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"Rassismus ist in Amerika leider an der Tagesordnung"

Oscar-Film "Green Book" - Viggo Mortensen im Interview

"Ich bin nicht geil auf fette Gagen" – Filmstar Viggo Mortensen

"Green Book – Eine besondere Freundschaft" gewann bei der 91. Oscar-Verleihung den Preis für den besten Film. Darin kämpft Viggo Mortensen, 60, als Taxifahrer gegen den Rassismus in den US-Südstaaten der 1960er-Jahre. Für diese Rolle hat sich der dänisch-amerikanische Filmstar rund 20 Kilo angefuttert. Auch sonst ist ihm bei der Arbeit kein Aufwand zu groß. Und kein Risiko...

Playboy: Was ist ein „Green Book“?

Viggo Mortensen: Das „Negro Motorist Green Book“ war ein Reiseführer für schwarze Autofahrer in Amerika. Darin wurden Motels empfohlen, in denen sie absteigen konnten, ohne von Weißen behelligt zu werden. Das Buch gab es zwischen den 30er- und 60er-Jahren an Tankstellen zu kaufen.

Ihr neuer Film ist ein Roadmovie, zu einem Großteil in den Südstaaten der USA gedreht und...

... und zum Glück haben wir dort keinerlei Rassismus erlebt. Als Film-Crew ist man aber weit weg vom richtigen Leben. Rassismus ist in Amerika leider immer noch an der Tagesordnung.

Sie haben für die Rolle des Italieners Tony, der einen afroamerikanischen Jazz-Pianisten durch die Südstaaten fährt, 20 Kilo zugenommen. Hätte es ein Fat-Suit nicht auch getan?

Eben nicht! Ich wollte Tony authentisch darstellen. Das war ich ihm schuldig, denn der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Ich habe also jede Menge Pasta in mich hineingestopft und immer zwei, drei Nachspeisen gegessen. Einige dieser Kilos habe ich heute noch auf den Hüften.

Gehen Sie immer so in die Vollen? Als Aragorn in der „Herr der Ringe“-Trilogie haben Sie beim Schwertkampf sogar den Stuntman das Fürchten gelehrt.

Entweder ganz oder gar nicht. Ich bin sehr froh, dass ich da mitgemacht habe, denn die Trilogie hat mir in Hollywood viele Türen geöffnet.

"Ich bin nicht geil auf fette Gagen"

Sie haben sich danach aber nicht ans Mainstream-Kino verkauft, sondern wieder in kleineren Produktionen mitgespielt. Warum?

Weil ich nicht geil auf fette Gagen bin, sondern gute Geschichten erzählen will.

Was sind aus Ihrer Sicht gute Geschichten?

Solche, aus denen ich etwas lernen kann. Filme mit Rollen, die mich aus der Komfortzone herausreißen.

Was ist denn so schlecht an der Komfortzone? Sie heißt ja nicht umsonst so.

Richtig. Vielleicht sollte man sie tatsächlich nicht verlassen, denn sie zeigt einem ja den Platz, an den man gehört. Aber ich riskiere nun mal gern Kopf und Kragen.

Auch auf die Gefahr hin zu scheitern?

Das schreckt mich nicht. Wenn es riskant wird, fühle ich mich sehr lebendig. Ich bin jetzt 60, da versteift man zwangsläufig, körperlich und mental. Dagegen gilt es anzukämpfen.

Was hat Ihnen die Schauspielerei gegeben – und was hat sie Ihnen genommen?

Die Schauspielerei hat mir Einblicke in andere Lebenssituationen geschenkt, die ich sonst wohl nie bekommen hätte. Die Schattenseite ist, dass ich dadurch weniger Zeit für meine Familie hatte.

Was treibt Sie mehr an – Angst oder Lust?

Die Lust auf intensive Erfahrungen. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Aber es nervt mich, dass wir alle sterblich sind. Deshalb will ich meine Zeit nutzen, so gut ich kann.

"Das Leben ist absurd"

Was ist Ihre wichtigste Lebensweisheit?

Das Leben ist absurd. Unvorhersehbar und chaotisch. Instinktiv versuchen wir, unsere mentale Gesundheit dadurch zu stärken, dass wir das verdrängen und ständig Dinge ordnen.

Welche Dinge?

Zum Beispiel Möbel, Kleider oder Schuhe. Überhaupt legen wir sehr viel Wert auf Harmonie. Wir haben Kalender, To-do-Listen und Uhren, um das Leben zu strukturieren.

Das alles ist nicht wirklich hilfreich?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Es verhindert vielleicht sogar, verrückt zu werden. Aber es ist auch irgendwie rührend, denn das ist doch alles nur eine Illusion.

Hilft da Humor?

Ja, drüber lachen zu können tut gut.

Und was macht Sie wütend?

Wenn jemand seine Macht ausspielt, um andere zu demütigen. Da kann ich richtig zornig werden. Und wissen Sie, was noch?

Verraten Sie es uns?

Wenn bei Dreharbeiten ein Handy klingelt. Die Dinger gehören an die Wand genagelt!

James Cameron macht genau das. Sie finden das gut?

Absolut! Endlich mal einer, der sich das traut! Dieses ständige Starren aufs Smartphone ist ein Zeichen unserer Zeit. Ich mag es lieber still.

"Mehr innere Einkehr würde uns allen guttun"

Hollywood ist halt kein Zen-Kloster, richtig?

Natürlich nicht. Aber mehr innere Einkehr würde uns allen guttun.

Leben Sie gern in Amerika?

Es ist ein sehr schönes Land. Trotz Trump. Leider hat sich vieles zum Schlechten verändert.

Zum Beispiel?

Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Die Gesellschaft ist geteilt. Und die Leute kommunizieren nicht mehr miteinander. Sie machen lieber Selfies.

Autor: Ulrich Lössl
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