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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Die Mutter aller Autorennen

Wir waren beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans

24 Stunden in Le Mans - die Mutter aller Autorennen

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ist das legendärste Motorsportereignis der Welt. Dieses Jahr fand es zum 86. Mal statt und wir durften dabei sein. Gläubige sollten einmal im Leben den Jakobsweg gelaufen sein, Motor-Männer einmal das heilige Rund in Le Mans besucht haben. 

In der Box des Corvettes Racing Teams läuft „Sharp Dressed Man” von ZZ Top. Die Techniker, die hier arbeiten tragen Schnauzer und gelb-schwarze Poloshirts aus Polyester. Ein Stück Amerika auf dem heiligen Rennstrecken-Boden von Le Mans.

Der brüllende Lärm der Druckluftkompressoren zum Reifen montieren ist nur ein Vorgeschmack auf das 24-Stunden-Orchester, das an diesem Wochenende zum 86. Mal die Großstadt im Westen Frankreichs beschallen soll. Blickt man in die Gesichter des Boxenteams erkennt man bereits am Freitagmorgen eine gewisse Müdigkeit, die ihren Gipfel einen Tag später in einem 24-stündigen Dauereinsatz finden soll.

Le Mans bedeutet Pilgern

Wir reisen pflichtbewusst einen Tag vorher an. Man fährt nicht einfach mal so in die Mutterstadt aller Autorennen. Man pilgert. Wir wurden mit einer Corvette C7 Z06 ausgestattet. 659 PS und über 800 NM Drehmoment hat unser Cabrio. Viel zu viel, um ohne Verdeck oder mit Verstand zu fahren. Der erste Blitzer noch auf Deutscher Seite ist ein Schuss vor den Bug, der gerade zur rechten Zeit kommt. In Frankreich wird bei zu viel Geschwindigkeit auch mal ein Auto beschlagnahmt. Kein angemessener Wegzoll auf unserer Pilgerreise.

Playboy-Volontär Max Krones in der Corvette Z06.

Als wir am Abend in Le Mans ankommen bekommen wir eine Vorahnung von dem Verkehrsinfarkt, der die Stadt die nächsten 72 Stunden heimsuchen soll. Für sieben Kilometer in die Stadt brauchen wir knapp zwei Stunden. „So ist das halt in Le Mans“, sagt unser Fahrer und meint damit eigentlich „so ist das halt, wenn 250 000 Motorsportverrückte auf einem Haufen sind“. Die eher chaotische Herangehensweise der Franzosen an den Straßenverkehr tut ihr übriges.

Selbstvertrauen und Ambitionen

Nachdem wir Freitagmorgens die Techniker in der Box für die beiden Corvettes mit den Startnummern 63 und 64 aus nächster Nähe beobachten, treffen wir zwei der Fahrer der Corvette C7.RNr. 64: Oliver Gavin, fünfmaliger Le Mans Gewinner und Marcel Fässler, dreimaliger Le Mans Champion. Das Corvette Team ist zum 19. Mal in Le Mans und konnte bereits acht Siege verbuchen. Das gibt Selbstvertrauen und weckt Begehrlichkeiten.

Corvette-Fahrer Oliver Gavin während des Interviews.

„Am Ende musst du schnell sein“, sagt Gavin. Was wie eine Binsenweisheit klingt, verrät viel über den Charakter dieses Events. Mit dem Ende meint er nämlich die letzten vier bis sechs Stunden. Das doppelte bis dreifache eines Formel 1 Rennens. „Aber an diesen Punkt muss man erstmal kommen“, sagt Gavin und deutet damit schon den Verlauf des Rennens für sein Team an.

Die Fahrer der Corvette C7.R Nr. 64 während der Fahrerparade in der Altstadt.

Während die Funktionäre und Techniker in der Box weiter mit den Vorbereitungen beschäftigt sind, formiert sich am Nachmittag in der Altstadt die wohl spektakulärste Party des ganzen Wochenendes. Die Fahrerparade.

