Wie man an Karneval trinkt, ohne den Körper zu ruinieren

Illustration eines lächelnden Mannes im Anzug vor einem hellblauen Kreis; darunter steht „Gerd Wirtz“ und groß der Titel „JUNG BLEIBEN“, rechts ergänzt durch „für Anfänger“ auf weißem Hintergrund.
Credit: Midjourney / Lea Schmitt
Illustration eines lächelnden Mannes im Anzug vor einem hellblauen Kreis; darunter steht „Gerd Wirtz“ und groß der Titel „JUNG BLEIBEN“, rechts ergänzt durch „für Anfänger“ auf weißem Hintergrund.
Credit: Midjourney / Lea Schmitt

Unser Kolumnist Dr. Gerd Wirtz feiert Karneval in Köln. Und weiß, wie man den Kater klein hält. Uns verrät er seine besten Tipps …

Dr. Gerd Wirtz
Von: Dr. Gerd Wirtz
08.02.26
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Ich komme aus Köln. Das ist wichtig für diesen Text. Denn wer hier lebt, weiß: Karneval ist kein Event, sondern ein Zustand. Irgendwo zwischen dem zweiten Kölsch und dem dritten Lied kommt kurz der Gedanke auf, ob das alles eigentlich eine gute Idee ist. Der Zweifel hält aber nicht lange. Meistens weil gerade jemand „Viva Colonia“ anstimmt.

Ich habe lange geglaubt, man müsse sich zwischen Feiern und Vernunft entscheiden. Heute sehe ich das entspannter. Man muss nur verstehen, was Alkohol mit dem Körper macht. Und wie man das Schlimmste verhindern kann.

Alkohol ist für den Körper ein Notfall. Sobald er ankommt, lässt die Leber alles liegen. Fettverbrennung, Blutzuckersteuerung, Regeneration – Pause. Erst wird der Alkohol abgebaut. Was in dieser Zeit gegessen wird, landet eher im Speicher als im Verbrauch. Deshalb beginnt ein guter Karnevalsabend nicht mit dem ersten Kölsch, sondern mit dem, was vorher auf dem Teller liegt.

Ich esse vor einer langen Kneipennacht etwas mit Eiweiß und Fett. Kein leeres Brötchen, sondern Eier, Käse, Joghurt oder in Köln gern einen Halven Hahn. Für Nicht-Kölner: Das ist kein halbes Hähnchen, sondern ein Roggenbrötchen mit dickem Gouda, Senf und Gurke. Schmeckt großartig und hält den Blutzucker stabil. 

Fett und Eiweiß sorgen dafür, dass der Alkohol langsamer ins Blut geht. Man bleibt klarer. Und trinkt automatisch langsamer. Meistens jedenfalls.   

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Die Karnevals-Grundregeln: Essen, trinken, bewegen - und ja, schunkeln zählt auch

Beim Trinken selbst versuche ich mich an eine einfache Regel zu halten: ungefähr genauso viel Wasser wie Alkohol zu trinken. Ein Kölsch, ein Glas Wasser. Nicht aus Vernunft, sondern aus Chemie. Alkohol entwässert. Wer das nicht ausgleicht, fühlt sich am nächsten Morgen wie ein nasser Waschlappen auf der Heizung.

Welche Getränke besser sind? Je einfacher, desto freundlicher für den Stoffwechsel. Bier, trockener Wein, klare Spirituosen. Alles, was süß und klebrig ist, macht es dem Körper doppelt schwer.

Bewegung hilft übrigens mehr, als man denkt. Und im Karneval bekommt man sie geschenkt. Schunkeln ist kein stilles Sitzen, Tanzen erst recht nicht. Und wer eine Polonäse auslässt, verpasst nicht nur soziale Punkte, sondern auch Stoffwechselhilfe. Diese ständige kleine Aktivität hält den Blutzucker in Bewegung und verhindert, dass man komplett einrostet.

Etwas Rücksicht auf den Stoffwechsel – und der Aschermittwoch fühlt sich erstaunlich gut an

Und was sagt man den Kumpels, wenn man langsamer trinkt? In Köln ganz einfach: „Ich brauch kurz Wasser, sonst fall ich euch gleich um.“ Niemand widerspricht jemandem, der den Abend überleben will.

Ich trinke im Karneval. Und ich genieße das auch. Aber ich habe aufgehört, meinen Stoffwechsel dabei komplett zu ignorieren. Ein bisschen Vorbereitung, ein bisschen Wasser, ein Halver Hahn zur rechten Zeit – und der Aschermittwoch fühlt sich plötzlich erstaunlich zivilisiert an.

Karneval ist Lebensfreude. Man darf sie feiern. Man muss nur nicht jeden Preis dafür zahlen.

Dr. Gerd Wirtz ist promovierter Neurophysiologe, Experte für Präventivmedizin und Keynote-Speaker. In seiner Playboy-Kolumne schreibt er alle zwei Wochen über Longevity und Männergesundheit. Mit seinen Kollegen Prof. Dr. Ingo Froböse und Peter Großmann betreibt er zudem den Podcast „Männer-TÜV“.