Dry January ohne Verzicht: Was Sie über Weine ohne Alkohol wissen müssen

Gruppe von Personen sitzt an einem Tisch in einem Restaurant und stösst mit Gläsern Roséwein an.
Auf Alkohol, aber nicht auf Geselligkeit verzichten? Geht im Dry January ganz einfach mit alkoholfreien Weinen
Credit: Stocksy
Gruppe von Personen sitzt an einem Tisch in einem Restaurant und stösst mit Gläsern Roséwein an.
Auf Alkohol, aber nicht auf Geselligkeit verzichten? Geht im Dry January ganz einfach mit alkoholfreien Weinen
Credit: Stocksy

Nicht nur im „Dry January“ trinken immer mehr Menschen Weine ohne Alkohol. Die Expertin Victoria Thal Mager erklärt, warum diese selten exakt wie normale Weine schmecken – das aber auch gar nicht sollen. Plus: 5 alkoholfreie Weine, die wirklich gut sind.

Philipp Nowotny
Von: Philipp Nowotny
09.01.26
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Frau Thal Mager, wenn man Alkohol reduzieren oder darauf verzichten will – warum dann alkoholfreien Wein trinken? Warum nicht einfach Wasser oder Saft?

Viele Menschen trinken tatsächlich einfach nur Wasser, Saft oder Tee. Aber viele wollen sich, auch wenn sie auf Alkohol verzichten, zugehörig fühlen und die sozialen Normen in geselligen Runden erfüllen, und dazu gehört eben gerade der Konsum bestimmter anderer Getränke.

Beim Trinken geht es also nicht nur darum, den Durst zu stillen oder sich zu einfach zu berauschen, es geht auch um das gesellige Miteinander.

Absolut. Das ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Wir trinken Wein seit den alten Römern und bereits davor. Wenn Sie mit Kollegen oder Freunden ausgehen und gerade keinen Alkohol trinken wollen, hören Sie oft: Ach, trink doch nur ein Glas mit. Das können Sie umgehen, indem Sie alkoholfreien Wein oder einen alkoholfreien Drink bestellen.

Die Britin Victoria Thal Mager hat unzählige Weine ohne Alkohol getestet und in die Schweiz, wo sie lebt, importiert. Heute berät sie dazu Bars und Unternehmen
Credit: privat

Gerade bei der sogenannten Gen Z, also Menschen unter ungefähr 30 Jahren, ist es ja mittlerweile völlig normal, keinen Alkohol mehr zu trinken. Vor Kurzem ergab eine Studie, dass rund die Hälfte fast nie Bier, Wein oder Spirituosen zu sich nehmen.

Das stimmt, aber viele aus der Gen Z trinken tatsächlich einfach nur Wasser. Die Zielgruppe für nicht alkoholische Weine ist sehr viel breiter, denn insgesamt haben wir heute in unseren Gesellschaften ein größeres Bewusstsein für unsere Gesundheit – und wissen mehr darüber, wie schädlich Alkohol ist.

Aber es macht doch auch Spaß, ab und zu Alkohol zu trinken, finden Sie nicht?

Natürlich, ich selbst trinke ja auch Wein, Spirituosen und Cocktails mit Alkohol. Aber wir haben in diesem Leben nur diesen einen Körper – und jeder muss für sich selbst entscheiden, was noch gut für ihn ist.

Sie arbeiten in einer leitenden Funktion in der Medizinbranche, haben aber gleichzeitig eine große Expertise zu alkoholfreien Weinen und diese einige Jahre lang selbst in die Schweiz importiert. Woher kommt Ihr Interesse dafür?

Ich reise viel und bin viel im Austausch mit Kunden. Vor einigen Jahren habe ich festgestellt, dass ich während der Arbeit einfach zu viel trinke. Während Corona war ich dann zu Hause und habe gar nicht mehr alkoholisch getrunken, weil es dazu keine Anlässe gab. Ich esse und koche aber sehr gerne und habe nach Getränken gesucht, die dazu passen. So bin ich auf die Welt der alkoholfreien Weine gestoßen.

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Viele Weinliebhaber bemängeln, der Geschmack von alkoholfreien und alkoholischen Weinen unterscheide sich deutlich.

Ja, es wird immer einen kleinen Unterschied im Geschmack geben. Schließlich entfernen Sie etwas aus dem Wein – also den Alkohol –, das vorher mal drin war. Aber die Technologie entwickelt sich weiter, insbesondere bei der Vakuum-Destillation. Das sorgt dafür, dass der Geschmack, der Körper und der Charakter des Weines immer besser bewahrt werden. Vor allem bei den Schaumweinen gibt es mittlerweile herausragende Beispiele, da habe ich selbst Hunderte Tastings durchgeführt, bei denen die Teilnehmenden keinen Unterschied mehr herausschmecken. Dabei hilft auch die Kohlensäure.

