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Kommentar: “If you see something, say something“

Wie die Anschläge von 9/11 die Welt verändert haben

Kommentar: 9/11 "If you see something, say something“

Lange hat Site Manager Max Marquardt überlegt, wie er auf der Playboy-Website mit dem 17. Jahrestag der Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 umgehen soll. Denn irgendwie hat sich seitdem nicht viel verändert – und trotzdem ist alles anders. Ein Kommentar.

Vor 17 Jahren hielt die letzte U-Bahn an der New Yorker Station „Cortland Street“. Mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center und den einstürzenden Zwillingstürmen wurde auch der Bahnhof völlig zerstört. Jetzt steigen hier morgens wieder Pendler aus, die ihren Arbeitstag beginnen und sie steigen abends wieder ein, fahren nach Hause. Das World Trade Center heißt jetzt „One World Trade Center", die Haltestelle Cortland Street nun „WTC Cortland Street“. Das Gebäude steht, die U-Bahn fährt wieder. Das Leben geht weiter. Man könnte meinen, es ist alles wie damals. Doch eigentlich ist alles anders. „If you see something, say something“, hallt es jetzt allmorgendlich mit einer sonoren Stimme aus den Lautsprechern am Bahnsteig. Was nach den Anschlägen des 11. September 2001 von den New Yorker Verkehrsbetrieben als griffiger Slogan für bürgerliche Wachsamkeit formuliert wurde, ist eineinhalb Jahrzehnte später das paranoide Credo der ganzen westlichen Gesellschaft – von New York bis Prag.  

Seit den Anschlägen vom 11. September sind viele Jahre ins Land gezogen. Und auch wenn es manchem Konservativen nicht gefallen wird, so hat sich seitdem mehr verändert, als nur der Name einer U-Bahn-Station und der Neubau eines Wolkenkratzers. 

Vor 17 Jahren rief der damalige US-Präsident George W. Bush zum „Krieg gegen den Terror“ auf, heute ist die Euphorie der Massen abgeklungen. Knapp 12.000 US-Soldatinnen und Soldaten verlor das Land seither, ein neuer wankelmütigen Präsident hält die Welt mit seiner cholerischen Panik in Atem. Mit ihm herrschen Identitätskrise und Isolations-Politik. Und wie es bei einer Supermacht nun mal so ist, hat dies Konsequenzen für die ganze Welt. Zwar wurden Diktator Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi aus der Welt gebombt und die Taliban halbwegs aus Afghanistan vertrieben. Das Ergebnis des militärischen Rundumschlags hat jedoch zu einer weltweiten politischen Destabilisierung geführt. Weder im Irak, noch in Afghanistan oder Libyen stehen funktionierende Demokratien. Die Behauptungen der USA, Hussein besitze Massenvernichtungswaffen und sei in die Anschläge vom 11. September verwickelt, erwiesen sich als falsch. Der Anti-Terror Krieg sorgte nicht für die erhoffte Stabilität und Frieden. Stattdessen ließ er vorhandene Konflikte eskalieren, totgeglaubte Stammes-Fehden erneut aufflammen und neue Formen des asymmetrischen Krieges entstehen. Von einem gedeihlichen Zusammenleben der verschiedenen Ethnien und Religionen ist die Welt dank ihm so fern wie nie zuvor. Sogar nach Europa ist der „America First“-Aktionismus inzwischen übergeschwappt – erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs gewinnen rechtsextreme und populistische Parteien wieder Gehör bei der breiten Masse. 

Es steht nicht zur Diskussion, dass die ganze westliche Welt nach diesem modernen Pearl Harbor zusammenrückte. Doch dafür, dass sie auch zusammen bleibt, fehlte es an einer entscheidenden und gut durchdachten Strategie. Dass die Förderung von Demokratie nicht mit flammenden Schwert durchgesetzt werden kann, hätte Amerika und seinen Verbündeten auch damals schon bewusst sein müssen. Mit Wut im Bauch wurde zwar fleißig ein Gegner konstruiert, eine Strategie, ihn zu besiegen gab es jedoch nicht. 

Und heute? Laut einer Meinungsumfrage im Auftrag von CNN denkt jeder sechste Amerikaner mindestens einmal pro Woche an 9/11. Jeder fünfte US-Bürger soll Ground Zero bereits besucht haben. Die kollektive Wahrnehmung der „Bedrohung von Außen“ ist trotz innerpolitischen Krisen, tausenden von Toten und einem desaströsen Finanzloch stark geblieben. Und auch wenn sich seit dem schwarzen Schicksalstag des 11. September viel verändert hat, so ist eine Sache im kollektiven Bewusstsein der Amerikaner gleich geblieben: die Angst. Im Kampf gegen sie gaben die Vereingten Staaten laut „The Atlantic“ rund eine Billion Dollar aus. Gegen islamistische Terroristen, radikalisierte Einzeltäter, „schmutzige“ radioaktive Bomben. If you see something, say something. 
 

Autor: Max Marquardt, Playboy
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