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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

GI Jo: Als eine Playmate in den Vietnamkrieg zog

Eine historische Reportage aus dem Jahr 1966

GI Jo: Als eine Playmate in den Vietnamkrieg zog

Im Januar 1966 flog Jo Collins nach Vietnam - mitten hinein in den tobenden Dschungelkrieg Vietnams. Die damalige Playmate des Jahres sollte die Moral der amerikanischen Truppen heben. Doch der wahre Grund für ihren Besuch war der Brief eines junges Offiziers. 

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine historische Reportage. Sie erschien im Mai 1966 im US-Playboy und wurde von Paul Hertzberg aus dem Englischen übersetzt. 

Die meisten Militärstrategen sind sich einig: Es gibt nur zwei Dinge, die für eine Armee von Bedeutung sind: Feuerkraft und die Moral der Soldaten. Seit den Tagen von GI Joe sind amerikanische Soldaten deswegen selten in den Krieg gezogen, ohne dabei zu haben, was, an die Wand getackert, die Moral am besten hebt: das Pin-Up-Girl. Von den Stränden Iwo Jimas bis in die Dschungel Vietnams waren die Pinup-Girls ständige Begleiter der Männer an der Front.

Die Porträts langbeiniger Schönheiten aus dem zweiten Weltkrieg wichen mit der Zeit einer einer ganz neuen Art von Frauen: den Playmates.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Bunnies aus dem Playboy darum gebeten wurden, ihren Teil für die Moral amerikanischer Truppen an der Front zu leisten. Aus diesem Grund schrieb der junge Offizier John Price, ein Second Lieutenant der in Vietnam stationiert ist, dem Playboy-Herausgeber Hugh Hefner einen Brief: 

"Die Einsamkeit hier ist schrecklich" 

„Dieser Brief kommt aus tiefsten Herzen von 180 Offizieren und Männern der Company B, Bataillon 2, 503. Infanterie, 173. Luftlandebrigade, die in Bien Hoa in Vietnam stationiert sind.

Wir waren die erste Einheit der amerikanischen Armee, die hier zum Einsatz kam und wir haben viele Meilen zurückgelegt – manche in Trauer, manche voller Glück, aber alle in harten, knochenmüden Zentimetern.

Wir sind stolz darauf hier zu sein und wir kennen jetzt die Antwort auf die Frage: Was kannst du für dein Land tun? Und trotzdem halten wir alleine nicht durch, weshalb wir uns mit dieser Bitte an Sie wenden.

Die Einsamkeit hier ist schrecklich. Wir sehnen uns danach, ein echtes, lebendes, atmendes amerikanisches Mädchen zu sehen. Deshalb haben wir diesem Brief genug Geld beigelegt, um für die B-Company ein lebenslanges Playboy-Abo abzuschließen.

Wir gehen davon aus, dass die erste Ausgabe dieses Abos von einer Playmate persönlich ausgeliefert wird. Wir würden jede der aktuellen Playmates mit offenen Armen willkommen heißen, aber wenn wir in dieser Angelegenheit eine Wahl haben, würden wir uns einstimmig für die Playmate des Jahres, Miss Jo Collins, aussprechen.  

Sollten wir Ihnen nicht wichtig genug für diesen Wunsch sein, dann vergessen Sie uns einfach. Wir werden uns wieder still in den Dschungel zurückziehen.“ 

"Jedes Mädchen würde zum Spiegel greifen, wenn vor der Tür 400 Männer auf sie warten."

Tief berührt von der Bitte der Soldaten, beginnt Hugh Hefner sofort mit der Umsetzung von „Project Playmate“. „Als wir das Schreiben erhielten“, erinnert er sich, „waren wir uns nicht ganz sicher, was das Verteidigungsministerium davon halten würde, ein wunderschönes amerikanisches Mädchen nach Vietnam zu schicken."

"Aber der Brief des Lieutenants war zu bewegend, um ihn einfach bei Seite zu legen und wieder zu vergessen. Offenbar ist Price zudem schon seit einiger Zeit  Playboy Leser. Sonst hätte er sich wohl kaum daran erinnert, dass wir vor einigen Jahren zu Weihnachten angeboten haben, die erste Ausgabe eines lebenslangen Abos von einer Playmate übergeben zu lassen." 

