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"Das ist wie ein Formel-1-Auto, nur krasser"

Air-Race-Pilot Matthias Dolderer im Interview

Air-Race-Pilot Matthias Dolderer: "Das ist wie ein Formel-1-Auto, nur krasser"

Am ersten Februar-Wochenende startete das Red Bull Air Race in die neue Saison. Matthias Dolderer ist als einziger deutsche Pilot dabei, im Jahr 2016 gewann er die Weltmeisterschaft. In diesem Jahr will er den Titel zurück in die Heimat fliegen und dafür gleich beim Auftakt in Abu Dhabi ein Zeichen setzen. Wir sprachen mit ihm über immense G-Kräfte, Blackouts in der Luft und seinen Traum vom Flugboot mit vermögender Sponsorin.

Herr Dolderer, wovor hat man als „Red Bull Air Race“-Pilot eigentlich noch Angst?

Ich würde eher von Respekt sprechen. Respekt vor der Technik, vor der Natur, vor den Mitmenschen, vor sich selbst. Ein großer Teil von dem, was wir machen, ist Risiko-Management. Wir müssen im Vorfeld versuchen, Risiken auszuschließen. Aber ich fühle mich im Rennkurs so wohl wie in meinem Wohnzimmer – oder sogar wohler. Da ist für alles gesorgt. Ansonsten gibt es natürlich auch Ängste. Insofern: Wenn du mich jetzt ins Meer schmeißt, habe ich Angst vor hohen Wellen.  

Dann lieber in zwei Metern Höhe und mit 400 Km/h über die Wellen hinwegfliegen?

Ja, viel lieber. Schlangen mag ich auch nicht. Die kann ich gar nicht haben.

Gibt es noch Flugmanöver, die Sie kurz schaudern lassen? 

Nein, gar nicht. Da bewege ich mich immer auf sicherem Terrain. Wenn es dann mal eine schwierige Figur gibt, geht man einfach in ausreichende Höhe. Da kann nichts passieren.

Muss man ein bisschen lebensmüde sein, um diesen Sport zu machen?

Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil eigentlich: Wir lieben das Leben alle viel zu sehr, als dass wir ein zu großes Risiko eingehen würden. Wenn MotoGP-Fahrer bei Tempo 300 abfliegen, dann sieht es schon anders aus, die haben ja gar nichts um sich rum.

Sie meinen, ein Air-Race-Pilot ist sicherer als ein MotoGP-Fahrer, wenn er abstürzt?

Sicher ist relativ. Fragen wir mal so rum: Warum soll man abstürzen?

Es ist ja schon mal einem von Ihnen passiert.

Ja, Adilson Kindlemann, er hat einen Flugfehler gemacht, ist aber nicht abgestützt, sondern machte eine Notlandung im Wasser. Das kann man nicht Absturz nennen. Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen ist weder dem Piloten noch den Zuschauern etwas passiert ist. Übrigens werden solche Notlandungen im Wasser regelmäßig von uns trainiert. 

Fehler passieren, oder?

Nein, so etwas darf eigentlich nicht passieren. Beim Red Bull Air Race gehen nur die erfahrensten Piloten an den Start. Wenn wir Fehler machen, dann ist es, falsche Linien zu fliegen, was sich in der Zeit und damit im Ranking auswirkt.

Ist die Erfahrung der Grund dafür, dass die Piloten beim Air Race deutlich älter sind als in der Formel 1?

Du brauchst mehr Erfahrung, ja. Nicht nur zum Fliegen, sondern für das ganze Drumherum. Du brauchst Charakterstärke. Du musst verlieren können und vor allem das Risiko einschätzen können. 

Sie haben mit 14 angefangen?  

Genau. Fliegen kannst du nur bei schönem Wetter, Go-Kart fahren kannst du jederzeit. Es ist viel einfacher Kilometer zu sammeln als Flugstunden.

Wie würden Sie dann den Leuten erklären, wie es sich anfühlt in so einem Rennflugzeug zu sitzen?

Das Abheben ist ein absolutes Freiheitsgefühl. Wir rollen sehr schnell um die eigene Achse. Diese Hochpräzision, das ist wie ein Formel-1-Auto, nur noch krasser.

Als Normalbürger kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, in so einer Maschine zu sitzen. Es sieht einfach extrem gefährlich aus.

Sie haben es gerade genau richtig gesagt: Man kann es sich nicht vorstellen. Jeder ist vielleicht mal in einem Airliner mitgeflogen. Aber ein Airliner ist wie ein Bus. Dass ein Flugzeug so wendig sein kann, ist dann für viele in der Tat schwer nachvollziehbar.

