Die KI in unserem Schlafzimmer: So gefährlich sind smarte Sextoys
Smarte Sextoys unterscheiden sich von klassischen Sexspielzeugen vor allem durch ihre technische Ausstattung. Sie lassen sich per App oder Fernbedienung steuern und eröffnen dadurch völlig neue Möglichkeiten für Paare – besonders in Fernbeziehungen. Über eine verbundene App kann der Partner oder die Partnerin die Intensität, Rhythmus und Art der Vibrationen aus der Ferne kontrollieren und so intime Momente teilen, ohne körperlich anwesend zu sein.
Auch Toys mit Fernbedienung ermöglichen das Abgeben der Kontrolle, jedoch in kürzerer Distanz: Solange das Toy getragen wird, kann die andere Person jederzeit eingreifen, die Einstellungen ändern oder spielerisch „teasen“ und damit heiß machen – etwa, wenn man gemeinsam unterwegs ist.
Sextoys im Test: Eindringen in die Privatsphäre absolutes No-Go
Stiftung Warentest hat sich die smarten Sexspielzeuge nun genauer angesehen. Getestet wurden 19 an der Zahl, darunter Dildos, Vibratoren, Masturbatoren und Analplugs. Das Ergebnis ist ernüchternd, um nicht zu sagen: schockierend. Viele Geräte, die Lust versprechen, liefern vor allem eins – Risiken. Sie sind nicht nur schlecht verarbeitet oder mit Schadstoffen belastet, sie gehen auch leichtsinnig mit privaten Informationen der Nutzer um.
Überraschend schlecht schnitt das Gerät „Lush 4“ von Lovense ab. Kaum eine Marke wird so oft als die für das beste Sexspielzeug beworben und dennoch wurden hier einige Mängel gefunden. Besorgniserregend sei laut Stiftung Warentest, dass der Vibrator personenbezogene Daten sammelt – etwa zur Nutzung, Häufigkeit und Verbindungsdetails – und diese an ChatGPT weitersendet. Es wird also ausgerechnet an dem Ort in die Intimsphäre eingegriffen, der eigentlich am sichersten und privatesten sein sollte – dem Schlafzimmer.
Zudem ist auch keine deutschsprachige Datenschutzerklärung vorhanden. Damit verstoßen Hersteller gegen grundlegende Datenschutzrichtlinien und lassen Nutzer im Unklaren, was genau mit ihren Informationen passiert.
Sextoys im Test: Große Marken, große Datenschutzlücken
Der Preis ist ebenfalls kein Garant für Lust, die sicher ist: Lelo und Svakom, beides Marken mit Prestige in der Erotikbranche, sind im Test durchgefallen. Ihre Apps sollen deutlich mehr Daten als nötig an Drittanbieter schicken. Darunter IP-Adressen, Nutzungsstatistiken und Verbindungsdetails. Für Paare und auch für Singles sind das keine guten Nachrichten. Schließlich gilt Selbstbefriedung als die privateste Form der Lust. Doch genau diese Intimität kann, ohne dass man es merkt, in einer Datenbank landen.
Sextoys im Test: Was man gegen Datenschutzlücken machen kann
Damit der Spaß nicht zum Sicherheitsrisiko wird, rät Anne Mandt, Expertin der Stiftung Warentest, zu einem simplen Trick: „Benutzen Sie die App-gesteuerten Toys einfach ohne App.“ So bleibt das Vergnügen da, wo es hingehört: im Bett und nicht in der Cloud.
Frei von Überwachungen und dabei noch erschwinglich sind die klassischen Modelle, die ohne App auskommen. Ein Beispiel ist der Rabbit „Young Hearts“ von Müller für rund 30 Euro. Er reagiert zwar nicht in Echtzeit mit einem Partnergerät, dafür bleibt der Rabbit offline – und Ihre Daten bleiben dort, wo sie hingehören: bei Ihnen.
Auch für Männer gibt es eine sichere Alternative. Der Masturbator „Durex play“, ebenfalls für 30 Euro, gehört laut Stiftung-Warentest-Bewertung zu den besten seiner Kategorie. Er überzeugt nicht nur durch einfache Handhabung, sondern auch durch eines: „Durex play“ funktioniert, ohne Informationen ins digitale Nirgendwo zu schicken.
Wer also gerne im Schlafzimmer, aber nicht mit seinen Daten spielt, setzt besser auf Altbewährtes – zumindest so lange, bis die smarten Sextoys gelernt haben, was Privatsphäre bedeutet.