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Der Mythos bebt

Der neue Ford Mustang Bullitt im Test

Der Mythos bebt – der neue Ford Mustang Bullitt

Einmal so cool sein wie Steve McQueen? Zum 50. Jubiläum des Films „Bullitt“ präsentiert Ford die mittlerweile dritte Sonderedition des Ford Mustang Bullitt. Auf Nizzas Straßen haben wir getestet, ob der Wagen hält, was die Legende verspricht.

Schon wieder: Meine Mundwinkel haben sich zu weit auseinanderbewegt. Dermaßen breit und mit zwei freien Zahnreihen lächelnd hätte sich Steve McQueen, der „King of Cool“, nie erwischen lassen. In Filmen wie „The Great Escape“, „Le Mans“, „Papillon“ oder „The Thomas Crown Affair“ ist seine Mimik absolut minimalistisch – ganz im Gegensatz zu meiner hinterm Steuer des 460 PS starken Sondermodells eines Ford Mustang 5.0 l Ti-VCT-V8 Fastback.

Ich kann einfach nicht anders: Der Fahrspaß im Spezial-Mustang zu Ehren von Lieutenant Frank Bullitt aus dem gleichnamigen Film „Bullitt“ ist so mitreißend, dass meine Gesichtszüge mit dem Pokerface Steve McQueens nichts mehr gemein haben. Egal. Trotzdem glaube ich zu fühlen, dass etwas von Frank Bullitts beziehungsweise Steve McQueens Coolness auf mich als Fahrer des Bullitt-Mustangs übergeht.

Allen voran dafür verantwortlich: der betörende Sound des V8-Motors. Immer ungewöhnlich bassig und je nach Lastzustand und Drehzahl mal blubbernd, brabbelnd, spotzend oder lauthals drauflosbrüllend – ein wahres Fest fürs Trommelfell. Ein Beben aus dem klassisch in Montana Green lackierten Resonanzkörper – ganz wie beim einstigen Original auf der Leinwand. Um nur zehn PS hat das V8-Kraftpaket des Mustang Bullitt im Vergleich zum Organspender Ford Mustang GT zugelegt. Dies erreicht man durch ein spezielles Open Air Induction System, einen Einlasskrümmer mit 87 Millimeter großen Drosselklappen sowie dem Motormanagement aus dem Shelby Mustang GT350.

Eine aktive Klappen-Auspuffanlage sorgt dafür, dass sich die Power auch akustisch bemerkbar macht. Der typische V8-Sound wird dadurch verstärkt. Im Mustang Bullitt überschreitet er aber selbst bei extrem hohen Drehzahlen nie die Grenze von sonor zu aufdringlich. Das unregelmäßige, herzschlagartige V8-Poltern erzeugt bei Insassen wie Passanten Gänsehaut. Schon beim Losfahren am Flughafen in Nizza erleben wir Menschen, die mir mit unmissverständlichen Gesten bedeuten, gefälligst das Gaspedal aufs Bodenblech zu treten und ihnen das Röhren der vierflutigen Auspuffanlage entgegenzuschmettern.

Die möglichen G-Kräfte mit dem Mustang sind enorm, fühlen sich aber stets beherrschbar an im Bullitt-Cockpit. Man muss nicht unbedingt wie einst Frank Bullitt die steilen und buckligen Straßen von San Francisco entlangkacheln oder unglaublich flink durchs Geschlängel der legendären Lombard Street wieseln. Im Mustang Bullitt 2019 reicht auch die beherzte Kurvenjagd entlang der südfranzösischen Route Napoléon.

Neben so vielem anderen ebenfalls sehr cool: Der Mustang Bullitt ist nicht etwa aus Prinzip bei 250 km/h abgeriegelt, sondern entsprechend seines Potenzials erst bei 263. Der 5,0-Liter-V8 katapultiert den 1,8-Tonner in nur 4,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Nicht ganz so schnell, dafür aber ungleich spektakulärer gelingt die Losfahrt mit elektronischer Unterstützung namens „Line Lock“: Die verhindert für 15 Sekunden durch eine Blockade der Vorderreifen das tatsächliche Losfahren, ermöglicht aber gleichzeitig durch maximalen Schlupf an der Hinterachse eine beißende Wolke aus Reifenqualm, wie sie einst auch Steve McQueen in „Bullitt“ produzierte.