Es wird immer einen Unterschied im Geschmack geben

Victoria Thal Mager

Victoria Thal Mager

Welche Methoden gibt es, um alkoholfreien Wein herzustellen?

Es gibt vier Methoden. Die erste ist: Sie lassen den Wein gar nicht erst fermentieren. Das ist eine Art Most, der recht süß schmeckt. Die zweite: Sie nutzen die Vakuum-Destillation und entziehen dem Wein bei niedrigen Temperaturen den Alkohol. Die dritte Methode ist die Schleuderkegel-Technologie, dabei werden die Moleküle getrennt, und der Alkohol kann entnommen werden. Und die vierte Methode ist eine Kombination, bei der nicht alkoholischer Wein und Most vermischt werden – so werden meist Weine mit geringer Qualität hergestellt, denn da wird oft versucht, mit Zucker einen minderwertigen Geschmack zu kaschieren. Und es gilt: Egal, welcher Prozess, Sie müssen mit einem hochwertigen Basis-Wein arbeiten.

Manche Hersteller arbeiten gar nicht mit Weintrauben, sondern beispielsweise mit Obst oder Teesorten, richtig?

Da gibt es viele experimentelle Ansätze, die ich sehr mag. Gerade Tee hat ein sehr großes Aromenspektrum. Ganz grundsätzlich denke ich, wir sollten uns von der Idee verabschieden, dass wir im Geschmacksbild so nah wie möglich an einen Wein mit Alkohol herankommen. Unser Ziel sollte ein nicht alkoholischer Wein sein, der mit seiner Qualität für sich selbst steht: ein gesundes Getränk, das nicht voller Zucker und Zusatzstoffe ist und eine komplexe Geschmacksstruktur aufweist.

Dry January: 5 alkoholfreie Weine, die wirklich schmecken

Riesling 2024 von Kolonne Null

Sehr aromatisch, trocken und mineralisch – und sehr nah dran an einem Riesling mit Alkohol. Die Berliner Marke arbeitet mit unterschiedlichen unabhängigen Winzern zusammen, ihre Weine können sich daher teils stark unterscheiden. 0,75 l, 10,90 Euro; kolonnenull.com

Eine Flasche des alkoholfreien Rieslings kostet knapp 11 Euro
Credit: PR

Deserteur Pinot Noir Zero von Bibo Runge

Bei Rotwein ist der Unterschied zwischen mit und ohne Alkohol besonders groß – die einen mögen das, die anderen lehnen es schlicht ab. Dies als Vorwarnung, bevor Sie diese gelungene Abfüllung testen. 0,75 l, 15,90 Euro; bremer-weinkolleg.de

Alkoholfreier Rotwein schmeckt nicht jedem Gaumen, diesen sollten Sie aber unbedingt probieren
Credit: PR

Légère Rosé Cuvée von Brogsitter

Ein Rosé aus einem jahrhunderte­alten Familienbetrieb an Ahr und Rhein. Leicht und frisch, trotzdem mit Charakter und Noten von Erd- und Johannisbeere – aber ohne die übermäßige Süße, wie sie Rosés aus der Provence oft mitbringen. 0,75 l, 7,80 Euro; brogsitter.de

Leicht und frisch, ohne zu süß zu sein. Eine Flasche dieses alkoholfreien Rosé kostet rund 8 Euro
Credit: PR

Eins-Zwei-Zero Sparkling Rosé von Leitz

Dieser Rosé-Schaumwein stammt hauptsächlich aus der Spätburgunder-Traube. Knackig und frisch mit beerigen Aromen, guter Säure und ein wenig Süße – passt gut zu scharfen Gerichten oder Pasta. 0,75 l, 9,90 Euro; leitz-wein.shop

Dieser alkoholfreie Sparkling Rosé passt gut zu Pasta oder scharfen Gerichten
Credit: PR

Noughty Sparkling Chardonnay von Thomson & Scott

Der All-time Favourite unserer Expertin Victoria Thal Mager: Wenn Sie eine alkoholfreie Champagner-Alternative suchen, dann probieren Sie diesen Schaumwein mit leichten grünen Apfelnoten. 0,75 l, 14,95 Euro; soberciety.de

Für Festtage, an denen alle zusammen anstoßen möchten: Eine Flasche des alkoholfreien Sparkling Chardonnay kostet rund 15 Euro
Credit: PR

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