Le Mans verbindet Karneval und Sport.

Rund um den Umzug aus historischen Fahrzeugen und karnevalesken Darstellern, die genauso gut beim „Burning Man Festival“ auftreten könnten, feiert die begeisterte Masse. Hier tanzen Männer um die 50 in rosa Polohemden auf Plastikstühlen mit Plastikbechern voll Bier in der Hand. Soldaten mit Maschinengewehren patroullieren neben knutschenden Teenies an der Bushaltestelle.

Frauenanteil ist Rekordverdächtig

Der Stadtkern mutiert zur Partymeile und jeder Gastronom darf sich an diesem Tag über den besten Umsatz des Jahres freuen. Und noch was fällt auf: Im Gegensatz zur Strecke, liegt der Frauenanteil hier bei gut 40 Prozent. Ebenfalls Rekordverdächtig für eine Motorsportveranstaltung.

Der Andrang während des Grid Walks.

Der Rennstart am Samstag um 15 Uhr liegt gut. Genug Zeit, um den Kater vom Vortag auszuschlafen. Privilegierte Fans, sprich mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet, können zuvor noch beim Grid Walk die Boliden aus nächster Nähe begutachten. Inklusive Grid Girls und Boys. Schönen Gruß an die Formel 1 an dieser Stelle.

Le Mans ist Jerusalem

Die Stimmung wirkt andächtig, fast sakral. Le Mans ist nicht das Mekka der Motorsportverrückten, es ist das Jerusalem. Der Grundstein für alle anderen Autorennen der Welt. Ganz egal welche Motorisierung. Le Mans war das erste legendäre Rennen der Geschichte. Niemand wagt es, hier die Boliden anzufassen. Die Techniker wirken unbesorgt, obwohl doch schon der kleinste Kieselstein im Wagen ein blockiertes Gaspedal verursachen könnte.

Die Paraffin-Tricolore.

Kurz vor dem Rennstart jagen die Düsenjets der französischen Armee über die Köpfe der Zuschauer auf der Tribüne hinweg und sprühen die Tricolore aus Paraffin in den Himmel. Fallschirmjäger landen auf der Strecke und bringen die Flagge in voller Kampfmontur über die Zielgerade unter stürmischem Beifall ins Ziel – undenkbar etwa beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.

Keine Eile während des Rennens

Als das Rennen startet beginnt der Höllenlärm, aber rund um die Strecke kehrt Ruhe ein. Wer nicht an der Strecke ist, sitzt mit einem Bier auf dem Campingstuhl, schaut wahlweise ein WM-Spiel oder die Fernsehübertragung des Rennens während das Fleisch auf dem Grill bruzzelt. Niemand hat es mehr eilig.

Der Schweizer Fahrer Marcel Fässler konnte ist dreimaliger Le Mans Sieger.

Für die übermüdeten Teams geht der Kraftakt erst richtig los. Drei Fahrer pro Auto, die jeweils in zwei oder drei Stunden Schichten fahren. „Wenn es gut läuft, bekommen wir ungefähr eineinhalb Stunden Schlaf zwischen den Stints“, sagt Fahrer Marcel Fässler vor dem Rennen. Dieser Schlaf sei allerdings nicht mit echtem Schlaf zu vergleichen. „Am schlimmsten ist es, wenn man lange nicht einschlafen kann und gerade dann zur nächsten Schicht geweckt, wenn man gerade weggedöst ist.“

Mittelmäßiges Abschneiden für Corvette Racing

Fässler dürfte wohl noch wach gewesen sein, als sein Kollege Oliver Gavin nach wenigen Stunden Probleme mit der rechten Radaufhängung gemeldet hatte. Nach mehrmaligen Boxenstopps fiel das Team auf Platz 17 zurück und musste mit Anzeichen einer Motorenüberhitzung nach dreiviertel des Rennens das Handtuch werfen. Corvette Nr. 63 bleibt im Rennen und hält sich stetig zwischen den Plätzen neun und fünf. Kein Totalausfall, aber Feierstimmung in der Pitlounge will sich nicht so recht breitmachen.

