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Ausfahrt mit dem ersten Porsche der Welt

70 Jahre Porsche - eine Spurensuche

70 Jahre Porsche - Spritztour mit dem ersten Porsche der Welt

Zum 70. Jubiläum der Automarke machen wir eine Spritztour mit dem ersten Porsche der Welt, den legendären 356/1 – und begeben uns auf eine Spurensuche ins österreichische Gmünd, der Geburtsstätte der Marke Porsche.

Wer die Geschichte von Porsche verstehen will, der muss einen Ausflug ins österreichische Gmünd in Kärnten machen. Denn dort – und nicht, wie viele glauben, im Stuttgarter Stadtbezirk Zuffenhausen – liegt die wahre Geburtsstätte von Porsche. Am 8. Juni 1948 erhielt hier das Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 356-001 seine allgemeine Betriebserlaubnis von der Landesregierung Kärnten.

Diese sogenannte Nummer 1 gilt als das allererste Automobil, das den Namen der Familie Porsche trägt – und auf dessen Basis das Unternehmen den ersten Serien-Porsche vom Typ 356 baute. Ein Jahr später präsentierte es ihn auf dem Genfer Automobilsalon. Ein unbezahlbares Einzelstück also, das normalerweise im Porsche-Museum in Zuffenhausen steht.

Normalerweise. Denn zum 70. Jubiläum ist Porsche so freundlich, uns den Prototyp für eine kleine Spritztour durch Kärnten zu überlassen. Der Plan: Zusammen mit Walter Layer aus der Werkstatt des Porsche-Museums wollen wir uns auf den Weg der letzten Abnahmefahrt begeben, die die Ingenieure 1948 vor der Zulassung des Wagens absolvierten: von Gmünd über Spittal nach Heiligenblut und wieder zurück. Insgesamt 256 Kilometer.

35 PS und kein Dach über dem Kopf

Mit einem Roadster, der gerade einmal 35 PS hat und kein Dach. Etwas unwohnlich, falls es plötzlich anfangen sollte zu regnen. „Aber so ein Fahrzeug heißt schließlich auch Fahrzeug, weil es zum Fahren gedacht ist“, sagt Layer. Gute Einstellung, denke ich mir. Vor allem bei einem Wagen, der nicht nur unbezahlbar ist, sondern im Fall eines Totalschadens auch historisch unersetzbar. Um das Risiko zu minimieren, begleitet uns eine kleine Flotte weiterer 356-Modelle, die teilweise sogar hier in Gmünd montiert wurden.

Beim Losfahren fällt sofort auf: Die Ausstattung könnte kaum spartanischer sein. Neben Lenkrad und Schaltknüppel befinden sich im Cockpit gerade mal ein Tachometer, ein Zündschloss und vier Kontrolllämpchen – das war’s. Benzinhahn, Hupe und Handbremse sind gut versteckt unterm Armaturenbrett. Lüftung, Gurte oder ein Radio, ja selbst Griffe im Inneren zum Öffnen der Tür (man zieht an einem Stück Seil) sucht man vergeblich. Als Layer zum ersten Mal aufs Gas drückt – selbst fahren dürfen wir aus Versicherungsgründen leider nicht –, kommt sofort Sportwagen-Feeling auf. Was auch sonst, sitzen wir doch wortwörtlich in der Mutter aller Sportwagen.

Auf dem Beifahrersitz fühle ich mich mit 1,80 Meter Körpergröße vom Fahrtwind verweht, so niedrig ist die Windschutzscheibe, die in meinem Fall ihrem Namen nicht gerecht wird. Beim Schalten in den zweiten Gang lässt Layer den Motor aufheulen. Das muss so sein: „Der erste und der zweite Gang sind nicht synchronisiert, ohne Zwischengas geht gar nichts“, sagt er.

Zwei Kilometer nördlich von Gmünd passieren wir die damaligen Produktionsstätten von Porsche. Auch wenn die Holzbaracken von damals nicht mehr stehen, das Original-Pförtnerhaus aus dieser Zeit ist immer noch erhalten. Warum Porsches Wurzeln überhaupt im österreichischen Gmünd liegen? Im Grunde eine direkte Folge des Zweiten Weltkriegs: Als in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1944 Bomben auf das Werksgelände in Zuffenhausen fielen, erteilte Reichsminister Albert Speer den Befehl, Porsches Konstruktionsbüro – das mit rüstungsrelevanten Aufgaben betraut war – von Stuttgart ins deutlich sicherere Österreich zu verlegen. Mehrere Standorte standen zur Auswahl.

