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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Liam Neeson

... über den Sinn des Lebens und Nazi-Zombies

„Ich bin keine harter Hund. Aber ich kann böse gucken"

Hollywoods Lieblings-Ire Liam Neeson über den Alltag als Alleinerziehender, Nazi-Zombies und die Frage nach dem Sinn des Leben

Gut gelaunt empfängt Liam Neeson in einer Suite im „Redbury Hotel“ und erfreut sich am „schönen blauen Himmel“ über Los Angeles. Hellblaues Hemd, die Ärmel lässig hochgekrempelt und die Beine übereinandergeschlagen – der 62-Jährige, der als Oskar Schindler in „Schindlers Liste“ berühmt wurde und jetzt in dem Thriller „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ mitspielt, ist in Plauderlaune. Eigentlich ist es ihm ein Graus, über sich selbst zu sprechen, doch er folgt dem Rat seines Vaters: „Erfülle deine Pflichten stets mit Anstand.“

Playboy: Bevor Sie Schauspieler wurden, waren Sie mal Gabelstaplerfahrer in der Guinness-Brauerei in Irland. Hätten Sie glücklich werden können in einem bürgerlichen Beruf? 
Neeson: Mit 20 war das ein Traumjob. Man bekam einmal pro Woche eine Kiste Bier umsonst. Ich hatte nette Kollegen, und ich verdiente ausreichend. Heute könnte ich wegen meiner Rückenprobleme aber keine Kisten mehr schleppen. Und Alkohol habe ich mir auch abgewöhnt. 

Playboy: Wollten Sie schon damals Schauspieler werden? 
Neeson: Ja, aber ich hatte nicht genügend Selbstbewusstsein, um das anzugehen. Es war ein ehemaliger Brauerei-Kollege namens Roy, der mich ermutigte, es einfach mal zu versuchen. Dafür bin ich ihm heute noch sehr dankbar. 

Playboy: Vom Gabelstaplerfahrer zum Hollywood-Star – es hat immer noch ein bisschen den Anschein, als fänden Sie Ihre Prominenz befremdlich. 
Neeson: Das kommt auf die Situation an. In Restaurants bekomme ich immer sofort einen Tisch, selbst wenn eigentlich alles ausgebucht ist. Das finde ich angenehm. Wenn mich Leute auf der Straße erkennen, ist mir das schon unangenehm, weil ich gar nicht herausstechen möchte aus der Masse. 

Playboy: Schauspieler wollen doch geliebt und bewundert werden? 
Neeson: Man möchte respektiert werden für seine Arbeit. Aber ich muss nicht angehimmelt werden, während ich im Restaurant meine Suppe schlürfe. Darum esse ich nur noch selten in Lokalen . . . 

Playboy: Sie kochen selbst? 
Neeson: Nein, ich rufe beim Lieferservice an. Und 40 Minuten später steht ein kleiner Chinese vor meiner Tür und bringt mir leckeres Huhn süßsauer. 

Playboy: Und wenn der Sie erkennt? 
Neeson: Dann bekommt er extra viel Trinkgeld, weil sonst am nächsten Tag in der Zeitung steht, dass Liam Neeson geizig ist. Alles schon passiert. 

Playboy: Sind Sie denn geizig? 
Neeson: Nein, aber manchmal hat man eben nicht genug Kleingeld in der Tasche. 

"Auf jeden der rund 300 Millionen Amerikaner kommt eine Waffe, das ist Wahnsinn"

Liam Neeson

Playboy: Sie sind allein erziehender Vater von zwei Söhnen. Finden die es gut, dass sie vom Lieferservice ernährt werden? 
Neeson: Meine Söhne sind Teenager, man kann Ihnen gar keinen größeren Gefallen tun! Dadurch müssen sie ihre dämlichen Videospiele nicht unterbrechen und können weiter ungestört Nazi-Zombies abballern. Schrecklich. 

Playboy: Fehlt eine Frau im Haus? 
Neeson: Natürlich gibt es Situationen, in denen ein bisschen mehr weibliche Intuition und feminine Sensibilität nicht schaden könnte. Aber wir kommen auch als reiner Männerhaushalt gut klar. 

Playboy: Ihre Frau Natasha Richardson verunglückte 2009 bei einem Skiunfall tödlich. Wie geht es Ihnen heute? 
Neeson: Mir geht es gut. Ich habe gelernt, damit umzugehen, aber vergessen kann man so etwas wahrscheinlich nie. 

Playboy: Würden Sie noch mal heiraten? 
Neeson: Momentan kann ich mir das nicht vorstellen. 

Playboy: Haben Sie die Kinder nach dem Tod ihrer Mutter gelegentlich überbehütet? 
Neeson: Mir war immer wichtig, das möglichst zu vermeiden. Ich bin sehr geprägt von der Erziehung meines Vaters. Er war sehr bodenständig und wollte, dass ich meine eigenen Fehler mache. Es ist natürlich nicht immer leicht wegzugucken, wenn sich die Kids die Finger verbrennen, aber es ist am Ende die beste Erziehung, die es gibt. Ich sehe meine Rolle als Vater in erster Linie darin, den Kindern ein geordnetes Heim zu bieten, in dem sie geliebt werden und wissen, dass man immer für sie da ist. Leben müssen sie aber allein. 

