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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Nichts für schwache Mägen – Die G-Flight-Erfahrung

Vergangenes Wochenende waren 850 000 Menschen in Porto, um das "Red Bull Air Race" zu sehen. Wir waren auch vor Ort – und sind mitgeflogen.

Samstagmorgen, kurz nach Acht. Wäre das ein normales Wochenende, würde ich jetzt mit glasigen Augen und fahler Hautfarbe aus den Clubs meiner Stadt in Richtung Taxistand stolpern. Es ist aber kein normales Wochenende, denn ich stehe auf einem Flugfeld vor den Toren Portos und blicke abwesend in den strahlend blauen Himmel.

Über mir bietet sich ein Schauspiel, das seines Gleichen sucht. Besser gesagt: das mich bald heimsucht. Denn die Piloten des „Red Bull Air Race fliegen sich schon mal warm für das Qualifying, das mittags über der Innenstadt Portos stattfinden soll. Und für mich.

Denn ich habe in wenigen Minuten das Vergnügen, in eine der Maschinen einsteigen zu dürfen und die Tricks der Rennpiloten am eigenen Leib zu erleben.

Als ich sehe, was auf mich zukommt, gleicht sich mein Teint auf normales Samstag-Morgen-8-Uhr-Niveau an. Für die glasigen Augen sorgt die Atlantik-Brise, die sogar den Vögeln in der Luft zu schaffen macht. Während sich eine Schwalbe vergebens gegen den Wind zu lehnen versucht, donnert von hinten eine fliegende Bikergang an.

Was sich anhört wie eine Armada an PS und zu kurzen Auspuffrohren ist in Wirklichkeit nur eine einzige Maschine. 20 Meter über dem Boden rast sie über die anwesenden Techniker, Journalisten und Feuerwehrleute hinweg auf zwei Pylonen zu. Die Streckenmarkierungen des Air Races.

Vorsichtig frage ich einen Techniker wie schnell diese nur acht Meter langen Geschosse sind, die wir aus dem Schützengraben unseres Pressezeltes da gerade beobachten können. 380 Km/h sagt er und grinst. Ich nicht mehr.

Eigentlich hatte ich mich ja auf diese Erfahrung gefreut. Spätestens aber in der Nacht vorher wurde mir klar, dass das, was mich da erwartet, keine Taxifahrt im Halbdelirium nach Hause wird, sondern durchaus an die Substanz gehen kann. Und, dass ich genau das richtige Maß an Bier trinken muss, um zumindest ein bisschen Schlaf zu finden, aber am nächsten Morgen nicht das Cockpit versaue.

Fast 500 Kilo Druck auf den Körper

Mein Flug hält bis zu 6G-Belastung für mich bereit. Also das 6-Fache meines Körpergewichts. Bescheidene 480 Kilo, die vor allem auf die Magengrube und den Brustkorb drücken werden. Das reich gedeckte Hotelfrühstücksbuffet muss also noch auf eine Plünderung meinerseits warten.

Zurück auf dem Flugfeld: Nachdem ich mich in den Rennanzug gepresst habe, erklärt mir mein Pilot Daniel Ryfa, wie ich mich am besten ins Cockpit quetsche und schnallt mir ganz nebenbei einen Fallschirm um: „Wenn ich drei mal ‚Bail Out! rufe, dann musst du ohne zu zögern, deine Gurte lösen, das Cockpit öffnen und aus dem Flugzeug springen. Möglichst nach hinten raus, vorne würde der Propeller auf mich warten. Wenns sonst nichts ist?

Der Fallschirm, den ich anhabe, ist nicht lenkbar und aus unserer Flughöhe würde ich mir bei der Landung ziemlich wahrscheinlich die Beine brechen – im besten Fall. Langsam glaube ich Daniel fliegt diese Rennmaschinen nur, weil er als Linienpilot zu ehrlich wäre.

Kurz nachdem ich vor ihm im Flieger Platz genommen habe, startet der Motor und 315 PS dröhnen so laut, dass ich Schwierigkeiten habe die Worte aus dem Headset zu hören, das mich per Funk mit Daniel verbindet. „Tzzsch Ready for Take Off? – „Alright und wir donnern über die Startbahn direkt auf einen Wald zu. 50 Meter vor den ersten Bäumen heben wir ab. Die Aussicht ist atemberaubend. Vergleichbar mit den letzten 10 Sekunden vor der Landung eines Linienfliegers – aus diesen 10 Sekunden werden für mich heute 10 Minuten. Zu kurz? Abwarten.

Als die ersten G-Kräfte auf meinen Brustkorb drücken, wird die Luft aus meinen Lungen gepresst. Ich merke wie mir das Blut in die Beine schießt und stöhne gezwungenermaßen wie ein Braunbär zur Paarungszeit. Unterbrochen von hysterischem Lachen. Fassungslos von dieser Kraft und diesem Anblick.

Kopfüber: Die portugiesischen Wälder sind für einige Sekunden mein Himmel und der Horizont wölbt sich dank der Erdkrümmung nach oben. Diese Perspektive haben noch nicht all zu viele Menschen erlebt ­– und noch weniger überlebt. Glaube ich in diesem Moment zumindest.

Das Air Race ist seit seiner Gründung im Jahr 2013 nämlich noch ohne Todesfall. Einen Absturz gab es jedoch im Jahr 2010, der Brasilianer Adison Kindlemann verlor beim Rennen über dem australischen Perth die Kontrolle über seine Maschine, konnte aber leichtverletzt aus den Trümmern geborgen werden.

Hier herrschen die G-Kräfte

Mein Flug verläuft ohne Zwischenfälle, dafür aber mit einer Menge Adrenalin und ungläubigen Blicken meinerseits. Denn das ist mit nichts, was ich bisher erlebt habe zu vergleichen. Das Kribbeln im Bauch wie bei einer Achterbahnfahrt bleibt aus. Die G-Kräfte sind nun aber Herrscher über die Blutverteilung in meinem Körper.

Und nach dem dritten Looping mit Schraube frage ich mich, ob ich diese Erfahrung überhaupt noch genießen kann oder mich lieber auf die Landung freuen soll. Ich entscheide mich für genießen. Entgegen aller Erwartungen habe ich nicht den leisesten Anflug von Übelkeit. Die richtige Menge Bier kann ich ab und zu wohl doch einschätzen.

Mehrere Manöver, etliche Stöhnanfälle und unzählige Kieferverrenkungen zum Druckausgleich später setzt Daniel dann zum Landeanflug an. Ich bin enttäuscht. Nicht, dass das, was ich gerade erlebt habe zu unspektakulär gewesen wäre, sondern darüber, dass ich dieses Gefühl nicht jeden Samstagmorgen haben kann. Oder zumindest jeden zweiten. Zeit für die Bars und Clubs muss schließlich auch noch sein.

Autor: Maximilian Krones
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