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Überlebensregeln für den Knast

Ein Anstaltsarzt verrät uns ein paar Überlebenstipps

Überlebensregeln für den Knast: Ein Anstaltsarzt verrät die besten Tipps

Sollten Sie mal – unschuldig, klar – einwandern: Anstaltsarzt Joe Bausch weiß, wie Sie die Haft überstehen. Hier die fünf wichtigsten Überlebenstipps.

1. Analysieren Sie jeden

Selbst für erfahrene Häftlinge ist die Zeit hinter Gittern eine Extremsituation. So trivial es klingt: Sie sind jetzt 24 Stunden am Tag von Kriminellen umgeben. Unterschiedlichste Nationen, soziale Schichten und Persönlichkeiten prallen auf engstem Raum aufeinander und müssen gemeinsam klarkommen.

Bankräuber scheinen beherrscht und eloquent, sind jedoch genauso berechnend wie skrupellos. Zuhälter treten oft als joviale Knast-Manager auf. Betrüger schmeicheln Ihnen. Jeder sucht seinen eigenen Vorteil, jeder lotet die Schwächen des anderen aus. Auch die Beamten stehen unter Beobachtung: Wer ist ein harter Hund, wer ist empathisch, wer lässt mir was durchgehen?

In jeder JVA herrschen eigene Dynamiken und Regeln, die man durchschauen muss, um nicht unter die Räder zu geraten. Nehmen Sie sich Zeit (davon haben Sie ja genug), und analysieren Sie die Strukturen und Ihre Mithäftlinge sorgfältig.

2. Rauchen Sie nicht

Es schadet der Gesundheit. Besonders hinter Gittern. Wer neu ist im Knast und noch keinen Arbeitsplatz hat, bekommt 40 Euro Taschengeld. Pro Monat. Umgerechnet: acht Schachteln Kippen. Wem das nicht langt, der muss schnorren, borgen, Schulden machen – bei hilfsbereiten Mithäftlingen.

Allerdings sollte man die Forderungen, plus üppige Zinsen, nachher auch bezahlen können. Denn diese Jungs verschicken keine Mahnbescheide. Sie erklären Ihnen eindringlich und auf sehr rustikale Weise, dass Sie zu bezahlen haben. Einige Häftlinge reißen durch ihre Sucht ein riesiges Loch in ihre schmale Geldbörse. Für sie müssen entweder die Angehörigen draußen blechen – oder sie geraten nach ihrer Entlassung wieder auf die schiefe Bahn, um die Rechnungen zu begleichen.

3. Tun Sie immer dasselbe

. . . und zwar jeden Tag. Dann wird ihnen nur langweilig, aber es tut nicht so weh. Ein fester Tagesablauf rettet Sie vor der emotionalen Achterbahnfahrt, die viele Neulinge im Gefängnis durchleben. Als Erstes müssen Sie lernen, die Situation zu akzeptieren. Wenn Sie nicht Experte darin sind, mit einem Löffel einen Tunnel zu graben, können Sie sowieso nichts daran ändern.

Wer versucht, die Langeweile mit Drogen totzuschlagen, begibt sich in gefährliches Fahrwasser (siehe Paragraf 2). Trotzdem ist bei vielen Häftlingen die Versuchung groß, wenigstens für ein paar Stunden der Öde zu entfliehen – und verbotene Substanzen sind immer verfügbar.

Besser als die künstliche Flucht ins Innere ist es, sich abzulenken. Durch Arbeit. Durch Sport, Lesen, Radio, TV. Nicht der Umfang des Bizeps oder die Länge des Vorstrafenregisters ist ein Zeichen von Härte, sondern die Fähigkeit, das Alleinsein zu ertragen.

4. Unterhalten Sie sich nicht

Alles, was Sie sagen, kann im Gefängnis gegen Sie verwendet werden. Obwohl die meisten illegalen Handlungen im Knast von Häftlingen an Beamte verraten werden, gilt: Schwätzer leben gefährlich.

Wer redselig ist, offenbart seine Schwachstellen – und die Einsamkeit hinter Gittern lockert die Zunge. Wer Informationen über sich preisgibt, bekommt leichter eine „Lampe gebaut“. So heißt das Anschwärzen von Häftlingen und Beamten oder das Gerüchteverbreiten im Kittchen-Jargon: eine wirksame Methode, um jemanden vom Arbeitsplatz zu verdrängen, aus der Zelle zu ekeln oder zu schikanieren. Jeder Beschuldigung, ob wahr oder unwahr, muss eine Untersuchung folgen – ein mieser Geruch, den Sie lange nicht aus der Jacke kriegen.

Vertrauen Sie sich im Zweifelsfall nur denen an, die zum Reden da sind. Dem Arzt und dem Psychologen. Andersherum gilt es genauso: Wer zu viele neugierige Fragen stellt, kommt bei den Mitgefangenen schnell in den Verdacht, andere aushorchen zu wollen. Eine gängige Praxis. Beamte verlegen Häftlinge auf eine Zelle, weil sie Informationen über Verbrechen oder geplante Deals, Geiselnahmen oder Strukturen innerhalb der Gefangenen herausfinden wollen. Wenn Sie einmal als „Zinker“ gebrandmarkt werden, der zum eigenen Vorteil Mithäftlinge anschwärzt, müssen Sie mit unangenehmen Konsequenzen rechnen.

5. Bunkern Sie Kaffee

. . . und Schokolade und Tabak. Das sind die harten Währungen im Knast – das ist kein Klischee. Nahezu alle Sachwerte lassen sich in Zigarettenschachteln und „Kaffeebomben“, also Instant-Kaffeepulver, umrechnen, genauso wie in Schokolade aus dem Automaten im Besucherraum.

Bargeld ist offiziell verboten. Wer es trotzdem schafft, Scheine an den Beamten vorbeizuschmuggeln, ist der König. Bares öffnet Türen. Tauschwaren kosten weniger, wenn man sie bar bezahlt, man wirkt unter Zellengenossen kreditwürdig. Gleichzeitig müssen Sie aber noch vorsichtiger als sonst sein, nicht ausgeraubt zu werden.

Der Experte: Joe Bausch

Er hat 26 Jahre Knasterfahrung in der JVA Werl, einem der größten deutschen Gefängnisse. Nicht als Häftling, sondern als Anstaltsarzt, der sich um Mörder, Vergewaltiger, Diebe und Terroristen kümmert. Bekannt geworden ist der 61-jährige Arzt und Schauspieler als Rechtsmediziner im Kölner „Tatort“. Uns lieferte der Bestsellerautor für die Knast-Regeln Informationen aus erster Hand. Wer mehr über das Leben hinter Gittern erfahren möchte, sollte Joe Bauschs spannendes Buch „Knast“ (Ullstein, 19,59 Euro) lesen. Darin verarbeitet er ehrlich und ungeschönt seine Erlebnisse in dieser abgeschlossenen Welt.

Autor: Sebastian R. Tromm
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