Ebenso wie die hohen G-Kräfte bei starken Änderungen der Flugrichtung, oder?

Richtig. Wenn jetzt ein Mensch 80 Kilo wiegt, dann wird der bei 10 G mit 800 Kilo in den Sitz gedrückt. Das Blut transportiert dann zu wenig Sauerstoff ins Gehirn. Bei Ungeübten würde folgendes passieren: Zuerst kommen die Sternchen vor den Augen, dann der Tunnelblick, das Sichtfeld schränkt sich also ein, dann folgt der Blackout und danach die Bewusstlosigkeit.

Wie trainiert man so etwas? Schießt man da auch mal übers Ziel hinaus?

Nein. Man muss wissen, wie man dagegen kämpft. Wenn man viel fliegt, entwickelt sich eine „Muscle Memory“. Deine Muskeln erinnern sich daran, wie sie reagieren müssen, wenn diese Situation auftritt. Wir fliegen möglichst viel, damit diese „Memory“ nicht nachgibt.  

Hatten Sie schon einmal ein Blackout von den G-Kräften?

Ja, ich glaube, das hatte jeder schon einmal, der in der Kunstflug-Weltspitze fliegt. Jeder weiß dann, wie es sich anfühlt, wann es kommt und warum. Du ziehst so lange, bis Sternchen kommen, und schaust, wie viel G das sind. Wenn du nachlässt, schießen das Blut und der Sauerstoff wieder in den Kopf, und die Sterne sind wieder weg.

Was geht Ihnen beim Fliegen durch den Kopf?

Gar nichts. Ich bin so fokussiert. Das ist ein geiles Gefühl, so schnell, so tief zu fliegen und im Tunnel zu sein. Wenn man mich mit verbundenen Augen zum Rennkurs fährt und ich erst in der Luft kurz vor dem Rennen die Augenbinde abnehmen dürfte, würde ich das Rennen zwar fliegen, könnte dir aber nicht sagen über welche Stadt ich da gerade geflogen bin.

 Vor einem Jahr ist der österreichische Air-Race-Pilot Hannes Arch bei einem Helikopterunfall tödlich verunglückt. Stimmt Sie das nachdenklich über den Umgang mit Gefahren?

Immer, wenn irgendwo ein Flugzeug vom Himmel fällt. Wenn es dann auch noch ein Freund ist wie der Hannes, umso mehr. Für uns ist dann aber das Wichtigste herauszufinden: Warum ist er abgestürzt? Was hat er falsch gemacht? Mein erster Gedanke war: Das hätte ich dem Hannes überhaupt nicht zugetraut. Aber er ist nicht der erste und nicht der letzte. Je mehr Leute man in der Luftfahrt kennt, desto mehr verliert man dort. Das ist wie bei den Motorradfahrern auch.

 Ganz sicher ist die Sache dann also doch nicht, oder?

Ich sage, es ist sicher. Ist Autofahren denn sicher? Motorradfahren? Duschen? Klar, mit dem Alter wird man vorsichtiger und sagt sich: Okay, was ich früher gemacht habe, das mache ich heute vielleicht nicht mehr.

Was zum Beispiel?

Bei Nacht in 150 Metern Höhe von Key West nach Fort Meyers fliegen mit einer einmotorigen Cessna. 

Was macht ein Mann mit so einem Job in seiner Freizeit?

Alles, was Dampf hat und Spaß macht. Autos, Motorräder, Wasserski. Auf der anderen Seite versuche ich natürlich auch unterschiedliche Sachen zu genießen. Wenn ich auf einen Berg hochgehe zum Beispiel. Das ist für mich Abschalten. 

Haben Sie vor Ihrem Job als Air-Race-Pilot noch was anderes gemacht?

Nach meiner Ausbildung zum Industriekaufmann bin ich relativ schnell Fluglehrer geworden und habe mich voll reingehängt. Im Nachhinein hat das nicht geschadet. Ich wollte auch mit Kumpels um die Welt fliegen, das hat aber leider nicht funktioniert.

Mit Ihrer eigenen Maschine? 

Nein, wir wollten das mit einem Flugboot machen, das hätte aber über eine Million Mark gekostet damals, deswegen haben wir nach einer reichen Mäzenin gesucht – per Annonce.

Und? Fündig geworden? 

Leider nicht, nur ein paar Partnervermittlungen haben sich gemeldet. Der Traum vom Flugboot ist aber immer noch da.

Autor: Maximilian Krones
Video – Grenzerfahrung G-Flight
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