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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Als der Opel fliegen lernte

Testfahrt mit der Sportwagenikone Opel GT

Als der Opel fliegen lernte

Der legendäre GT aus Rüsselsheim feiert in diesem Jahr 50. Jubiläum. Unser Autor schwingt sich ins saharagoldene Original und düst zurück in die Fahrgefühlswelt der 70er-Jahre – immer der Frage nach: Stimmt der einstige Opel-GT-Werbeslogan „Nur Fliegen ist schöner“ noch heute?

Sagenumwobene Rock-Festivals, Hippie-Mädchen im Minirock und die Verheißungen der sexuellen Revolution … Wer würde nicht gern eine Zeitreise in die Sixties oder Seventies machen? Damals gab es Frauen wie Uschi Obermaier, die im Dienste der freien Liebe ihre Kurven zeigten. Es gab Fußballstars wie Franz Beckenbauer, die so dicke Pelzmäntel trugen, wie sie heute nur russische Oligarchenwitwen besitzen. Die Zeichen standen auf Spaß. Und in Deutschland wollte man sich nach dem gelungenen Wirtschaftswunder endlich was gönnen. Das bedeutete auch: schnellere Autos fahren als Kadett oder Käfer.

Klar, es gab den Neunelfer. Aber für den Stahlbetonbauer oder den Schlackenfahrer auf Schicht war so eine Edelkarosse unerreichbar. Ein Sportwagen für echte Kerle musste her. Für Männer, die vielleicht auf Goldkettchen standen, aber nicht auf goldene Manschettenknöpfe.

Der Opel GT galt als Corvette der Arbeiterklasse. Mit Klappscheinwerfern und Colaflaschen-Design ist er noch heute Kult.

Ein harter Spaß für harte Männer

In der Entwicklung eines solchen Autos sah die GM-Tochter aus Rüsselsheim ihre Chance: „Es war klar, dass Opel in den 60er-Jahren eine radikale Image-Änderung brauchte“, sagt Bob Lutz, der ehemalige Verkaufsleiter des Unternehmens. „Opel war die brave Marke für den unteren Mittelstand. Für Fahrer mit Hut und Hosenträger und der Toilettenrolle auf der Hutablage – genau wie Audi.“ Also machten sich die Designer an die Arbeit und führten drei Jahre später auf der IAA mit dem GT Experimental das erste Konzeptfahrzeug eines europäischen Autoherstellers vor. Nach weiteren drei Jahren Detailarbeit präsentierte Opel den GT auf der Industrie-Ausstellung 1968 in Berlin und ließ ihn dann in Serie produzieren.

"Temperament, das aus der Tiefe kommt“

Die Werbung motivierte potenzielle Kunden damals mit markigen Worten: „Sie legen die serienmäßigen Dreipunkt-Sicherheitsgurte an. Und starten. Und spurten. Und werden in die schalenförmigen Sitze gedrückt. Temperament, das aus der Tiefe kommt.“ Auch die „Autozeitung“ zeigte sich im Jahr 1968 enthusiastisch: „Junge Leute reißen Mund und Nase auf, wenn Opels exotischer GT daherkommt. Ein harter Spaß für harte Männer.“ Der schnittige Wagen avancierte in Deutschland zum beliebten Volksporsche. Auch in Amerika wurde er zum Renner. Als er 1969 dort auf den Markt kam, lagen gleich in den ersten Tagen 10.000 Bestellungen vor.

Am GT-Design wurde seinerzeit sechs Jahre lang gefeilt.

Testfahrt mit der Opel-Ikone

Ob sich die Begeisterung für die legendäre Ruhrpott-Corvette heute noch nachvollziehen lässt? Das gilt es, im Hier und Jetzt zu testen. Deshalb lassen wir uns von Opel einen Original-GT von 1969 an die Münchner Redaktionsadresse liefern – auf dem Transporter, versteht sich, damit das gute Stück nicht so viele Kilometer machen muss. Schon in der Tiefgarage werfen Kollegen neidische Blicke auf den flachen Zweisitzer. Erst mal abwarten, bis sie in ihren SUVs weggefahren sind, denn es könnte ja sein, dass die historische 1,9-Liter-Maschine unter der sahara-goldenen Karosse erst mal herumstottert. Tut sie aber nicht. Stattdessen startet der Motor mit einem tiefen und durchdringenden Wummern. Respekt!