„Natürlich haben wir im Moment keinen Playboy Club in Vietnam. Aber angesichts der Umstände haben wir beschlossen, uns von dieser kleinen Formalie nicht aufhalten zu lassen.“ 

Ende Februar darf Jo an die Front 

Neben den üblichen Problemen und militärischen Restriktionen, die jeder Zivilist erlebt, wenn er in diesen Zeiten nach Vietnam reisen möchte, müssen viele weitere Formalitäten erledigt werden, bevor Jo die Erlaubnis erhält, Ende Februar an die Front zu reisen.

„Die Kameraden der Company B sagten, es sei eine Ehre für sie, wenn ich sie besuchen würde“, sagt die Playmate des Jahres, als sie gefragt wird, wie sie sich bei dem anstehenden Trip in den kriegszerrütteten fernen Osten fühlen würde. „Aber so wie ich das sehe, bin ich diejenige, die sich geehrt fühlen sollte.“   

Ihr Ruf an die Front kommt jedoch viel früher, als erwartet. Als Lieutenant Price am 3. Januar im Gefecht verwundet wird, heißt es, Jos Mission in Sachen Truppenmoral müsse abgesagt werden, wenn sie den verwundeten Offizier nicht vor seiner Evakuierung aus Vietnam am Krankenbett erreichen würde.

Daraufhin werden alle bürokratischen Fallstricke, die ihrer Abreise noch entgegenstehen, schnell umgangen: Am Sonntagnachmittag des 9. Januars verlässt die Playmate San Francisco in einem Pan-Am Flugzeug in Richtung Saigon.

Mit ihr reisen Playboy- und Bunny-Promotion Coordinator Joyce Chalecki als verantwortliche Begleiterin, sowie der Teamfotograf Larry Gordon. Das logistische Chaos vor ihrer Abreise beschreibt Jo später folgendermaßen: 

"Ich war sicher, wir würden niemals loskommen"

„In den letzten Tagen vor unserer Abreise war alles so hektisch. Ich war mir sicher, wir würden niemals loskommen. Als wir die Nachricht erhielten, das Lieutenant Price verwundet worden war, hatte ich in Oregon geraden Freunde besucht."

„Eigentlich war der Plan, erst im Februar nach Chicago zu fliegen, wo ich Joyce und Larry hätte treffen sollen. Dort hätte ich meine Reiseimpfungen erhalten und die letzten Details vor dem Abflug erledigen sollen."

„Aber Hef rief mich an, um mir von den plötzlichen Planänderungen zu erzählen. Und ich verbrachte die nächsten Tage damit hin- und her zu fliegen. Erst nach Seattle, als ich herausfand, dass die Behörden in Oregon mir keinen Pass ausstellen konnten. Dann nach Los Angeles, wo ich meine Pockenimpfung erhielt."

„Da habe ich in letzter Sekunde die finalen Details mit meinem Agenten bei American International Studios geklärt und meine Wohnung nach brauchbaren Klamotten für den Trip durchkämmt. Tatsächlich habe ich es dann geschafft, Larry und Joyce am Flughafen in San Francisco zu treffen, in unser Flugzeug zu steigen und sogar noch 15 Minuten übrig zu haben.“  

Selbst der Bus der B-Company ist extra für Jo umdekoriert worden.

Etwa 8000 Meilen und 18 Stunden nach ihrem Treffen auf US-Boden, landen Jo und ihr Playboy-Team auf der Tan Son Nhut Air-Base in Saigon. 400 amerikanische Soldaten und ein Regiment von Presseleuten und Fotografen erwarten sie bereits. Jo wirft einen ersten Blick auf ihre versammelten Verehrer.

Dann wird sie Lieutenant Clancey Johnson und Private First Class Marvin Hudson vorgestellt. Beide sind Freunde von Lieutenant Price in der 173. Luftlande-Brigade. Sehr, sehr freiwillig haben sie sich als Vertretung für ihren verwundeten Kameraden in Bien Hoa gemeldet.

Hudson erinnert sich wohl, nachdem Jo ihn mit Küsschen begrüßt hat, an sein Guerilla-Training und legt sich prompt eine Ein-Mann-Tarnung zu: Er errötet in einem tiefen Karmesin-Rot, um die Abdrücke ihres Lippenstifts auf beiden Wangen zu verdecken.  