Playboy: Haben Sie ein enges Verhältnis zu ihren Söhnen? 
Neeson: Ja, wir sind ein gutes Team. Wann immer es möglich ist, verbringe ich Zeit mit meinen Jungs. Unser liebstes gemeinsames Hobby ist das Fliegenfischen. Draußen in der Natur gilt absolutes Handy-Verbot, stattdessen konzentrieren wir uns aufeinander, führen tolle Gespräche und helfen uns damit gegenseitig, die tragischen Erinnerungen der Vergangenheit zu verarbeiten. 

Playboy: Sie drehen einen Film nach dem anderen, sind einer der eifrigsten Schauspieler in Hollywood. Hilft Ihnen das zumindest zeitweise zu vergessen? 
Neeson: Auf jeden Fall. Die Schauspielerei ist ja eine ganz wunderbare Methode, um sich in andere Welten und Charaktere zu versetzen. Man kann dem eigenen Alltag für einige Zeit entfliehen. Ich bin froh, dass ich noch so viele spannende Angebote bekomme. 

Playboy: Warum sieht man Sie auch mit über 60 noch so oft als den harten, furchtlosen Hund, den Sie auch in Ihrem neuen Film „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ wieder spielen? Sie wirken privat sehr viel weicher. 
Neeson: Das stimmt, ich bin kein harter Hund. Aber mit meinen 1,90 Metern mache ich optisch etwas her, und böse gucken kann ich auch auf Kommando. 

Playboy: Würden Sie lieber in einer romantischen Komödie auftreten? 
Neeson: Nur, wenn das Drehbuch vernünftig ist. Die meisten romantischen Komödien sind heutzutage stumpf und überhaupt nicht lustig. 

Playboy: Was finden Sie denn lustig? 
Neeson: Ich bin Ire, wir sind bekannt für unseren schwarzen Humor. Sie müssten mich mal sehen, wenn ich mit meinen Freunden aus der Heimat zusammensitze. Da bleibt kein Auge trocken. 

Playboy: Dreckige Altherrenwitze? 
Neeson: Unter anderem (grinst). 

Playboy: Was sind das für Menschen, Ihre besten Freunde? 
Neeson: Sie stammen aus verschiedenen Lebensbereichen. Einen meiner ältesten Freunde kenne ich seit meinem achten Lebensjahr. Er ist pensionierter Lehrer. Ralph Fiennes ist einer meiner besten Freunde. Er hat es sogar geschafft, mich für Yoga zu begeistern. Bono, der Sänger von U2, zählt neuerdings auch zu den Leuten, die mir nahestehen. Ich bewundere seine Visionen, mit denen er die Welt zu einem besseren Ort machen möchte. 

Playboy: Sie leben derzeit in Amerika. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, könnten Sie wieder nach Irland ziehen? 
Neeson: Ich glaube nicht, dass ich zurückkehren werde. Die Wirtschaft ist am Boden, in Belfast geht es aufwärts, aber im ganzen Land gibt es regelrechte Geisterstädte, weil die Leute wegziehen müssen. Ich fühle mich mittlerweile 
sehr heimisch in Amerika und habe auch die US-Staatsbürgerschaft angenommen. Trotzdem gibt es einiges, was mich politisch und moralisch stört. 

Playboy: Was denn? 
Neeson: Ich habe in vielen meiner Filme eine Waffe in der Hand, auch in „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ ballere ich wieder. Auch darum beschäftigt mich das Thema Waffenkontrolle sehr. Auf jeden der rund 300 Millionen Einwohner der USA kommt eine Waffe, das ist Wahnsinn. Jede Woche hört man in den Nachrichten, dass irgendwo ein Irrer ein Massaker angerichtet hat in einer Schule, einem Kino oder einer Einkaufspassage. Aber die Amis pochen auf ihr Recht, eine Waffe besitzen zu können. 

Playboy: Sind Sie ein Grübler? 
Neeson: Ich hinterfrage vieles. Das Leben, wer wir eigentlich sind, wie funktioniert das Universum, gibt es einen Gott? Ich mag es, mich tief hineinzudenken in die grundlegende Philosophie des menschlichen Daseins. 

Playboy: Denken Sie auch oft über den Tod nach? 
Neeson: Umso mehr, je älter ich werde. Ich frage mich öfter als früher, warum ich hier bin und wie lange ich hier sein werde. Ich definiere meine Rolle sehr einfach: Ich bin Vater von zwei Söhnen, ich werde sie beschützen und fördern, so lange ich lebe. Wenn ich sie zu anständigen Menschen formen kann, dann habe ich meinen Teil dazu beigetragen, unsere Gesellschaft ein bisschen besser zu machen.
 

Autor: Andreas Renner
Video – "Long Strange Trip"-Trailer
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