, die sie im Film lustig fanden. Aber ich setze mich nicht dem Druck aus, auch im Privatleben ständig den Kasper geben zu müssen.

Playboy: Findet Ihre Familie, dass Sie lustig sind?

Stiller: Das kommt wirklich auf den jeweiligen Gemütszustand an. Meine Kinder finden mich wahrscheinlich eher peinlich, meine Frau lacht schon gelegentlich über mich – vor allem über meine Optik morgens nach dem Aufwachen. 

Playboy: Von welchen anderen Komikern haben Sie sich im Lauf Ihrer Karriere inspirieren lassen?

Stiller: In den 70er-Jahren verehrte ich Gene Wilder, Charles Grodin und Albert Brooks. Über die Szene in Woody Allens Film „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten“, in der sich Gene Wilder in ein Schaf verliebt und mit ihm ins Bett steigt, kann ich noch immer herzlich lachen. Diese Art von Absurdität ist genau mein Ding. 

Playboy: Wenn Ihre Eltern Sie nicht zu diesem Beruf inspiriert hätten, was wäre wohl aus Ihnen geworden?

Stiller: Das ist eine interessante Frage. Es ist schwierig, mir einen anderen Lebensstil vorzustellen als den, mit dem ich aufgewachsen bin. Meine Eltern waren viel auf Reisen, hatten Engagements am Theater und in Nachtclubs. Sie haben mich oft zu Auftritten mitgenommen, ich bin sozusagen hinter Bühnen aufgewachsen. Da inter-essiert man sich automatisch für das, was vorn im Rampenlicht passiert. Ich hatte ursprünglich nicht den Wunsch, ebenfalls Schauspieler zu werden. Mein Traum war es, Filmemacher zu werden. In der Schule habe ich mich zwar für Geschichte und Geologie interessiert, aber ich habe nie darüber nachgedacht, dieses Interesse als Grundlage für eine berufliche Ausbildung zu nutzen. 

Auch im Privaten brachte Ben Stiller die Schauspielerei weiter als die Geologie. Seine Frau Christine lernte er 1999 bei Dreharbeiten zu einer TV-Serie kennen. Sie ist ebenfalls Schauspielerin, doch das Paar pflegt in New York alles andere als einen exzentrischen Hollywood-Lifestyle – vor allem Tochter Ella, 13, und Sohn Quinn, 10, zuliebe.

Playboy: Ihre Kinder wachsen wie Sie im Umfeld von zwei prominenten Eltern auf. Was würden Sie ihnen gern ersparen, das Sie selbst durchlebt haben?

Stiller: Man kann gewisse Dinge leider nicht beeinflussen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie oft meine Eltern von fremden Leuten auf der Straße angesprochen wurden. Ich konnte das damals nicht einordnen. Nun ist die Situation mit meinen Kindern die gleiche. Ich merke, wie sensibel sie darauf reagieren, wenn Leute mich ansprechen. Da muss ich manchmal Prioritäten setzen und auch mal Fans enttäuschen.

Playboy: Was waren Sie für ein Kind?

Stiller: Ich war ziemlich schüchtern. Ich bin in der Upper West Side in Manhattan aufgewachsen. Es war damals keine besonders edle Gegend. Ich wurde oft von anderen Kindern auf der Straße gedisst, sie haben mir Uhren und Fahrräder geklaut. Ich war von der Statur her sehr schmächtig und konnte mich nicht wehren. Daher handeln noch heute viele meiner Filme von Außenseitertypen, die es am Ende allen zeigen. 

Playboy: Sie sind jetzt 50 – gab es schon erste Anzeichen einer Midlife-Crisis?

Stiller: Überhaupt nicht! Warum denkt eigentlich jeder, dass alternde Männer durchdrehen? Ich habe mir weder einen Porsche gekauft noch das Bedürfnis, an einem Triathlon teilzunehmen, um mir zu beweisen, was für ein toller Kerl ich bin. Und eine 20-jährige Geliebte habe ich mir auch nicht angelacht. 

"Lustige Rollen zu spielen ist harte Arbeit für mich"

Ben Stiller

Playboy: 15 Ehejahre gelten unter Hollywood-Paaren als eine Ewigkeit. Wie haben Sie das geschafft?

Stiller: So wie viele andere Paare das auch schaffen: Wir leben ein ganz normales Leben, halten uns fern von den Medien und dem ganzen Hollywood-Zirkus. Es gibt so viele Paare in unserer Branche, die ihre Beziehung in der Öffentlichkeit ausleben. Für Christine und mich ist das nichts. 

Playboy: Sie sind also ein ausgemachter Familienmensch?

Stiller: Absolut! Zu allen in meiner Familie habe ich nach wie vor ein sehr enges Verhältnis, und meine Frau und meine Kinder sind für mich das Wichtigste im Leben. Sie sorgen dafür, dass ich auf dem Boden bleibe. Wer im Filmbusiness arbeitet, braucht einen Ausgleich, sonst dreht man leicht mal durch. Seit ich Kinder habe, hat die Arbeit für mich nicht mehr die oberste Priorität.

Playboy: Hatte sie das mal?

Stiller: In den 90er-Jahren war ich ein regelrechter Workaholic, bin in einem Affentempo von einem Projekt zum nächsten geprescht. In ständiger Angst, irgendetwas zu verpassen. Meine Prioritäten haben sich definitiv verändert, seit ich eine eigene
Familie habe. Ich genieße das sehr. 

Playboy: Man bezeichnet Sie immer wieder als den inoffiziellen Anführer des sogenannten „Frat Packs“ in Hollywood – in Anlehnung an das legendäre „Rat Pack“ unter der Federführung von Frank Sinatra. Was genau steckt dahinter?

Stiller: Ach, das ist letztlich eine Erfindung der Medien. Ich bin befreundet mit Kollegen wie Owen Wilson, Vince Vaughn, Jack Black und Steve Carell. Dass wir allesamt hauptsächlich Komödien drehen, verbindet uns natürlich auf eine bestimmte Weise. Es hat sich über die Jahre so ergeben, dass wir uns nicht nur privat trafen, sondern immer öfter auch miteinander gearbeitet haben. Mit Freunden und Familienmitgliedern arbeiten zu können ist ein großer Luxus, den ich sehr genieße. Wir sind aber keinesfalls so eine Art Komödien-Mafia, wie offenbar viele vermuten (lacht). A Interview: Andreas Renner

Autor: Andreas Renner
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