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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Untätowiert ist das neue Tätowiert

Nicht jede kleine Weisheit muss auf den Körper

Untätowiert ist das neue Tätowiert

Sie denken daran, sich ein Tattoo stechen zu lassen? Lassen Sie es bleiben! Mal ganz abgesehen von ekligen Entzündungen, ästhetischen Verirrungen und mit dem Alter immer schlaffer werdender Haut: Ein Tattoo ist eine für immer und ewig auf den Körper gestempelte Selbstanklage. „Ich beuge mich der Mode“, brüllt jedes chinesische, japanische oder klingonische Schriftzeichen, schreit jedes Yin und Yang, jeder Pfeil, jeder Engel, jeder Stern.

Ein Tattoo war früher einmal das Zeichen der Unterprivilegierten, ein Mal der Verfemten und Ausgestoßenen, ja der Verbrecher. Matrosen schmückten sich damit, wenn sie etwa eine gefährliche Seefahrt überlebt hatten. Die Mitglieder der japanischen Mafia-Organisation Yakuza stellten damit ihre ruchlosen Taten zur Schau, codiert in – zugegeben – äußerst kunstvollen Ganzkörperbemalungen.

Tattoos waren in Japan früher Zeichen der Yakuza.

Und wenn man so will, übten sich auch die Henker des Mittelalters fleißig in der Zunft der Tätowierer: Um Verurteilte zu bestrafen, wurden diese – oft im Gesicht – mit einem Schandmal gebrandmarkt. Die derart Gezeichneten waren sichtbar und ein Leben lang aus der ehrbaren Gesellschaft ausgeschlossen.

Die Spießgesellschaft klaut sich die Symbole der Underdogs

Das Tattoo, es war vor gar nicht mal so langer Zeit ein Aufschrei, eine Rebellion gegen den gähnenden Einheitsbrei, gegen die angepasste Spießbürgerschaft. Heute aber: Tribals, Dämonen, Arschgeweih, überall! Banker tragen grinsende Totenkopf-Fratzen auf dem Oberarm, nicht einmal halb verdeckt unterm hochgekrämpelten Designer-Hemd.

Außerdem: Bebrillte Informatik-Studenten mit einem „Thug-Life“-Schriftzug auf dem Handrücken, lauter Gangstas hocken da scheinbar im Vorlesungssaal. Selbst die schüchternste Buchverkäuferin lässt sich zumindest eine geschmacklose Rose aufs Schulterblatt stechen.

Tattoos sind super teilbar, yeah!

Tattoos gehören jetzt zum guten Ton. Denn sie sind auffällig, fotografierbar, teilbar, like-bar. Sie passen einfach zu gut in unsere Zeit, in die Ära der Selbstdarstellung, zum täglichen Tanz auf der Bühne des Lebens, online oder im Real Life.

Es reicht nicht mehr, eine innere Haltung zu finden und selbstbewusst seinen Weg voranzuschreiten. Nein, wir müssen unsere Einzigartigkeit und Coolness und Crazyness und Abgefahrenheit jedem mitteilen, voll krass auf dem Unterschenkel.

Anker und Palme, voll crazy.

Es ist das alte Lied: Tätowierte glauben vielleicht sogar selbst, ihre Individualität auszudrücken. In Wirklichkeit haben sie sich eine Uniform aufgedruckt.

Seien Sie ein Rebell: nicht stechen lassen!

Wenn Sie also eine unfassbare Lebenserfahrung gemacht haben: Widerstehen Sie dem Drang, in das nächstbeste Tattoo-Studio zu laufen! Verschonen Sie sich und Ihren Körper mit kichernden Buddhas, Einhörnern und Sensenmännern! Gehen Sie stattdessen mit gutem Beispiel voran und lassen Sie Ihre Haut so, wie sie die Natur geschaffen hat.

Seien Sie ein Rebell, denn Untätowiert ist das neue Tätowiert. Und wenn Sie der Welt zeigen wollen, wie einzigartig Sie sind, dann machen Sie halt gefälligst etwas Einzigartiges!

 

Unser Autor Max Marquardt ist da übrigens völlig anderer Meinung: "Tattoos sind ein Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft freier geworden ist", sagt er. Lesen Sie hier seinen Kommentar!

Autor: Philipp Nowotny
Jérôme Boateng und seine Tattoos
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