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Hunde sind wahre Männer-Freunde

Eine bissige und hundsgemeine Replik

Hunde sind wahre Männer-Freunde

"145 Zeilen Hass" attestiert der ehemalige stellvertretende Bild-Chefredakteur Elmar Schnitzer unserem Autor Wulf Beleites. Der hatte kürzlich im Playboy empfohlen: "Hunde raus aus der Stadt, weit weg mit ihnen. Das Projekt 'Sputnik' wieder auflegen und ab mit Laika ins Weltall." Denn der Hund sei lästig, ärgerlich und gefährlich. Was Schnitzer nicht unwidersprochen stehen lassen will: Beleites auf den Mond, statt der Hunde, fordert er in seiner empörten Erwiderung, die Sie hier lesen können.

Dass der Hund, unser Freund ist, sei eine dreiste Lüge, behauptete in der Playboy-Ausgabe 12/2017 der Journalist und Satiriker Wulf Beleites. Vielmehr sei es ein fataler Missgriff, dass sich der Mensch irgendwann mit dem untertänigen Wolf zusammengetan habe. Drei Dinge sind es, schrieb Beleites, die den Hund charakterisieren: Er ist lästig, ärgerlich und gefährlich.

Unser Autor ist kein unbekannter Hunde-Kritiker: Er gründete das Satireblatt "Kot&Köter", war unter anderem Nachrichtenredakteur beim "Stern", Lokalredakteur und Gerichtsreporter bei der "Hamburger Morgenpost" sowie Filmautor bei der NDR-Satiresendung "extra 3".

Die provokante Streitschrift erregte und erboste viele Leser. Stellvertretend für zahlreiche Leserbriefe veröffentlichen wir hier die bissige Replik von Elmar Schnitzer. Der Journalist war stellvertretender Chefredakteur unter anderem von "Bild" und "BZ", außerdem Mitglied der Chefredaktion der "Welt am Sonntag". Schnitzer ist zudem der Autor von Bestseller-Büchern über Hunde wie "Ein Glücksfall namens Paul" und "Kalle für alle". Hier schreibt er eine bitterböse Abrechnung mit Beleites.

Die Kacke ist am Dampfen!

Hunde, die bellen, beißen nicht. Ich schon. Maulkorb ab und schnapp. Oder hast du ernsthaft gehofft, Beleites, deine 145 Zeilen Hunde-Hass im Weihnachts-Playboy würden auch nur eines Herrchens Hand zum Beifall bewegen?

Bestien nennst du unsere Hunde. Köter, die nur bellen, beißen, scheißen und Jogger reißen. Und sich als Wölfe im Schafspelz in unsere Herzen schleichen, um uns mit Niedertracht und Brutalität zu verseuchen. Weshalb du sie allesamt am liebsten auf den Mond schießen möchtest, im Sputnik, wie einst die Russen ihre Laika. Und das sofort.

Ho ho ho, du Weihnachtsmann. Die Wahrheit ist zu schlau, um sich von dir fangen zu lassen: Der moderne Hund hat seine Zähne längst nur noch fürs Fertigfutter. Und scheißt sich auch nicht mehr wild durch die Botanik, auf dass ein Blinder wie du ausrutscht auf dem, was ihm dabei so rausrutscht. Der Hund von heute kackt ins Tütchen. Es sei denn, Herrchen hat nicht bedacht, was geschieht, wenn er es ohne macht. Dann ist die Kacke am dampfen.

Aber, mal ehrlich: Was kann der Hund dafür, wenn sein hirnloser Mensch einen Denkfehler macht? Was die Frage impliziert, ob aus des Menschen Mund nicht jeden Tag vielfach und in Massen quillt, was der Hund nur zweimal täglich und in kleinen Portionen fallen lässt?

Hunde hassen nicht

Statt darüber nachzudenken, vorher, und dich nachher bei den Hunden zu entschuldigen für so wenig Gescheites von Beleites, wirfst du dich in deine Hühnerbrust, raffst das grau gewordene Haar zum Zöpfchen und gibst den Siegfried im heldenhaften Kampf gegen Chihuahua, Mops und Dackel?

Was die wohl von dir denken, wenn du mit deiner Wörterkeule vor ihrer Nase herum fuchtelst? Einer gegen alle. Zwei Beine gegen vier. Viel Feind, viel Ehr? Oder eher: Armer Wicht! Weil du ja nur Maulheld bist, der sich auf ihrem Rücken profilieren will.

Hunde haben ein feines Näschen für menschliche Schwächen. Aber im Unterschied zu dir hassen sie nicht, wen sie nicht mögen. Selbst dich nicht, obwohl sie allen Grund dazu hätten. Ich erinnere dich nur an "Kot&Köter", dein Hetz- und Hatzblatt, mit dem du gegen sie zu Felde gezogen bist. Drin stand, was drauf stand.

Wirklich angeschissen aber warst letztendlich nur du, denn die Postille war noch schneller pleite als Hunde am Kiosk das Bein dagegen heben konnten. Tja, so ist das manchmal im Leben: Wer wild um sich schlägt, verletzt sich selbst am schlimmsten. Ein Hund würde sagen: Rache ist Blutwurst.

Hunde sind Männer-Freunde

Aber, du hast ja überlebt, und auch die Hasskappe noch immer auf dem Kopf.  Thomas Münzner, der den Adel einst mit dem gleichen kompromisslosen Hass verfolgte wie du heute Hunde, hat seinen Traum von „Viel Feind, viel Ehr“ immerhin mit dem Verlust desselben bezahlt.

