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Der Hund, unser Freund? Eine dreiste Lüge!

Irgendwann in seiner Evolution tat sich der Mensch mit dem Wolf zusammen. Seither redet er sich diesen fatalen Missgriff schön, sagt unser Autor Wulf Beleites.

Am Anfang war eine Lüge, eine große Lüge. Über die Jahrtausende ist an ihr gefeilt und gewerkelt worden. Sie wurde mit sogenannten Argumenten unterfüttert, mit absurden Emotionen aufgeladen und fadenscheinigen Beweisen aufgewertet. Allerlei dubiose Gestalten aus Wissenschaft und Kultur wurden mit fragwürdigen Zitaten hinzugezogen, um sie zur Scheinwahrheit wachsen zu lassen, überzogen mit dem Zuckerguss heuchlerischer Sentimentalität.

Es war eine der ersten Fake News der Geschichte, und sie lautet: Der Hund ist des Menschen bester Freund. Mit dieser Mär vom „sozialisierten Hund“, der in freundschaftlicher Gemeinsamkeit mit dem Menschen lebt, sollte die gnadenlose Domestizierung des freien Wolfes zur unterwürfigen Haustöle gerechtfertigt werden – sollte vertuscht werden, wie der Mensch den Wolf in die Abhängigkeit geknüppelt, geknechtet, gehätschelt und gezüchtet hat.

Deutschland, ein großer Hundehaufen

Die große Hundelüge vom „besten Freund“ hat sich durchgesetzt – weltweit und in Deutschland besonders. 7,9 Millionen Hunde gibt es hier, so das Ergebnis der letzten Hundezählung aus dem Jahr 2015. Noch einmal: 7.900.000! Knapp acht Millionen Hunde in nur 8,9 Prozent der deutschen Haushalte. Der Rest der Deutschen kann oder will gar nicht mit den Viechern zusammen sein.

Wobei in der Statistik noch die nicht angemeldeten Hunde fehlen: Egal, ob gemeiner Straßenköter oder gräflicher Vorstehhund – die Zahl dieser Illegalen wird auf 20 Prozent oder mehr geschätzt, macht also noch mal zusätzliche 1,5 Millionen Tiere.

Der Nachfahre des freien Wolfes

Wohlgemerkt, die Daten der Hunde-Erhebung sind ein paar Jahre alt, die 10-Millionen-Grenze dürfte also längst überschritten sein. Ein immenser Hundehaufen. Und vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis Pegida-Anhänger und andere Gauländer mitkriegen, dass der Hund im Islam als unrein gilt, um dann mit neuen Schildern auf die Straße zu gehen: „Moslems wollen uns unsere Schäferhunde wegnehmen!“ Oder: „Blondi bleibt unsere Blondi!“

Der Hund an sich: lästig, ärgerlich und gefährlich

Doch zurück zu den knapp acht Millionen offiziellen deutschen Hunden, die immer noch hier sind und über die es im Wesentlichen dreierlei zu sagen gibt. Da helfen auch keine vermeintlichen Hundeflüsterer vom Schlage eines Martin Rütter, der mit seinen albernen Hundeshows bundesweit immer wieder ein begeistert-infantiles Publikum findet.

Da helfen weder pseudowissenschaftliche Schriften wie „Dogs“, das selbst ernannte Hundefachblatt Nummer eins aus dem Hause Gruner+Jahr, noch veganes Hundefutter, Hunde-Yoga oder gar Hundeboutiquen. Das alles kann die drei Grundwahrheiten über den Hund nicht vergessen machen: Der Hund ist lästig. Der Hund ist ärgerlich. Der Hund ist gefährlich.

Lästig: Penetrant kläffen sie ihr „Wuff, wau, wau, wuff, wuff!“ auf Schritt und Tritt. Immerfort ein nervtötendes Wau und Wuff ohne Sinn und Verstand, ohne Ziel und Nutzen. Ein ständiges „Komm her – geh weg.“ Einfach nur Krach und „Lerm“ (Tucholsky).

Ärgerlich: Wer kennt nicht diesen irrwitzigen Hindernislauf auf zugeschissenen Wegen. Wer ist nicht schon einmal in einen Hundehaufen getreten, hat versucht, den stinkenden Kot am Bordstein abzustreifen, und ist danach durchs Gras am Wegrand geschlurft, um die letzten Reste zu entfernen – allerdings nur mit dem zweifelhaften Erfolg, nun mit dem anderen Schuh in den nächsten Haufen zu treten.

