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"The Terror": Kannibalen im Packeis

Die Geschichte rund um die Franklin-Expedition gehört immer noch zu den größten Mysterien der Seefahrtgeschichte. Bis heute weiß niemand genau, was mit den beiden britischen Schiffen HMS Terror und HMS Erebus und der insgesamt 129 starken Mannschaft passiert ist, nachdem sie 1845 zu einer Expedition aufbrachen, um die legendäre Nordwestpassage durch die Antarktis zu erforschen. Die neue von Ridley Scott ("Gladiator", "Alien") produzierte Serie „The Terror“ auf Amazon Prime erzählt nun ab 10. April in zehn Folgen eine besonders schaurige Version.

"The Terror" setzt zwei Jahre nach dem Beginn der Reise ein. Die ersten beiden Überwinterungen der zwei Schiffe sind geglückt und die Fahrt soll jetzt im Sommer 1847 weitergehen. So empfängt der Kapitän der HMS Terror Francis Cozier (Jared Harris aus "Mad Men") den Expeditionsleiter und Kapitän der HMS Erebus Sir John Franklin (Ciarán Hinds aus "Game of Thrones"), um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Cozier - selbst ein erfahrener Antarktisveteran - befürchtet aufgrund der zunehmenden Kälte, dass die beiden Schiffe bei einer Weiterfahrt weit entfernt vom Festland im Packeis stecken bleiben könnten, und ist deswegen dafür umzukehren. Doch Franklin befiehlt die Weiterfahrt. Ein Fehler, wie sich später herausstellen wird: Technische Pannen suchen die Expedition heim und das Packeis tut sein Übriges und schließt die Seeleute ein. Mit Sägen, Dynamit und Eispickeln versuchen sie sich zu befreien, scheitern aber kläglich. Der Überlebenskampf von 129 Männern beginnt. Auf sie warten geisterhafte Wesen, Kannibalismus und hungrige Eisbären.


Kein übliches Seemannsgarn

Die Geschichte, die "The Terror" erzählt, ist allerdings nicht nur übliches Seemannsgarn, sondern basiert zum Großteil auf den damaligen Ereignissen der Franklin-Expedition. Obwohl die Schiffe für die damalige Zeit perfekt ausgerüstet und mit Proviant für drei Jahre eingedeckt waren, ließen die ersten Toten nach dem Stillstand der Schiffe nicht lange auf sich warten. Aufgrund der extremen Temperaturen, die weit unter -20 Grad lagen, starben die ersten unter anderem an Lungenentzündungen. Auch Sir John Franklin war darunter - er starb vermutlich an einer durch die schlechte Verarbeitung der Konservendosen verursachte Bleivergiftung.

Die übrigen 105 Überlebenden versuchten unter dem Kommando von Cozier nach der dritten Überwinterung im April 1848 einen 350 km entfernten Außenposten der Hudson Bay Company  an der heutigen Nordwestküste Kanadas, zu Fuß zu erreichen. An einem Steinmal beim Victory Point an der Nordküste Kanadas, die sie etwa eineinhalb Jahre zuvor noch passiert hatten, hinterließen sie ein Papier mit einigen Angaben zu ihrer Situation. Das war das einzige schriftliche Zeugnis zum Schicksal der Mission und seiner Truppe. Danach kann man nur spekulieren. Sicher ist nur, dass es keine Überlebenden gab.

Kannibalismus und Eisbär-Angriffe

In den Jahrzehnten danach fanden über 20 Rettungs- und Aufklärungsaktionen statt, mit dem Ziel etwaige Überlebenden zu finden und das Mysterium aufzuklären. Die britische Admiralität setzte eine Belohnung von 20.000 Pfund (heute c.a. 2 Millionen Euro) für die Rettung der Überlebenden aus. Dabei kamen am Ende sogar mehr Männer um als bei der Franklin-Expedition selbst. 1850 wurden die ersten Spuren der Expedition gefunden - es handelte sich um drei Seemannsgräber auf der kleinen Beechey-Insel in der kanadischen Arktis. In den darauffolgenden Jahren fand man einzelne Überreste der Seeleute in Form von Knochen. Spuren von Messern und Zähnen lassen darauf schließen, dass es unter ihnen wohl zu Kannibalismus kam, als die Vorräte zur Neige gingen. Die wahrscheinlichsten Todesursachen waren wohl Erfrieren, Skorbut und Attacken von hungrigen Eisbären.


Skelette in der Eiswüste

Ein schottischer Forscher fand 1855 während einer Expedition in diesem Gebiet einige Überbleibsel der beiden Crews bei einem Inuit-Stamm in der Nähe der King-William-Insel - darunter Offiziersknöpfe und Besteck. Die Inuit berichteten über eine Gruppe weißer Männer, die mit zu Schlitten umfunktionierten Beibooten versuchten ihr Land zu überqueren und nach und nach starben. Sie erzählten auch von Gräbern, die mit über 30 Männern der Crew gefüllt sein sollten. Bei weiteren Schlittentouren in der Umgebung fand man in den Jahren darauf weitere Ausrüstungsgegenstände der Crew und auch immer mehr verstümmelte Skelette, die über die dortige Tundra verteilt waren und den Kannibalismus innerhalb der Crew bestätigten.

2014 und 2016 wurden schließlich die beiden gut erhaltenen Wracks der "Erebus" und der "Terror" von kanadischen Wissenschaftlern gefunden. Es bleibt also abzuwarten, was die Forscher noch über eine der tragischsten Expeditionen aller Zeiten herausfinden werden und welche Grausamkeiten sich ihnen noch offenbaren.

"The Terror" verkürzt das Warten auf die nächste "Game of Thrones" Staffel

Man merkt also, dass die Geschichte um die Franklin-Expedition einiges an Stoff inne hat. "The Terror" nähert sich dem Thema eher auf einer gruseligen und düsteren Ebene. So sind die potentiellen Angriffe von Eisbären, die die Mannschaften langsam dezimieren, und Visionen von geisterhaften Gestalten, die die Crew heimsuchen, ein wichtiger Teil des Films, und dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nicht, dass die echte Geschichte schon schaurig genug wäre.

Wer also nichts mit sich anzufangen weiß, weil die nächste Staffel "Game of Thrones" erst 2019 veröffentlicht wird, der sollte sich unbedingt "The Terror" anschauen. Die komplette Staffel mit insgesamt zehn Folgen ist ab heute auf Amazon Prime zu sehen.

Autor: Martin Arnold, Playboy Deutschland
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