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"Die Berge sind kein Disneyland"

Reinhold Messner kritisiert den Bergsport-Tourismus

Massentourismus am Berg

Reinhold Messner ist nicht nur einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt, sondern eine Alpinistenlegende. Seine zahlreichen Buchveröffentlichungen handeln von der Sehnsucht zu den Bergen, alpinen Grenzerfahrungen und abenteuerlichen Expeditionen. Der heute 74-Jährige äußerst sich immer wieder kritisch zum Tourismus in den Bergen. Fast jede Woche passieren dort schwere Unfälle, im Sommer wie im Winter. Messner sieht das Problem klar im alpinen Massentourismus.

Er hat alle vierzehn Achttausender der Welt bestiegen – und das ganz ohne zusätzlichen Sauerstoff. Für den Extrembergsteiger aus Südtirol geht es seit jeher um die Frage: Kann ich das oder kann ich es nicht? In einem Interview mit der „Mitteldeutschen Zeitung“ sprach sich Messner klar dagegen aus, den Bergen die Gefahr zu nehmen, sie für jedermann frei zugänglich zu machen und somit „in Ketten zu legen“.

„Das Dümmste sind derzeit die Klettersteige“

„Ich bin dafür, dass man in diesen Höhen ohne große technische Hilfsmittel auskommt. Das Dümmste sind derzeit die vielen neuen Klettersteige. Die teils überhängenden Wände sind vernagelt und verdrahtet mit Bohrhaken und langen Seilen, nur um viele Tausend Pistentouristen in die Höhen zu pumpen“, so Messner im Interview.

Reinhold Messner sieht den Massentourismus sehr kritisch

Das klassische Bergsteigen sei zum Massentourismus avanciert und das Klettern zum Sport. Eigenverantwortung und Vorsicht wären bei vielen Alpinisten immer seltener.

„Die Berge sind kein Disneyland“

Menschen, die in den Bergen unterwegs sind, sollten sich immer nach ihrem eigenen Machbarkeitsgrad richten – in Eigenregie oder mit einem Bergführer. Denn die Gefahren würden immer noch unterschätzt werden. „Die Berge sind kein Disneyland“, sagte Messner der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Heimkommen ist wichtiger als Ankommen

Der Buchautor und Extrembergsteiger sieht auch den Gipfel keineswegs als Ziel. Vielmehr sei es im Grunde genommen nur ein „Umkehrpunkt“. „Viel wichtiger ist, dass ich in dieser Welt überlebe und heil zurückkomme“, so Messner.

Bergrettung im Einsatz. "Wichtig ist, heil zurückzukommen"

Erst vergangene Woche passierten in den bayerischen und österreichischen Alpen zahlreiche Unfälle, die teilweise durch Unachtsamkeit und Übermut verschuldet waren.

Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Sonntag Nachmittag, als ein 56-jähriger Mountainbiker von einem Ziehweg abkam und rund 10 Meter in die Tiefe stürzte. 

Besorgniserregende Zahlen

Der globale Wettbewerb um Bergsport-Tourismus hat in vielen Regionen Bayerns und Österreichs teils absurde Ausmaße angenommen. Dabei stehen die zentralen Werte um „Tradition, Natur und Lebensfreude im Vordergrund. Viele Touristen lockt das schnelle Abenteuer. Die Berge werden zur Bühne von Eskapisten, Hobby-Kletterern und Selbstdarstellern, die sich mehr auf ihre teure Ausrüstung verlassen, als auf ihren eigenen Menschenverstand.

Und wenn sowohl die teure Hardshell-Jacke, als auch die fesche GPS-Uhr im rauen Gelände den Geist aufgeben, können sie sich immer noch auf die Bergrettung verlassen. Denn die hat - so denken viele - ganzjährig ohnehin nichts besseres zu tun, als die hippen „Extremsportler von den Steilwänden und Klettersteigen zu kratzen.

Bergsportler auf einem Klettersteig "Besorgniserregende Zahlen"

Eine Entwicklung, die auch dem Deutschen Alpenverein Sorgen bereitet. „Die Zahlen sind ermunternd und besorgniserregend zugleich“, heißt es in der letzten Unfallstatistik des DAV. „Einerseits gab es noch nie so wenige tödliche Unfälle, andererseits ist die Zahl der Unfälle und Notfälle insgesamt gestiegen.“

Autor: Max Marquardt, Playboy
Video – Nicht alpin, trotzdem gefährlich
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