Ein Militärhubschrauber namens "Playboy Special" 

Nach diesem ersten Willkommensgruß werden die drei Playboy-Rekruten zum nächsten Hubschrauber-Landeplatz gebracht. An Bord der „Playboy Special“, eines Brigadehubschraubers, der zu Ehren ihres Besuchs umbenannt wurde, besichtigen sie Saigon und die umliegenden Distrikte aus der Luft. „Mit diesem ersten Flug im Helikopter fingen die Dinge schon richtig aufregend an“, erzählt GI Jo.

"Wir dachten, wir wären zu allem bereit"

Jo Collins

„Kaum angekommen, flogen wir bereits über feindliches Gebiet und bekamen eine Kostprobe von dem, was die Piloten 'Konturfliegen' nannten. Dabei gleitet der Hubschrauber fast durch die Baumkronen, um zu verhindern, dass mögliche Scharfschützen auf einen anlegen können."

„Dann schießt er plötzlich hoch, um die Umgebung auf Truppenbewegungen der Vietcong überprüfen zu können, ohne in ihrer Reichweite zu sein. Nachdem sich unsere Mägen daran gewöhnt hatten, dachten wir, wir wären zu allem bereit.“ 

Zurück auf festem Boden stößt Jack Edwards zur Playboy-Truppe. Er hat sich von seinen Plichten als Special Services Director für die in Saigon ansässigen Presse- und Militärleute befreien lassen und fungiert als Verbindungsmann des Trios bei ihrem dreitätigen Trip durch die umliegenden Kampfgebiete. Später erzählt uns Jo:

„Jack war so besorgt, dass wir in einen Hinterhalt der Vietcong geraten würden, nachdem wir Saigon verlassen hatten, dass er sich alleine genug Sorgen für uns alle machte. Er schaffte es, uns Zimmer im Embassy Hotel zu besorgen nachdem unsere ursprüngliche Reservierung im Caravelle irgendwie verloren gegangen war. Er hielt die Pressekonferenzen auf ein Minimum beschränkt, so dass die meiste Zeit mit den Männern an der Front verbringen konnten." 

„Für den Fall, dass unsere eigene Moral aufpoliert werden müsste, arrangierte er schon in der ersten Nacht eine Tour durch Saigons Nachtclubs und wachte über uns wie eine Henne über ihre Küken." 

„Am Ende unseres ersten Abends in Vietnam waren wir so glücklich hier zu sein, dass ich, als ein Reporter mich daran erinnerte, dass ich in den nächsten Tagen verwundet werden könnte, sagte, die einzige Verletzung, die ich fürchtete, sei die durch die Impfspritze gegen Cholera am nächsten Morgen.“   

Am nächsten Tag, am Dienstag, dem 11. Januar, besteigen Jo und ihre Kollegen um halb neun am Morgen die „Playboy Special“. Gemeinsam mit ihrer MP-Eskorte wagen sie einen Flug entlang derFrontlinie.

Dafür werden sie nicht nur in Uniformen, sondern auch in Splitterschutzwesten (Anmerkung d. Red: sog. Frag-Vests waren dafür ausgelegt, vor Schrapnell zu schützen, waren gegen Kugeln jedoch völlig nutzlos) gekleidet. „Ich weiß, dass in diesem Fall Sicherheit vor Schönheit kam, aber ich fühlte mich darin dennoch ein wenig unwohl“, sagt Jo.

„Und nachdem ich ein paar von Vietnams Schönheiten in ihren Kleidern und dann dagegen mich selbst in Kampfausrüstung gesehen hatte, fürchtete ich, dass die Jungs gar nicht mehr so viel Heimweh nach amerikanischen Mädchen haben würden, wenn sie erst einmal den direkten Vergleich vor Augen hätten.“

1966 – So berichtete der Playboy damals über das Playmate an der Front

Im Tiefflug und begleitet von drei voll besetzten Kampfhubschraubern rast die „Playboy Special“ zu ihrem ersten Ziel, dem Hauptquartier der 173. Luftlande-Brigade in Bien Hoa. Dort versammeln sich schon jubelnde Soldaten auf der Landebahn. Alle Sorgen, die sich die Playmate über ihr Erscheinungsbild gemacht hatte, lösen sich sofort in Luft auf. 

„Mein Gott, du bist ja noch schöner, als auf deinen Bildern.“

Die meisten Männer der B-Company sind auf Dschungelpatrouille, als Jo zum ersten mal Bien Hoa besucht. Doch der Mann, der hauptverantwortlich für ihre Reise in das Kriegsgebiet ist –Lieutenant John Price– wartet auf der chirurgischen Station im Lazarett auf sie.