„Gib Gas, ich will Spaß“

Auch von außen sieht der GT mit seiner eleganten Coke-Bottle-Silhouette aus, als könnte man mit ihm gleich das nächste Rennen gewinnen. Aber wer mit der Lenkung ohne Servo-Antrieb genug Muskelkraft für die ersten Haarnadelkurven aufgebracht hat, der merkt: Es handelt sich hier um einen echten Oldtimer. Über Schlaglöchern knarzt und ächzt er ein wenig, das Benzin schwappt hinten hörbar im Tank. Und auf den hochwandigen Reifen gerät der Wagen bei Ausweichmanövern in leichte Schräglage.

Es dauert nicht lange, und man schaltet im Kopf von „Gib Gas, ich will Spaß“ auf den Nostalgie-Modus um. Es ist ja auch zu dämlich, von einem knapp 50 Jahre alten Auto anzunehmen, dass es heutigen Racing-Standards genügt. Aber die schnittige Erscheinung erzeugt noch immer das Gefühl, man könne mit dieser Rakete zum Mond fliegen. Alles passt perfekt zusammen: die lang gezogene Motorhaube, die bis ins Dach hinaufreichenden Türen und das plötzlich abfallende Heck.

Vor zwei Jahren führte Opel auf dem Genfer Auto-Salon einen futuristischen GT-Nachfolger vor.

Und als Krönung die runden Kulleraugen für das Abblendlicht. Um Letzteres anzuschalten, packt man mit der Faust den zehn Zentimeter langen Hebel neben dem Aschenbecher und schiebt ihn mit Wucht nach vorn. Schon drehen sich polternd die unter der Kühlerhaube versteckten Leuchten von innen nach außen – die weltweit ersten Drehscheinwerfer in einem Auto.

Der TÜV sah Ende der 60er diese Konstruktion mit Skepsis und verpflichtete Opel dazu, eine Testreihe mit 100.000 Klappvorgängen durchzuführen. Die Seilzüge hielten. Der GT ging an den Start und konnte seine Erfolgsgeschichte schreiben. Genau 103.463 Autos wurden in der Produktionszeit zwischen 1968 und 1973 gebaut. Zwei Drittel davon gingen in die Vereinigten Staaten.

Die Mädchen waren heiß auf ihn

Zuletzt musste sich der GT jedoch den veränderten Sicherheitsbestimmungen in seinem Hauptabsatzland geschlagen geben. Die US-Regeln forderten Anfang der 70er massive Aufpralldämpfer, die mit dem schlanken Design unvereinbar gewesen wären. Das Leben des Rockstars aus Rüsselsheim fand ein Ende. Es war intensiv, aber kurz.

Doch die Legende lebt weiter, auch in den Garagen prominenter Fans. Star-Koch Horst Lichter besitzt einen GT genauso wie der Schauspieler Ken Duken. Auch Walter Röhrl hat sich vor anderthalb Jahren ein Modell in Silber zugelegt. „Der GT ist ein Kultauto aus meiner Jugend“, sagt er, „als ich 20 Jahre alt war, da hat man von diesem Auto geträumt.“

Am letzten Tag unseres Fahrtests steckt ein Zettel unter dem Scheibenwischer des saharagoldenen Opel-Coupés. Helge Koller aus München schreibt: „Ich bin ein GT-Fan, rufen Sie mich mal an!“ Es stellt sich heraus, dass der Pensionär in den 70er-Jahren einen GT Junior besaß (mit schwarzen statt der üblichen Chrom-Stoßstangen). „Ich habe dafür das Geld meines ersten Bausparvertrags verjubelt.“ Koller schwört noch heute, dass er die 205 km/h auf dem Tacho tatsächlich erreicht hat, obwohl der Wagen laut Werksangaben maximal 185 Sachen fährt. Egal. Wichtiger war ihm ohnehin, „dass die Mädchen ganz heiß drauf waren, obwohl der GT mit seinem engen Cockpit ja keine Liebeslaube war“. Nach zwei Wochen will Opel unseren Wagen zurück. Wir geben ihn nur ungern her – auch weil er noch nicht alle Anwendungstests durchlaufen hat.

Autor: Stefan Skiera
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