„Ein sportlicher, muskulöser Körper kann genauso feminin und schön sein“
Eishockey ist ein schneller, harter Sport mit viel Körperkontakt. Wie passt ein Playboy-Shooting für Sie in diese Welt, Frau Feldmeier?
Es war auf jeden Fall eine Erfahrung weit außerhalb meiner Komfortzone – wahrscheinlich die größte, die ich bisher gemacht habe. Ich bin aber jemand, der sich gerne Herausforderungen stellt.
Wie hat es sich für Sie angefühlt, vor unserer Kamera zu stehen?
Natürlich war das am Anfang sehr ungewohnt. Aber mit der Zeit wird man lockerer, lernt, mit der Kamera umzugehen, und vergisst ein Stück weit, dass sie überhaupt da ist. Ich habe mich beim Playboy-Team sehr gut aufgehoben gefühlt – das hat geholfen. Unterm Strich war es eine spannende Erfahrung, die mir viel Spaß gemacht hat.
Wie kam es dazu, dass Sie sich für dieses Foto-Shooting entschieden haben?
Im Team haben wir immer wieder über Themen wie Body Positivity gesprochen. Irgendwann kamen wir dabei auch auf den Playboy. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aber noch nicht wirklich daran gedacht, so ein Shooting zu machen. Als es dann tatsächlich die Möglichkeit gab, habe ich mir sehr genau überlegt, ob ich diesen Schritt wirklich gehen möchte.
Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, Ja zu sagen?
Ein wichtiger Punkt war für mich die Botschaft hinter den Bildern. Eishockey ist ein sehr kraftintensiver Sport, wir trainieren viel Oberkörper, sind entsprechend muskulös. Gerade als jüngeres Mädchen habe ich selbst oft gedacht: „Ich will kein Oberkörpertraining mehr machen, das sieht doch nicht weiblich aus.“
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Ist diese Denkweise unter jungen Spielerinnen verbreitet?
Meiner Erfahrung nach ja. Dabei ist sie völlig falsch. Ein sportlicher, muskulöser Körper kann genauso feminin und schön sein. Genau das wollte ich zeigen.
Mit welchen Vorurteilen werden Sie als Eishockeyspielerin konfrontiert?
Leider mit vielen – da fallen Begriffe wie „Mannweiber“ bis hin zu Sätzen wie: „Du bist viel zu hübsch, um Eishockey zu spielen.“
Sie haben bis zur U16 selbst mit den Jungs gespielt. Heute gehören Sie zu den Leistungsträgerinnen im Frauen-Nationalteam und haben bereits über 100 Länderspiele absolviert.
Ich war schon als Kind extrem ehrgeizig, wollte mich immer mit den Besten messen – egal, ob Junge oder Mädchen.
Haben Sie sich dabei an Vorbildern orientieren können?
Am Anfang waren das meine Brüder, die beide Eishockey gespielt haben. Denn bis ich zwölf war, wusste ich, ehrlich gesagt, nicht einmal, dass es Frauen-Eishockey gibt. Deshalb finde ich es heute besonders schön, wenn junge Spielerinnen zu mir kommen und sagen, ich sei ihr Vorbild. Das gab es zu meiner Zeit kaum. Frauen-Eishockey war einfach nicht sichtbar.
Große Turniere wie Olympia bieten dem Sport eine enorme Bühne. Mit welchen Zielen reisen Sie nach Mailand?
Gold und Silber machen die USA und Kanada für gewöhnlich unter sich aus. Aber wir fahren nicht zu Olympia, um nur dabei zu sein. Wir fahren hin, um zu gewinnen. Das Team hat unglaublich viel Potenzial, Talent und Charakter – sportlich wie menschlich.
Wie können Fans Sie und das Team auf diesem Weg unterstützen?
Indem sie sich die Spiele anschauen, mitfiebern und dem Frauen-Eishockey offen begegnen. Einfach mal einschalten und sich darauf einlassen – das lohnt sich.
Die Ehrgeizige
Franziska Feldmeier, geboren am 5. Februar 1999 in München, startete ihre Karriere in der männlichen Nachwuchsmannschaft des TSV Erding. 2013 wechselte sie ins Frauen-Team des ESC Planegg, spielte aber dank einer Doppellizenz zwei Jahre lang parallel bei den Jungs und den Mädchen.
Mit großem Erfolg: 2014, 2015, 2017 und 2021 gewann sie mit Planegg den Meistertitel in der Frauen-Eishockey-Bundesliga. Nach einem Abstecher in die schwedische Liga lief die Stürmerin ab 2024 für den ECDC Memmingen auf und wechselte ein Jahr später als Deutsche Meisterin zu den Eisbären Juniors Berlin.
Im deutschen Frauen-Nationalteam zählt die 27-Jährige mit über 100 Länderspielen längst zu den Leistungsträgerinnen. Nun greift Franziska mit den DEB-Frauen bei Olympia nach Edelmetall. Los geht es am 5. Februar mit dem Vorrundenspiel gegen Schweden.
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