Sein Arm ist schwer verletzt. Er wird mehrere Operationen benötigen, um ihn wieder voll bewegen zu können. Trotzdem schafft er es, seiner Lieblings-Playmate eine herzliche Umarmung zu geben, als sie ihm die erste Ausgabe seines lebenslangen Playboy-Abos überreicht.

Seine erste Reaktion darauf, sie dort in Fleisch und Blut vor sich stehen zu sehen: „Mein Gott, du bist ja noch schöner, als auf deinen Bildern.“ Geschmeichelt drückt Jo ihm ein Kuss auf jede Wange, um dann, als er nach einer Wiederholung verlangt, dem Truppenarzt die Heilung des Lieutenants zu verkünden.

Tatsächlich geht es ihm schon wieder so gut, dass der Arzt ihm erlaubt, Jo zum Mittagsessen ins Camp Zenn, das Hauptquartier der Kompanie am Rand von Bien Hua, zu begleiten.    

Jo isst mit Männern der B-Company zu Mittag. Später präsentieren die Soldaten der Playmate ihr Playboy-Banner.

Nach dem Mittagessen zeigt Jo sich von ihrer besten Seite und stattet jedem der Männer auf Lieutenant Price Krankenstation einen Besuch ab.

„Manche von ihnen brauchten meine Hilfe, um einen Brief zu schreiben. Andere baten mich um Feuer für eine Zigarette. Aber die meisten wollten sich nur kurz mit einem Mädchen aus der Heimat unterhalten. Ein paar mal war ich mir sicher, dass ich zusammenbrechen und wie ein Baby weinen würde, aber ich habe es geschafft, mich zusammen zu reißen."

„Allerdings nicht bis zum Ende. Es gab da einen sehr schlimm verwundeten Mann, der fragte, ob er mich sehen könnte, bevor er operiert werden sollte. Als ich neben ihn trat, blutete er schwer an beiden Beinen und ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte." 

„Er hat dann zu mir hochgeschaut und mit seinem besten Harte-Jungs-Grinsen gesagt: "Wie läuft’s, Schönheit?" Da konnte ich nicht mehr. Da habe ich die Kontrolle verloren und mir liefen nur noch die Tränen runter.“

Direkt an der Front 

Trotzdem besucht Jo vor ihrem Abflug aus Bien Hoa noch Männer, die im 93. Medical Evaluation Hospital und auf der 3. chirurgischen Station liegen. Dort hatten sich die Ärzte einverstanden erklärt, dass die Playmate die Männer besucht.

Erst als der Tag sich dem Ende neigt, Jo ihre Tour hinter sich hat und es wieder zurückgeht, wird dem Playboy-Trio klar, wie nah sie sich in den letzten Stunden an der tatsächlichen Front s aufgehalten haben. „Wir standen abflugbereit vor der Offiziersmesse, als ich zum ersten mal das Geräusch von Schüssen hörte“, sagt Jo.

"Ich begriff nicht, wie nah ich dem Kampfgeschehen war"

Jo Collins

Die Playmate kann sich noch genau an diesen Moment erinnern: „Dann dröhnten die Einschläge von Mörsergranaten und trotzdem begriff ich nicht, wie nah ich dem Kampfgeschehen war. Ich glaube, wir waren einfach alle zu beschäftigt damit, die Verwundeten zu besuchen, um uns unserer Umgebung bewusst zu sein."

„Dann, kurz bevor wir abhoben, wurde eine Reihe Leuchtkugeln in die Luft geschossen, welche die Gegend meilenweit beleuchteten. Mir ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass diese Männer eigentlich zu Hause sein sollten, um dort das Feuerwerk zu sehen, anstatt im Dschungel um ihr Leben zu fürchten.“

Am Mittwoch macht sich die Gruppe auf den Weg zu einer der wichtigsten Stellungen in der Umgebung von Saigon. Der erste Zwischenstopp des Tages erfolgt in Nu Ba Den. Dort liegt ein Kommunikationsposten unter dem Kommando der Spezialkräfte auf dem von ihnen umgetauften Berg „Black Virgin Mountain“.

