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"Wir müssen lernen, über unsere Begierden zu sprechen"

Sozialpsychologe Justin Lehmiller verrät wie

Sexträume ausleben - Sozialpsychologe Justin Lehmiller verrät wie

Der Amerikaner Justin Lehmiller ist Sozialpsychologe und Research Fellow am renommierten Kinsey Institute. Seine wohl spannendste Entdeckung: Er hat unsere geheimsten Sexfantasien erforscht und in seinem Buch "Tell Me What You Want" (Robinson, 15€) veröffentlicht. Uns hat er verraten, welche dieser Fantasien man wahr machen sollte – und wie.

Playboy: Herr Lehmiller, Sie haben 4175 amerikanische Männer und Frauen zu ihren Sexfantasien befragt. Welche Ergebnisse Ihrer Studie haben Sie besonders überrascht?

Justin Lehmiller: Viele. Beispielsweise dass in den Sexfantasien von Männern Gefühle eine weit größere Rolle spielen, als ich aufgrund der Ergebnisse vorangegangener Studien angenommen hatte. Der überwiegende Teil männlicher Sexfantasien handelt von der Erfüllung emotionaler Bedürfnisse. Also zum Beispiel davon, besonders begehrt oder als sexuell besonders fähig wahrgenommen zu werden. Männer fantasieren insgesamt mehr von Sex.

Und die Frauen?

Bei Frauen spielt die Erfüllung emotionaler Bedürfnisse eine noch größere Rolle als bei Männern. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Frauen in ihren Fantasien deutlich experimentierfreudiger sind als angenommen. Die meisten hatten Fantasien über Gruppensex, BDSM oder darüber, neue Sexpraktiken auszuprobieren.

Worin unterscheiden sich da typisch männliche Sexfantasien?

Männer haben zum Beispiel mehr Tabu-Fantasien. Sie neigen eher dazu, sich Dinge vorzustellen, die in unserer Gesellschaft verboten sind oder abgelehnt werden: Fetisch-Sex, Exhibitionismus, Voyeurismus, solche Dinge. Frauen hingegen haben eine stärkere Neigung zu homosexuellen Fantasien.

"Die Annahme, alle träumten von Sex mit unerreichbaren Hollywood-Schönheiten, ist falsch"

Wie verbreitet sind homosexuelle Fantasien bei Männern?

Sie sind nicht ungewöhnlich. Während etwa zwei Drittel der heterosexuellen Frauen angaben, schon homosexuelle Fantasien gehabt zu haben, waren es bei den heterosexuellen Männern etwa ein Drittel. Allerdings geben die meisten Männer das nicht offen zu und leben solche Fantasien auch nicht aus, weil Homosexualität noch immer ein gesellschaftliches Stigma anhaftet.

Von wem fantasieren wir besonders gern?

Überraschenderweise von unseren aktuellen Partnern. Sie tauchen in unseren Fantasien weit häufiger auf als Prominente oder Porno-Stars. Ich werte das als Indiz dafür, dass wir in unseren Fantasien nicht versuchen, unseren Partner zu ersetzen, sondern unserem Sexleben etwas hinzuzufügen, es aufzupeppen. Nur sieben Prozent der Befragten fantasierten häufiger von Prominenten. Die Annahme, alle träumten von Sex mit unerreichbaren Hollywood-Schönheiten, ist also falsch.

Falls das doch vorkommt, von wem wird am häufigsten geträumt?

Der Mann, von dem heterosexuelle Frauen in meiner Studie am meisten fantasierten, ist Channing Tatum, gefolgt von Ryan Gosling und Adam Levine. Die Männer fantasierten am meisten von Scarlett Johansson, gefolgt von Jennifer Aniston und Jennifer Lawrence.

Ändern sich unsere Sexfantasien mit zunehmendem Alter?

Ja, auffällig ist zum Beispiel, dass das Interesse an Gruppensex mit dem Alter zunimmt. Genauer gesagt: Das Interesse nimmt bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren zu, bleibt dann bis Mitte 50 auf einem hohen Level und nimmt dann wieder ab.

Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, unsere psychologischen Bedürfnisse verändern sich und mit ihnen unsere Fantasien. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, in einer längeren monogamen Beziehung zu leben. Und wir alle tendieren dazu, gelangweilt zu sein von sexueller Routine. Also beginnen wir, nach Wegen aus dieser Routine zu suchen. Einer kann Gruppensex sein, ein anderer eine offene Beziehung. Es gibt viele Wege, dem eigenen Sexleben Neues hinzuzufügen.

"Wir müssen lernen, über unsere Begierden zu sprechen, statt vor ihnen wegzulaufen und sie zu unterdrücken"

Wie viel von Sex zu fantasieren ist "normal"?

Es gibt in dieser Hinsicht kein "normal". Die meisten Menschen fantasieren mehrere Male pro Woche oder öfter von Sex. Einige auch nur ein paarmal pro Monat oder ein paarmal pro Jahr. Das ist alles kein Problem. Ein Problem wird es nur dann, wenn es als Belastung empfunden wird. Menschen können ganz verschieden viele oder wenige Sexfantasien haben und dennoch glücklich und gesund leben.

Viele Sexfantasien zu haben, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas in der eigenen Beziehung schiefläuft?

Nein. Es kommt sehr oft vor, dass Menschen, die mit ihrem Sexleben sehr zufrieden sind und eine glückliche Beziehung führen, sehr viele Sexfantasien haben. Auffällig ist, dass es einen großen Graben gibt zwischen dem, was Menschen in ihrer Fantasie tun, und dem, was sie tatsächlich tun. Die meisten Menschen würden ihre Fantasien zwar gern stärker ausleben, tun es aber nicht. Man darf annehmen, dass sie noch zufriedener mit ihrem Sexleben wären, wenn das anders wäre.

Sie empfehlen, sich intensiv mit den eigenen sexuellen Begierden zu beschäftigen. Warum?

Weil wir herausgefunden haben, dass diejenigen Menschen am glücklichsten mit ihrem Sexleben sind, die mit ihren Partnern über ihre Fantasien gesprochen und diese ausgelebt haben. Diese Menschen führen auch die glücklichsten Beziehungen und fühlen am wenigsten Scham oder gar Angst beim Thema Sex. Die eigenen Bedürfnisse kennenzulernen, darüber zu sprechen und sie möglicherweise auch auszuleben, kann sich also positiv auf ihr Sexleben, ihre Beziehung und sogar ihre mentale Gesundheit auswirken. Ich denke, wir müssen lernen, über unsere Begierden zu sprechen, statt vor ihnen wegzulaufen und sie zu unterdrücken, wie es viel zu viele tun.

Ist es nicht ein wenig riskant, dem Partner von den eigenen Sexfantasien zu erzählen?

Es kann riskant sein, klar. Ich würde auch nicht unbedingt empfehlen, ihr oder ihm von jeder Sexfantasie zu erzählen, die man mal hatte. Man muss da schon vorsichtig rangehen.

Haben Sie eine Empfehlung, wie man es der eigenen Liebsten erzählen sollte?

Erst mal müssen Sie sich Ihrer eigenen Wünsche bewusst werden und sich damit wohlfühlen. Wenn Sie sich damit selbst nicht wohlfühlen, wird es schwer, darüber mit jemandem zu sprechen. Wenn Sie das aber geschafft haben, geht es vor allem darum, den richtigen Zeitpunkt und das richtige Umfeld zu wählen. Idealerweise sprechen Sie das Thema an, wenn Sie beide schon ein wenig sexuell erregt sind. Es kann auch hilfreich sein, eine Art „Eisbrecher“ zu benutzen, zum Beispiel zusammen einen erotischen Film anzusehen oder ein Sex-Game zu spielen und dadurch langsam auf das Thema Sexfantasien zu kommen.
 

Autor: Alexander Neumann-Delbarre
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