Wobei, ich sag´s mal höflich mit Dr. Faustus: „Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.“ Ganz ehrlich: Ich nehme dir deine Hass-Nummer nicht ab. Kein Verstand kann so abgrundtief hassen, noch dazu ein Wesen, das über 12 Millionen Menschen nicht ohne Einsatz ihres Kopfes in ihr Herz geschlossen haben.

Hunde sind Männer-Freunde, Brüder unserer Seele. Wahre Meister der Empathie, der Zauberformel für den Willen und die Fähigkeit, sich mit seinem Denken und Handeln auf Absichten, Emotionen, Gedanken und Persönlichkeits-Merkmale anderer einzustellen. Ein Wir-Gefühl zu erzeugen und ein Glücksgefühl daraus zu formen.

Und einzig du willst davon unerreicht geblieben sein? Beleites, so sehr kann selbst deine Nickelbrille den Blick nicht trüben! Gib es doch einfach zu: Du setzt die Hass-Kappe nur auf, um zu verbergen, was dich wirklich antreibt. Und das ist Neid!

Der Schatten kläfft die Sonne an

Der Schatten kläfft die Sonne an, weil er sie selbst nicht erreichen kann:

Hunde kennen keine Sorgen und kein Morgen, kein Wenn und kein Aber, kein Sollte, Wollte, Würde, Habe, Könnte, Müsste. Sie sind glücklich mit dem, was sie haben, und beklagen nicht, was sie nicht haben. Glück hat für sie nur eine Dimension, das Hier und Jetzt. So klug sind Hunde.

Wie oft schon habe ich "Kalle", meinen Schoßweiler im schwarz-braunen Kleid eines Rottweilers, bewundert für seine selbstverständliche Unbekümmertheit, mit der er durch die Tage tollt. Und mich wiederholt dabei ertappt, dass ich gerade, mal wieder, die ganze Last der Welt auf meinen schmalen Schultern trage und fröstle, obwohl mich der Sonne Strahlen wärmten.  Es folgten heftigste Schwüre. Nie wieder machst du das. Nimm dir ein Beispiel an "Kalle". Erkenne, Begreife. Lebe, liebe, lache.

Kalle und Autor Elmar Schnitzer

Du schmunzelt, Wu(l)f Beleites? Ich auch. Natürlich waren das alles Mein-Eide. Ich bin ja nicht selbst bestimmt wie "Kalle". Aber ich weiß genau: Würde er nur einmal über den Gartenzaun blicken, hinüber auf deine Seite, dann wäre seine Dauer-Zufriedenheit dahin. Begierde und Unzufriedenheit würden sein Bewusstsein bestimmen wie die Glocke den pawlowschen Hund.

Welch grandiose Geste der Schöpfung, dass es einen solchen Zaun im Kosmos von Hunden nicht gibt. Aber auch grandios unfair: Die Wissenden werden bestraft, weil Wissen ja fast immer auch Wollen bedeutet.

Es sei denn, die Schöpfung hat es andersherum gedacht. Was aber unwahrscheinlich ist, denn wir leben ja nicht auf dem Planeten der Hunde, sondern machen uns stattdessen tagtäglich auf der Erde zum Affen. Oder,  Beleites...

So mancher Geist füllt noch nicht mal eine Hundehütte

Meine Fantasie schlägt Salti, wenn ich mir ausmale, wie dein Leben aussehen könnte, wäre es so wie das von Kalle & Co: Von jeder Last befreit, ursprünglich, spontan, leidenschaftlich, unvernünftig...

Aber so ist es halt nicht. Sondern eher so:

Während Hunde sich im Glück des Moments verlieren, ist dir schon bange davor, was dir der nächste Augenblick bringt.

Während sie unterm Himmelszelt faulenzen, stöhnst du über die Hitze.

Während sie im Regen übermütig durch Pfützen springen, klagst du über nasse Füße und schlechtes Wetter.

Während sie aus dem Weg gehen, wen sie nicht riechen können, lächelst du scheinheilig und riskierst ein Magengeschwür.

Während sie alle miteinander gut Freund sind, fühlst du dich von Feinden umzingelt

Während sie sich über einen Klaps freuen, fühlst du dich verkannt

Während sie zufrieden in ihrer Ecke auf einer Decke thronen, wünschst du dich in einen Palast der Anerkennung.

Dabei füllt so mancher Geist noch nicht mal eine Hundehütte...

Die Wauwis haben Glück gehabt im Schöpfungs-Bingo

Okay, okay, Beleites, einverstanden, so viel Hunde-Glück kann dem inneren Frieden schon den Krieg erklären. Zumal die Wauwis ja weder etwas dafür können und noch etwas dafür tun. Sie haben einfach Glück gehabt im Schöpfungs-Bingo.

Ich für meinen Teil kann ihnen das nicht neiden, sondern wäre, wie schon eingestanden, oft genug gerne selbst einer von ihnen.

Der einzige, der bei dieser Vorstellung stört, bist du, Beleites. Weshalb ich dich dahin wünschte, wohin du alle Hunde wünschst: auf den Mond. Nicht aus Neid auf den Erfolg, den du nicht hast. Aus Nächstenliebe.

Da oben gibt es keine Hunde und auch sonst nichts und niemanden, der dein Missfallen erregen könnte. Nur dich. Und sich selbst wirst du ja wohl kaum hassen...

Autor: Elmar Schnitzer
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