300 Meter über dem umgebenden Land verteidigen die Truppen den Berg gegen die Guerilla-Kämpfer der Vietcong, die sich im umgebenden Dschungel verstecken.

Ein Willkommensgruß von den Green Barets

Eine kleine Gruppe Spezialkräfte ist auf dem Berg stationiert, die berühmten Green Barets, die hier mit Hilfe südvietnamesischer Soldaten die Stellung halten. Trotz der Gefahr, in der sich alle hier permanent befinden, begrüßen die Männer Jo mit der typischen Show der Spezialkräfte.

Sie krönen sie mit ihrem eigenen grünen Barett, führen Sie über die Hügelkuppen und bieten sich als Dolmetscher an, als auch die vietnamesischen Soldaten ein Wort mit der Playmate wechseln wollen. 

Vom „Black Virgin Mountain“ aus fliegt die „Playboy Special“ nach Lay Ninth, zu einem anderen Militärcamp. Dieses liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum großen Cao Dai Tempel, dem Hauptsitz der Cao Dai Religion, die Elemente aus dem Buddhismus, dem Christentum und dem Konfuzianismus vereint.

„Der Tempel sah ohnehin schon wie aus einem Märchen aus“, erinnert sich Jo. „Aber dass er mitten in einem Kriegsgebiet stand, machte ihn umso irrealer. Wir zogen unsere Schuhe aus und betraten barfuß eine Welt voller fein verzierter Säulen." 

„Weiße Vögel flogen frei umher, junge Priester mit rasierten Köpfen begleiteten uns. Aber draußen standen überall die Männer in Uniform, die Gewehre immer schussbereit an ihrer Seite.“ 

85 Meilen entfernt von Lay Ninth, im Inneren des Kampfgebiets, landet die „Playboy Special“ später am Tag in Bu Dop, einem kleinen Dorf an der Grenze zu Kambodscha. Die Stellung, die Spezialkräfte hier sichern, gehört zu den wichtigsten im gesamten Kriegsgebiet. Und zu den gefährlichsten.

Gerade einmal drei Monate zuvor starben alle hier stationierten Soldaten bei einem Überfall der Vietcong. „Die Green Berets in Bu Dop haben sich alle Mühe gegeben, uns einen entspannten Empfang zu bereiten“, sagt Jo später. 

„Aber die Anspannung lag bleischwer in der Luft. Wir haben so ziemlich jeden kennen gelernt, der hier stationiert war. Alle vom Kommandanten bis hin zu seinen amerikanischen und vietnamesischen Guerilla-Kämpfern."

„Keiner von ihnen wendete seinen Blick auch nur eine Sekunde lang vom Dschungel ab. Es war, als hätten sie ihren Posten nie verlassen. Etwas entspannter wurde es erst, als der Dorfoberste uns mit seinen zwei Frauen begrüßte. Sie alle verströmten ein Gefühl purer Gelassenheit. Das lag auch daran, dass alle drei von der Hüfte aufwärts nackt waren.“ 

Ein Dschungelpfad ins Gebiet der Vietcong 

Der beruhigende Effekt, den der vietnamesische Dorfoberste und seine zwei halbnackten Frauen auf das Playboy-Trio hatten, verfliegt allerdings schnell. Wenig später finden sie sich nämlich auf einem Dschungelpfad knapp außerhalb der stacheldrahtbewehrten Tore von Bu Dop wieder. Auf einem Dschungelpfad, von dem ihnen gerade erst erzählt wurde, es wimmele hier häufiger von Vietcong.

"Joyce und ich verfielen sofort in Panik, als wir die Einschusslöcher an der Seite unseres Trucks sahen", erinnert sich die 20-jährige Playmate des Jahres später.

Doch die beiden Frauen waren nicht die einzigen, die mit der Situation überfordert waren: „Wir beide sind uns sicher, dass Larrys Zeigfinger so gezittert hat, dass er noch eine ganze Filmrolle aus Versehen verknipste, bevor er sich wieder beruhigte.“

Der Grund für diese nervenaufreibende Überlandfahrt: Ein paar südvietnamesische Kämpfer, die eine Stellung 15 Minuten entfernt halten, wollen auch einen Blick auf das Glamourgirl werfen. 

Der letzte Tagesordnungspunkt, den Jo am Mittwoch zu absolvieren hat, ist ein Besuch auf Vung Tao. Das malerische Fischerdorf liegt auf einer Halbinsel im Mekong, auf der Amerikaner und Vietnamesen sich ein paar Tage wohlverdienten Urlaub gönnen können, bevor es wieder zurück an die Front geht.

