Olympia-Premiere: Darum geht es beim Ski Mountaineering
Herr Hösch, der Sprint-Wettkampf im Ski Mountaineering, kurz Skimo, findet im Stadion-Format statt: Mit Fellen unter den Skiern legen Sie und Ihre Konkurrenten erst 610 Meter Strecke und 70 Höhenmeter zurück, dann folgt eine Trage-Passage über Treppen und schließlich die Ziel-Abfahrt durch mehrere Tore. Nach drei Minuten ist die Hatz vorüber und das Laktat im Grenzbereich. Dabei ist Skitourengehen ja eigentlich ein eher gemütlicher Sport. Wann haben Sie im Training zuletzt das Bergpanorama genossen?
Es kommt schon mal vor, dass wir im Trainingslager am Spätnachmittag noch zum Sonnenuntergang hochgehen. Aber wir sind schon viel auf der Piste unterwegs, weil da durch den Kunstschnee genormte Bedingungen herrschen.
Ihre Staffel-Kollegin Tatjana Paller war Rad-Profi – wie sind Sie zum Skimo gekommen?
Durch den Papa, der mich früh auf Skitouren mitgenommen hat. Als Kind hab ich alles ausprobiert: Fußball, Leichtathletik, vor allem Mittelstrecke. Die ersten Skimo-Wettkämpfe kamen mit 12, 13. Jetzt bin ich seit vier Jahren Profi.
Ihr sportlicher Leiter Hermann Gruber hat erzählt, dass das nationale Skimo-Team 2018 noch aus vier Athleten und einem Busfahrer bestand – was hat sich seitdem getan?
Jetzt sind wir rund 15 Athleten plus Nachwuchs plus Bundestrainer plus zwei Disziplintrainer. Wir waren rund drei Monate im Höhentrainingslager. Aber als wir zuletzt unsere Olympia-Quali gelaufen sind, mussten wir damit bis abends um neun oder zehn warten, weil die Snowboard-Olympioniken am selben Hang noch trainierten. Wir sind schon weiterhin eine kleine Sportart.
Was macht sie dennoch zur tollsten Sportart der Welt?
Dass man so vielseitig trainieren kann: immer andere Strecken, ein anderes Bergprofil, im Sommer Ausdauertraining auf dem Rad oder laufend. Und wir sind nicht an die Piste gebunden, können auch im freien Gelände gehen. Das ist ja der eigentliche Reiz: dass man hinkommt, wo sonst keiner hinkommt.