Gefährlich: Aggressiv hetzen die Köter hinter Joggern her, fallen Spaziergänger an und reißen spielenden Kindern die Arme aus. Die Lefzen hochgezogen, gierig hechelnd eine Beute suchend und mit dem gesamten Gebiss signalisierend, dass gleich der ultimative Angriff mit beiden Reißzähnen bevorsteht: rein in Wade oder Unterarm oder wohin auch immer.

Dazu Erkenntnisse aus den Krankenblättern der Berliner Charité: Am häufigsten greifen Hunde Kinder an, ein Viertel der Opfer ist jünger als sechs Jahre. Meist sitzt der Biss an Hals oder Kopf. Jährlich sterben an Hunde-Attacken zwischen ein und sechs Menschen.

Hund und Halter: die gemeine Straßenmischung

Alles läuft darauf hinaus, immer und immer wieder: lästig, ärgerlich, gefährlich. Hund und Halter geben ihren Kritikern auf Schritt und Tritt Anlass zur Kritik. Egal, ob man sich auf das symbiotische obere oder untere Ende der Leine konzentriert. Oft aber gibt es nicht einmal ein Oben und Unten, sondern nur eine lose Leine und ein herumtollendes Halsband plus Hund. Und ein selbstgerechtes Herrchen schaut weg oder bepöbelt intolerant jede Äußerung über den Verstoß gegen die öffentliche Ordnung oder über die Missachtung des persönlichen Wohlbefindens.

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Es lohnt sich, Kurt Tucholskys „Traktat über den Hund, sowie über Lerm und Geräusch“ zu lesen. „Etwas gegen den Hund zu sagen, heißt für viele, am Heiligsten rühren“, schrieb 1927 der Schriftsteller. „Die Hundenarren sind häufig ganz erbarmungslose Menschen.“

Nie will der gemeine Hundehalter es gewesen sein, für alles hat er stets eine Erklärung zur Hand, wenn es für eine Ausrede nicht reicht. Der Postbote hätte nicht wegrennen dürfen und das Kleinkind schon gar nicht. Den Scheißhaufen muss ein anderer Köter gesetzt haben, denn „bei meinem mach ich das immer sofort weg“. Und gebellt? Wird sowieso nie.

Was nutzt der Nutzhund? Doofer sein als Herrchen

Bleibt für Hundefreunde als letzte argumentative Ausflucht noch das Märchen vom Nutzhund, der dem Menschen eine große soziale Hilfe sei. Er führt die Blinden, lockt die Lahmen und schmust mit Damen. Er tanzt im Varieté auf den Hinterbeinen, bringt beim Hunderennen, richtig platziert, jede Menge Kohle und kann Wanzen in Flugzeugen erschnüffeln. Beliebt in der Drogenszene sind ausgemusterte Polizeihunde, die immerhin für ihre neuen Besitzer noch die tägliche Ration Dope aufspüren.

Dabei haben alle diese sogenannten Nutzhunde nur einen einzigen Zweck: dem Menschen zu dienen, ihm zu gehorchen. Es geht nicht um Partnerschaft. Nur um Herrschen und Beherrschtwerden. Wo bliebe der urbane Camouflagehosenträger auch sonst mit seinem krankhaften Bedürfnis, Autorität auszuüben, hätte er nicht den gefährlichen Brutus an der Kette, den er gern züchtigt? Vermutlich verbisse er sich selbst häufiger in Mitmenschen.

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Glücklich, wer nicht der dümmste Idiot des Planeten ist, sondern noch einen unter sich weiß. Der Hund ist die beste Ausrede des Menschen, niederträchtig und brutal sein zu dürfen. Die Umkehrung des Zivilisationsprozesses.

Deshalb braucht der Mensch die große Lüge. Denn er fühlt sich, völlig zu Recht, zur Rechtfertigung genötigt. Was also tun?, um mit Lenin zu fragen. Die Antwort ist simpel: Hunde raus aus der Stadt, weit weg mit ihnen. Das Projekt „Sputnik“ wieder auflegen und ab mit Laika ins Weltall. Und bitte gleich mit allen Laikas dieser Welt – vom Chihuahua bis zur Deutschen Dogge.

Das Buch "Immer diese Köter" von Wulf Beleites ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf für 9,99 Euro erhältlich

Autor: Wulf Beleites
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