"Niemand wird diese Männer  dazu bringen können, das Handtuch zu werfen"

Jo Collins

„Zuerst“, sagt Jo, „hatte ich Probleme damit, die Männer zu fragen, wie sie sich bei der Aussicht, wieder in den Kampf zurückzukehren, fühlen würden. Ich war mir sicher, dass sie nichts sehnlicher wollten, als den Krieg für ein paar Tage zu vergessen und einfach nur am Strand zu liegen, bis alles vorbei ist."

„Es hat aber nicht lange gedauert, bis sie mir das Gegenteil davon erzählten. Viele der Jungs, die dort kämpfen, sind gerade einmal 17 oder 18 Jahre alt. Sie verstehen nicht viel von der Weltpolitik. Aber ich habe Vung Tau in dem Wissen verlassen, das ihnen klar ist, wofür sie in den Krieg gezogen sind. Niemand wird diese Männer je dazu bringen können, das Handtuch zu werfen.“  

24 Stunden Playboy-Urlaub

An Jos letztem Tag in Vietnam bekommt sie die Chance ihre Mission mit einer besonderen Aktion zu beenden. Dabei hilft ihr der Brigadegeneral Ellis W. Williamson, der Kommandant der Luftlandetruppen in Vietnam. Den Männern der B-Company wird erlaubt, sich für 24 Stunden von der Front zurückzuziehen, in ihrem Basiscamp ihr Playboy-Abonnement entgegen zu nehmen und einen Blick auf die Playmate zu werfen.

Einer nach dem anderen steigen die Fallschirmspringer aus ihren Helikoptern um sich von Jo begrüßen zu lassen. Manche halten sogar knittrige Ausdrucke der Playboy-Dezemberausgabe in den Händen.

Sie haben sie mit sich herumgetragen, um sie eines Tages von Jo signieren zu lassen. „Als ich diese glücklichen Gesichter sah, die aus allen Richtungen auf mich zukamen, wusste ich, dass wir unseren Job gut gemacht hatten“, sagt Jo.  

Noch ist Jos Tour durch Vietnam aber nicht zu Ende. Bevor sie sich wieder auf den Weg nach Saigon machen kann, gilt es einen letzten Trip an die Front zu absolvieren. Deswegen landet die „Playboy Special“ in Kampfzone D, wo ein dankbarer General bereits auf Jo wartet. Er überreicht ihr eine Plakette, auf der steht: 

„Jo Collins ist nach Vietnam gereist, um den Soldaten der 173. Luftlande Brigade ein lebenslanges Abonnement des Playboy Magazins zu überbringen und hat übergroßen Mut bewiesen, indem sie freiwillig in Feindgebiet reiste, um unsere Männer zu besuchen. Das ist der Geist eines echten Soldaten. Deswegen ernennt General Ellis W. Williamson sie hiermit zur Fallschirmspringerin der U.S.-Streitkräfte ehrenhalber. Das ist geschehen am 13. Januar 1966.“

Am Tag nach ihrer Abreise aus Vietnam erhält Jo noch Lob von hoher Stelle. Zwischen ihrem Besuchen im Tripler- Militärkrankenhaus in Honolulu und Pearl Harbor telefoniert sie mit Botschafter Averill Harriman. Der gratuliert ihr und bescheinigt ihr, er habe viel Gutes gehört über ihre Mission in Vietnam.

Natürlich fühlt Jo sich geehrt, dass Politiker sie derart loben, doch wie selbst sagt „gibt es kein größeres Lob, als die 200 Briefe von Jungs, die ich irgendwo in der Nähe von Saigon getroffen habe.“ 

Die Männer der B-Company zollen ihrer Playmate derweil die höchste Ehre, indem sie nach ihrem Besuch, ihre Einheit nur noch Playboy-Company nennen. So stellen sie sicher, dass der Besuch der Playmate in Vietnam für lange Zeit nicht vergessen wird.

Gefragt, wie sie sich dabei fühle, das offizielle Maskottchen dieser Einheit von Frontkämpfern zu sein, sagt Jo: „Ich war noch nie in meinem Leben derart stolz.“  

Autor: Playboy Redaktion, Playboy Deutschland
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