Vier Auspuffrohre sorgen für ein sattes, tiefes Brummen.

In der Zwischenzeit drehen wir eine gemütliche Runde mit unserer Corvette. So gemütlich man mit diesem Höllengefährt eben unterwegs sein kann. Passanten springen vor das Auto, zwingen einen zum Bremsen und zur Hörprobe. Der Sound begeistert jeden. Kenner können mit geschlossenen Augen sagen, wann die Corvette auf der Rennstrecke gerade vorbeifährt.

Die Stille tut gut

Die Nacht bricht ein und noch mehr Autos von anderen Rennställen fallen aus. Um 23 Uhr kehrt zum ersten mal für wenige Sekunden Stille ein auf der Start-Ziel-Geraden. Eine kurze Wohltat.

Der Sieger-Porsche in der Klasse GTE-Pro ist ein 911 RSR.

Die Spitze der GTE-Pro-Kategorie – also der seriennahen GT-Sportwägen mit durchweg professionellen Rennfahrern am Steuer – nimmt ein Porsche 911 RSR vom Team Rüssel in Beschlag. Mit Stellenweise drei Minuten Vorsprung uneinholbar für Konkurrenz, die neben Corvette noch aus Ferrari, Aston Martin, BMW und Ford besteht.

Beiläufige Höllenfahrt?

Und während die Fahrer auf der Strecke auch am nächsten Morgen noch am absoluten Limit sind, schlendern ein paar Hundert Meter weiter die Fans durchs Village, das Besucherzentrum. Untersetzte englische Paare bummeln von einem Stand zum nächsten. Decken sich mit neuen Gürtelschnallen, vintage Blechschildern und Fan-Caps ein. Die Höllenfahrt wird fast beiläufig, würde man die Motoren nicht noch brachial laut hören.

Die Corvette C7.R Nr. 63 beim Zieleinlauf.

Am Ende gewinnt der 911 RSR Porsche in der GTE-Pro-Klasse. Toyota holt zum ersten Mal den Gesamtsieg in der höchsten Klasse, der LMP1. Unter anderem am Steuer: Ex-Formel-1 Pilot Fernando Alonso. Während der Toyota in der Zielgeraden einfährt, stürmt das Team aus der Boxengasse an die Rennstrecke. Ihr Jubel ist riesig, der der Zuschauer auf der Tribüne so groß, wie man ihn nach 24-Stunden-Dauer-Action vermutet.

Sieg der Müdigkeit

Direkt nach Rennende setzt sich die Masse in Bewegung und drängt Richtung Ausgang. Verdenken kann man es den Fans nicht. Diese 24-Stunden sind bei aller Dramatik vor allem eines: Kräftezehrend. Party, Lärm, Mitfiebern. Da ist das Ergebnis am Ende nur ein Teil der kompletten Le-Mans-Erfahrung. Schlafmangel steht definitiv ganz oben. Und bevor wir uns wieder in unsere Z06 setzen und den Heimweg antreten, wollen und müssen wir erst noch eine Nacht schlafen. Denn Müde ist mit diesem 6,2 Liter V8 Geschoss auf der Autobahn auch als Lebensmüde gleichzusetzen.

Die Corvette Z06 als Cabriolet.

 

Corvette Z06 Cabriolet

 

Geschwindigkeit: 310 km/h

Gewicht: 1539 kg

0–100 km/h: 3,8 Sekunden

Hubraum: 6162 ccm

Leistung: 659 PS

Preis: ab 121.900 Euro

Autor: Maximilian Krones
Wir waren beim 24 Stunden Rennen am Nürburgring
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