Der passionierte Rennfahrer McQueen hatte diese Funktion im Film natürlich nicht nötig, genauso wenig wie die automatische Zwischengas-Funktion beim Herunterschalten des Handschaltgetriebes. Ebenfalls nicht original, dafür aber unbedingt empfehlenswert: das gegen Aufpreis erhältliche Hochleistungsfahrwerk „MagneRide“, das das Ansprechverhalten der Dämpfer nahezu in Echtzeit der aktuellen Fahrsituation anpasst.

Das hilft beim Überfahren der zahlreichen französischen Verkehrsberuhigungs-Schweller ebenso, wie es Bullitt bei der rasanten Abfahrt am Russian Hill genützt hätte. Wer solche Features für Schnickschnack hält, wird sich dagegen über den Bullitt-Schaltknauf im Stil einer weißen Billardkugel freuen. Genauso wie über die knackige Schaltung, deren vorbildlich kurze Wege noch cooler sind als ihre Optik.

Oder die absolut sicheren Drifts, die der Mustang auch bei aktivierter Elektronik in einem Winkel zulässt, der unglaub-lichen Fahrspaß garantiert. Ansonsten outet sich der Mustang eher zurückhaltend als Sonderedition. Nur an wenigen Stellen lehnte Ford das 2019er-Design eng ans 1968er-Filmoriginal an – etwa mit Chromakzenten am schwarzen Kühlergrill und an den vorderen Seitenscheiben.

Und anstelle des galoppierenden Mustangs trägt der Neue das markante Logo am Heck: einen Bullitt-Schriftzug in einem Fadenkreuz als Ausdruck der lizenzierten Kooperation zwischen Ford, dem Filmrechte-Inhaber Warner Brothers und der Steve-McQueen-Stiftung. Die Ford Motor Company aus Dearborn lässt sich das eine schöne Stange Geld kosten. Wie viel, ist nicht bekannt. Aber es muss sich wohl lohnen.

Auch im Fahrzeuginnern findet der geschulte Blick zahlreiche grüne Farbakzente sowie weitere Bullitt-Schriftzüge – etwa am Lenkrad und auf der rechten Seite des Armaturenbretts. Direkt daneben: die jeweilige Produktionsnummer, in diesem Fall die Nummer 030. Auf den Tag genau 50 Jahre nach der Filmpremiere vom 17. Oktober 1968 durfte ich den Bullitt-Mustang ausreiten – und ich muss zugeben: Der Reiz des montanagrünen Sondermodells geht weit über den Coolness-Faktor der Film-Reminiszenz hinaus.

Für ein derart rasantes und exklusives US-Sportcoupé wären 52.500 Euro auch ohne dazugehörige Image-Legende angemessen. Wer übrigens wegen der Bullitt-Nummerierung an eine streng limitierte Auflage des kultverdächtigen Sportwagens glaubt, liegt falsch: Ford nennt derzeit weder eine Zahl noch einen Zeitpunkt fürs Produktionsende. Das dadurch aufgeweichte „Limit“ für den Ford Mustang Bullitt dürfte spätestens mit Ende des Modelljahrgangs 2019 erreicht sein.

Dennoch sagen Experten dem neuen Bullitt nach, ein wertsteigerndes Sammlerobjekt zu sein. Hoffentlich haben sie Unrecht. Denn es wäre um jeden Mustang Bullitt 2019 schade, der sich eingeschweißt in der Spekulanten-Garage die Räder eckig steht, statt über den Asphalt zu brettern und lautstark den Mythos Bullitt in die Welt hinauszuröhren.


Ford Mustang Bullitt 

Geschwindigkeit 263 km/h

Gewicht 1818 kg

0–100 km/h 4,6 Sekunden

Hubraum 5038 ccm

Leistung 460 PS

Drehmoment 4529 Nm

Preis 52.500 Euro


Unser Autor reiste auf Einladung der Ford Motor Company nach Frankreich.

Autor: Ralf Schütze
Ford Mustang Test the Max #266
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