Zunächst wollte Ferdinand Porsche den Firmensitz nach Zell am See verlegen, in die Nähe des dortigen Familienanwesens. Doch der Platz reichte nicht aus, und die Wahl fiel auf das über 100 Kilometer entfernte Gmünd in Kärnten. Gut getarnt in den Holzbaracken eines ehemaligen Sägewerks, konnten die Ingenieure hier sicher vor Bombenangriffen weiterarbeiten. Wir nutzen die Gelegenheit und halten für ein paar Fotos kurz am Pförtnerhaus an. Dabei fällt mir erst auf, wie winzig das Fahrzeug ist: Mit einer Länge von 3,86 Metern und einer Breite von 1,67 Metern entsprechen die Maße des Ur-Porsche in etwa jenen eines BMW Mini.

Der silberne Lack außen und das rote Interieur dagegen erinnern unwillkürlich an einen klassischen Mercedes 190 SL (auch wenn dieser erst Mitte der 1950er auf den Markt kam). Nur die markanten Kulleraugen-Scheinwerfer und das Röhren des Boxer-Motors wecken Assoziationen an aktuelle Porsche-Modelle. Dabei stammen beide ironischerweise aus dem Teilelager des Wolfsburger Motorenwerks, das im Jahr 1945 die Produktion des sogenannten Volkswagens aufgenommen hatte – heute besser bekannt als VW Käfer. Der Erfinder dieses Fahrzeugs: kein anderer als Ferdinand Porsche persönlich.

Dieser konnte sich damals nur wenig über den Erfolg seines Entwurfs freuen. Gegen Ende des Jahres 1945 wurden er und sein Sohn Ferry von der französischen Besatzungsmacht unter einem Vorwand nach Baden-Baden gebeten und anschließend inhaftiert. Zwar wurde Ferry nach ein paar Monaten wieder entlassen, doch Vater Ferdinand blieb zunächst in Haft. Da nutzte der Sohn die Abwesenheit des Firmenpatriarchen, um einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: die Entwicklung eines eigenen Sportwagens mit dem Namen Porsche. Ein Risiko: Europa erholte sich gerade von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, die finanziellen Ressourcen der Bevölkerung waren stark begrenzt, und wenn sich jemand überhaupt für ein Automobil interessierte, dann eher für ein kleines und kostengünstiges Fahrzeug wie den Käfer.

In jener Zeit die Entwicklung eines teuren Luxussportwagens voranzutreiben klang für viele damalige Mitarbeiter wie unternehmerischer Selbstmord. Trotzdem stellte Ferry Porsche im Juli 1947 die ersten Konstruktionszeichnungen fertig, knapp ein Jahr später erhielt der Wagen die Fahrlizenz und errang prompt in seinem ersten Rennen den Klassensieg auf dem Stadtrundkurs von Innsbruck. Nur ein paar Monate später verkaufte Porsche seine Nummer 1 an einen in Zürich lebenden deutschen Architekten für 7500 Franken – eine enorm hohe Summe für damalige Verhältnisse.

Als es plötzlich zu regnen anfängt, müssen wir anhalten. Hektisch packen wir die mitgebrachte Plane aus und decken das Fahrzeug ab. Solange wir warten, nutze ich die Zeit, um mit einem unserer Begleitfahrzeuge, ebenfalls einem Porsche vom Typ 356, eine Runde zu drehen. Auch diese erste Serienversion des Porsche 356 stammt aus Gmünd. Allerdings wurde bei diesen Wagen der Motor von der Mitte ins Heck verlegt und gewann an Leistung – eine Verbesserung um fünf PS. Genau acht Cabrios und 44 Coupés dieses Typs montierte das Unternehmen noch in Österreich, im Jahr 1951 zog Porsche dann endgültig zurück nach Zuffenhausen.

In den folgenden Jahren baute man rund 76.000 Fahrzeuge vom Typ 356, bis schließlich in den frühen 1960er-Jahren ein anderer revolutionärer Entwurf den 356er verdrängte: der Porsche 911. Ebenfalls entworfen von einem Mitglied der Familie Porsche, nämlich von Ferrys Sohn Ferdinand Alexander Porsche, Spitzname Butzi.

 Nach einer Viertelstunde klart das Wetter auf. Wir treten die letzte Etappe unserer Reise an – und hier, kurz vor unserem Ziel auf einer langen Gerade, lässt mich Layer für ein paar Meter das Lenkrad übernehmen. Ich fühle mich wie ein kleiner Junge, den der Vater mal kurz ans Steuer lässt. Und genau wie ein kleiner Bub kann ich nicht aufhören zu grinsen: Ich bin gerade den ersten Porsche der Welt gefahren. Ganz ehrlich, was will man mehr vom Leben?

Autor: Michael Brunnbauer
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